"Wir erweitern den Wettbewerbsvorsprung von Unternehmen"

Im Interview mit der Campaigning Academy Berlin spricht Mirko Bendig, Mitgründer des Crowdsourcing-Portals Phantominds, über die Idee hinter dem Projekt und erklärt, warum Crowdsourcing gerade für etablierte Unternehmen einen Innovationsschub leisten kann. Außerdem gibt er interessante Einblicke in die Zusammensetzung der Kreativ-Community auf Phantominds.

Volker Gaßner: Was war die ausschlaggebende Idee zum neu gestarteten Projekt Phantominds?

Mirko Bendig: Mein Mitgründer Alex und ich haben schon länger den Traum gehegt, etwas Eigenes aufzubauen und groß zu machen. Wir waren nicht wirklich auf der Suche nach einer Gründungsidee, es war aber auch nicht die erste Idee, die wir gemeinsam diskutiert haben. Inhaltlich ist die Idee aus einem Beratungsprojekt in 2012/2013 entstanden, bei dem am Rande auch Crowdsourcing-Phänomene untersucht wurden. Auf dieser Basis drängte sich dann die Frage auf, ob sich die Innovations- und Produktentwicklungs-Workshops, die wir schon für Kunden gemacht haben, nicht auch virtuell mit einer größeren Masse an Menschen machen und somit bessere Lösungen für die Unternehmen entwickeln lassen. Gerade Lösungen für digitale Geschäftsmodelle für Unternehmen haben uns gereizt via einer Community zu entwickeln.

Hinzu kam, dass sich bei uns der Eindruck verfestigt hatte, dass wir nicht immer die besten Lösungen für die Unternehmen entwickelt haben. Oftmals war es eine Lösung, die wir schon in der Schublade hatten, bzw. eine Lösung, die zwar in der Marktforschung bestätigt wurde, aber trotzdem nicht von den Endkunden unserer Kunden genutzt wurde. Das war der Antrieb zu schauen, wie können wir die Endkunden von Beginn an in die Entwicklung von Lösungen und Innovationen einbinden, um Angebote zu entwickeln, die die Endkunden auch haben wollen und im Endeffekt auch kaufen. Da bot sich eine Online-Community bzw. ein Crowdsourcing-Angebot an, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

 

Volker Gaßner: Welche Ziele haben Sie sich für das erste Jahr gesetzt? Wann ist das Projekt für Sie erfolgreich?

Mirko Bendig: Wir haben unterschiedliche Ziele für unser erstes Jahr. Wir wollen eine schlagkräftige Stammcommunity aufbauen, sowohl hinsichtlich einer Vielfalt an unterschiedlichen Perspektiven und Expertisen als auch in Bezug auf Quantität. Dafür wollen wir unserer Community attraktive Projekte von namhaften Unternehmen bieten.

Zusätzlich arbeiten wir an einer Produkterweiterung. Wir entwickeln Screeningtool für die automatisierte Suche von Experten für unsere Projekte im Netz. Diese Erweiterung wollen wir dieses Jahr noch auf dem Markt pilotieren und einführen.

 

Volker Gaßner: Wie setzt sich Ihre Community zusammen? Gibt es schon einen festen Stamm von Designern und Entwicklern?

Mirko Bendig: Aktuell haben wir bereits 2.500 registrierte Mitglieder über ein Pilotprojekt und eine Medienkooperation mit dem Magazin StartingUp eingesammelt. Seit den aktuellen Projekten ist die Zahl der Mitglieder steigend. Das aktuelle Durchschnittsalter in unserer Community liegt bei 39 Jahren, wobei die am stärksten vertretene Altersgruppe mit 62,5% die Gruppe der 26 bis 35 Jährigen ist. Wir konnten für unsere beiden ersten Projekte in diesem Jahr viele Teilnehmer aus unserem Pilotprojekt in 2014 und der Medienkooperation motivieren wieder mitzumachen. Von einem festen Stamm können wir noch nicht sprechen. Aber das ist auf jeden Fall ein wichtiges Ziel für uns in diesem Jahr.

 

Volker Gaßner: Für die erste Challenge konnten Sie "Robinson Club" gewinnen. Mit wie vielen Ideen rechnen Sie? Wann lohnt sich das Projekt für Robinson?

Mirko Bendig: Wir rechnen mit mindestens 50 Ideen. Bereits an Tag 1 gab es 5 Ideen. Nach einer Woche liegen wir bereits bei 30 Ideen. Zahlen sind für uns aber nicht so ausschlaggebend. Erfolgreich ist für uns und unserem Auftraggeber das Projekt nicht, wenn besonders viele Ideen eingereicht wurden, sondern wenn die Ideen umsetzbar sind und das Unternehmen vorwärts bringen und für die Zukunft gut aufstellen. [bctt tweet="Eine hohe Qualität der Ideen ist wichtiger als die reine Quantität. Das ist unser Anspruch."]

 

Volker Gaßner: Wann empfiehlt es sich für eine Firma ein Projekt bei Phantominds zu initiieren? Welche Voraussetzungen sind nötig, um einen solchen Prozess für eine Firma erfolgreich zu gestalten?

Mirko Bendig: Es empfiehlt sich ein Projekt bei uns zu initiieren, wenn Firmen auf der Suche nach Innovationen oder frische Impulsen sind. Oft bleibt im operativen Tagesgeschäft keine Zeit um sich um Innovationen, Veränderungen auf den jeweiligen Märkten oder um Herausforderungen durch den digitalen Wandel und durch neue Wettbewerber zu kümmern. Oder die Unternehmen, die an uns herantreten, suchen Produkt-, Dienstleistungs- oder Geschäftsmodellinnovationen. Oder sie haben bereits eine Idee im Kopf oder über ein Ideenmanagement-Tool generiert, brauchen jetzt aber zusätzlichen Input von außen, um die Idee zu einer umsetzbaren Lösung weiterzuentwickeln.

Mit unserem Angebot wollen wir Firmen durch Innovationen für neue Produkte, Services und Geschäftsmodellinnovationen fit und zukunftsfähig machen. [bctt tweet="Wir erhalten dadurch und erweitern den Wettbewerbsvorsprung der Unternehmen."]

 

Volker Gaßner: In den letzten Jahren ist Crowdsourcing vermehrt in die Kritik geraten, der Vorwurf Ausbeutung wird immer öfter erhoben. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Mirko Bendig: Diesem Vorwurf mussten wir uns als neuer Anbieter bisher noch nicht stellen. Wer auf unserer Plattform mitmacht, kennt vorher die Rahmenbedingungen und die Spielregeln. Diese machen wir absolut transparent. Dadurch weiß jeder, worauf er sich einlässt und kann entscheiden, ob er oder sie mitmachen oder nicht.

Unser Ziel ist es, zu dem Thema mit unserer Community in den aktiven Dialog zu treten. Wir wollen weitere Tests, auch in Kooperation und in Begleitung von wissenschaftlichen Einrichtungen durchführen, um den Wünschen und Anforderungen unserer Community gerecht zu werden und eine faire Umgebung zu bieten.