Clinton vs. Trump- Wer gewinnt den Hauptwahlkampf?

Der Vorwahlkampf scheint nun entscheiden. Bernie Sanders zieht seine Bewerbung um das Amt des demokratischen Präsidenschaftskandidates zwar nicht zurück, will aber Clinton unterstützen. Donald Trump hat seine Kandidatur sicher

 

 

 

 

Wer hat die Nase vorn?

Wer hat die Nase vorn?

 

 

Zur selben Zeit vor acht Jahren musste Hillary Clinton sich  gegen Barack Obama geschlagen geben.

In 2016 proklamiert sie nun vor ihren Anhängern, die erste Frau an der Stelle der Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei zu sein und so einen Meilenstein erreicht zu haben.

 

Die ehemalige Außenministerin lässt keinen Zweifel daran, dass sie gegen Konkurrent Trump im Hauptwahlkampf gewinnen wird.

 

 

Die Eigenschaften der Kandidaten

Die Eigenschaften der Kandidaten

 

 

 

Julius van de Laar, Kampagnenstratege und Mitgründer der CAMPAIGNING ACADEMY BERLIN analysiert den Vorwahlkampf in der Tagesschau:

 

 

 

Hillary Clinton oder Donald Trump: Wer hat die Nase vorn beim Rennen um das Weiße Haus? Wer wird zukünftig die USA regieren und die Nachfolge Barack Obamas als Präsident der Vereinigten Staaten antreten?

Van de Laar: In den Umfragen liegt Clinton noch vor Trump . Allerdings scheint dieser Wahlkampf wie auf den Kopf gestellt. Noch vor sechs Monaten hat kaum jemand Trump eine Chance eingeräumt, auch nur einen einzigen Bundesstaat während der Vorwahlen zu gewinnen, geschweige denn die Nominierung. Von daher scheint erst einmal alles offen und möglich. Gleichzeitig hat sich Trump durch einige extreme Aussagen in Richtung Latinos, Afroamerikaner und Frauen bereits disqualifiziert. Trump müsste sieben von zehn weißen Männern für sich gewinnen — mehr noch als Mitt Romney im Jahre 2012. Trump konnte bisher genau in dieser Zielgruppe der weißen, älteren Männer punkten. „Swing-States“ wie Ohio, Florida und Pennsylvania, die in den vergangenen Jahren oftmals an Demokraten gingen, sind plötzlich in Reichweite für Trump. Ob Trump seinen Rückstand aufholen kann, hängt aus meiner Sicht von den folgenden zwei Punkten ab: Erstens, wie stark kann sich Trump in den nächsten fünf Monaten bis zum Wahltag im November repositionieren und von einigen der extremen Positionen bezüglich entscheidender Wählergruppen wie Afroamerikanern, Frauen und Latinos zurückrudern. Zweitens, auf welcher Skala beurteilen die Wählerinnen und Wähler Trump. Sehen sie und bewerten sie ihn als Entertainer oder als Politiker?

Wie sehen Sie den aktuellen Wahlkampf, im Vergleich zu denen, die Sie als Kampagnen- und Strategieberater miterlebt haben?

Van de Laar: Das Ausmaß der negativen Wahlkampf-Rhetorik im aktuellen Wahlkampf ist etwas, was ich so in dieser Form noch nicht erlebt habe. 2008 hatten wir den Slogan „Hope and Change“. Wenn ich mir jetzt Donald Trump anhöre, dann geht es ausschließlich darum, das Land zu spalten und den einen gegen den anderen auszuspielen . Allerdings wird Clintons Ton jetzt deutlich härter, wie ihre Rede in San Diego, California Anfang Juni zeigt. Trump sei als Präsident unvorbereitet und sein Temperament ungeeignet, ein Amt auszuführen, für das man Wissen, Stabilität und enorme Verantwortung brauche. Dass sie Trump für ihre Verhältnisse so direkt angeht, ist Teil einer neuen Taktik. Gleichzeitig ist abzuwarten ob diese Attacke Wirkung zeigt – Trumps republikanische Vorwahl-Kontrahenten haben sich mit dieser Herangehensweise die Zähne ausgebissen.

Trump hat vor kurzem in Washington die Eckpfeiler seiner außenpolitischen Ansichten skizziert — haben Sie etwas Überraschendes von Trump gehört?

Van de Laar: Als Trump vor Kurzem gefragt wurde, wer sein wichtigster außenpolitischer Berater sei, antwortete er: „Das bin ich selbst.“ Die amerikanischen Wählerinnen und Wähler müssen sich die Frage stellen: Wollen wir mit Clinton eine Präsidentin, die als Außenministerin eine zentrale Rolle in den entscheidenden geopolitischen Fragen unserer Zeit gespielt hat, oder ziehen wir es vor jemanden wie Trump im Oval Office zu haben, der außenpolitisch die selbe Herangehensweise an den Tag legt wie den Kauf und Verkauf von Immobilien: „Let’s make a Deal!“ In den letzten Wochen ist einmal mehr deutlich geworden, dass Trump außenpolitisch vollkommen unerfahren ist. Sein Zickzackkurs zwischen Isolationismus und Interventionismus spricht Bände. Vor kurzem hat er sich noch für eine Erweiterung der Nato ausgesprochen, gestern sagte er, dass die USA ihr Engagement in der Nato deutlich zurückfahren sollen. Trump wäre ein opportunistischer Deal-Maker, kein verlässlicher Partner.

Wie unterscheiden sich die beiden Kandidaten in ihren innenpolitischen Ansichten? Werden die Bürger der USA nicht eher danach entscheiden?

Van de Laar: Was beide Kandidaten im Vorwahlkampf gesagt haben, ist nicht zwangsläufig, das was im Hauptwahlkampf sagen, da Clinton dem progressiven und Trump dem konservativen Teil ihrer jeweiligen Parteien erreichen mussten. Was die Politikfelder betrifft, haben beide fundamental unterschiedliche Ansichten, insbesondere bezüglich der Einwanderungspolitik. Trump will „seine Mauer“ bauen, um Millionen mexikanische Einwanderer abzuschieben und propagiert damit noch deutlich drastischer Maßnahmen als es Mitt Romney 2012 tat. Clinton hingegen spricht von mehr Integration und Förderung des Zusammenhalts und der Gesundheitsvorsorge von Familien mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Außerdem stellte Sie eine Peruanerin als „Latino Outreach Director“ ein, die sich besonders um die Bedürfnisse und Anliegen der lateinameriknischen Community kümmern soll.

Sie haben in einem Interview mit der Tagesschau erwähnt, dass der Wahlkampf von Hillary Clinton bis zu 2.5 Milliarden Dollar verschlingen könnte. Welche Rolle spielt Geld im amerikanischen Wahlkampf? Und woher stammen die finanziellen Mittel für immer teurer werdende Wahlkämpfe?

Van de Laar: Der Präsidentschaftskandidat Paul Tsongas hat 1992 gesagt: „People don’t lose campaigns. They run out of money”. Auch heute heißt es noch oft, dass der amerikanische Wahlkampf in vielerlei Hinsicht vom Geld dominiert wird — „wer viel Geld ausgibt, der gewinnt die Wahl“. Doch obwohl der aktuelle Wahlkampf der teuerste der Geschichte werden könnte, zeigen Analysen, dass Geld eine untergeordnete Rolle spielt. Kein Republikaner hatte mehr Spendengelder zur Verfügung als Jeb Bush. Doch Iowa wurde für ihn zum Desaster. Jeb Bush investierte alleine in Iowa ca. 14 Millionen in Wahlwerbung. Das Resultat war ernüchternd: Am Wahltag erhielt Bush in Iowa lediglich 2,8% der Stimmen was ca. 5.000 Stimmen entspricht, bzw. $2.800 je Stimme. Donald Trump hingegen hat vor allem in der TV-Werbung, in die normalerweise der größte Teil des Budgets fließt, deutlich weniger ausgegeben, als seine Kontrahenten. Im Laufe seiner Kampagne hat Trump bereits zwei Milliarden Dollar an unbezahlter, medialer Aufmerksamkeit generiert – fast doppelt soviel wie Clinton mit $746 Millionen. Im letzten Monate erzielte Trump $400 Millionen in Earned Media – soviel wie Clinton und Cruz zusammen. Die Kampagnen finanzieren sich anders als in Deutschland nicht durch öffentliche Mittel sondern durch Spenden. Millionen von Online Spenden die direkt über die Webseite der Kandidaten eingesammelt werden spielen dabei eine enorme Rolle – die durchschnittliche Spende bei Bernie Sanders liegt beispielsweise bei lediglich 27 US Dollar. Ein erheblicher Teil wird aber auch von politischen Vorfeldorganisationen eingesammelt, sogenannten „Super PACs“ (Political Action Committees). So versuchte z.B. der Las Vegas Casino Mogul, Sheldon Adelson, die 2012 Wahl mit 100 Millionen Doller seines eigenen Geldes auf Seite der Republikaner zu beeinflussen.

Es verspricht auf jeden Fall ein spannender Wahlkampf zu werden. Wen wünschen Sie sich als Präsident?

Van de Laar: Hillary Clinton. Dennoch ist es sehr schade, dass Barack Obama nicht noch ein drittes Mal auf dem Stimmzettel stehen wird. Was mich an Obama am meisten beeindruckt ist, dass es ihm immer um die Sache an sich geht, nie um die Inszenierung oder den Glamour. Wenn ich mir anschaue, was er in den beiden Amtszeiten umgesetzt hat…

…was wäre das?

Van de Laar: Innenpolitisch stehen sicherlich die Einführung der Gesundheitsreform sowie die 14 Millionen neugeschaffenen Arbeitsplätze und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 50 Prozent im Vordergrund. Außenpolitisch sehen wir gerade die Öffnung der diplomatischen Beziehungen mit Kuba. Dazu kommen Atomverhandlungen mit dem Iran, die Kehrtwende vom Kurs seines Vorgängers George W. Bush im Irak und Afghanistan und ein klare Positionierung im Kampf gegen den Klimawandel — und, und, und…! Obama kann bereits jetzt auf zwei ausgesprochen produktive Amtszeiten zurückblicken, auch wenn es ihm noch nicht gelungen ist, eines seiner Wahlversprechen umzusetzen: Republikaner und Demokraten zu vereinen. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Die Herausforderungen, als Obama im Januar 2009 das Amt antrat, waren so gigantisch, dass er gerne noch acht Jahre weiter machen würde. Er ist, wie man in Amerika sagt, „100% mission driven“, also immer darauf aus, Probleme zu lösen. Und das kann man am besten aus dem Oval Office heraus machen.

Wird ihn das Volk am Ende dann doch vermissen, obwohl er so viele Jahre kritisiert wurde?

Van de Laar: Er könnte als einer der großen Präsidenten in die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika eingehen. Das werden viele Amerikaner aber wahrscheinlich erst in einigen Jahren realisieren.