Die 7 besten deutschen Wahlkampf-TV-Spots

Trotz steigender Relevanz von digitalen Kanälen, haben im vergangenen US-Wahlkampf  klassische TV-Spots eine große Rolle gespielt. Die Wahlkampfeams von Clinton und Trump gaben insgesamt $200 Millionen USD für TV-Spots aus.

Wenngleich die Wahlkampfbudgets für TV-Werbung in Deutschland deutlich geringer ausfallen, lassen sich die Parteien auch hierzulande einiges einfallen, um es richtig krachen zu lassen. Als Warm-up zur Bundestagswahl, haben wir für euch einige Wahl-TV-Spot Klassiker zusammengestellt:

“Bundestagswahl 1998, SPD: „Nicht gemacht für die Zukunft“ oder „Can’t beam him up, Scotty“

Nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Helmut Kohl, gab es eine spürbare Wechselstimmung in Deutschland. Die SPD machte die Bundestagswahl zu einem Referendum darüber, wer Deutschland in die Zukunft führen könne.

Der Spot zeigt eine chaotische Situation: Ein Rettungstrupp aus dem All muss auf die Erde gebeamt werden, um sie zu retten. Doch eine Person bleibt im All: Helmut Kohl hat nicht mehr genug Energie, um das Land zukunftsweisend zu führen. Star Trek und Sci-Fi Fans dürfte dieser Spot sicher gefallen haben. Es bleibt aber allerdings fragwürdig, ob auch ein älteres Zielpublikum mit dem Spot erreicht werden konnte.

TV-Werbung 2005, CDU: „Was wird aus unserem Land?“

Deutschland befindet sich im Chaos und nur eine Person kann es stoppen. Das ist zumindest, das Bild, dass die CDU mit Hilfe dieses Spots zeichnen wollte.

Die Kugel rollt durch die Wildnis und das Chaos, welches Rot-Grün laut CDU hinterlassen hat. Mit guten Sound-Effekten wird dieser Chaos-Effekt noch verstärkt. Gläser, Bleistifte geraten aus der Balance, die Kameraführung ist wirksam. Am Ende stoppt Merkel, als Garantin für Stabilität und Wachstum, diese Kugel. Merkel wird quasi über den Dingen stehend dargestellt, sie steht auf einer anderen Höhe als der Tisch. Somit grenzt sie sich vom Chaos ab und beendet es in einem.

Noch vor Veröffentlichung des CDU-Wahlspots, bekommt die SPD Wind davon und produziert innerhalb von Tagen eine Antwort auf die CDU. Nicht nur das: sie schafft es sogar den eigenen Spot Journalisten einen Tag vor Veröffentlichung des CDU-Films vorzustellen. Ein taktischer Winkelzug und ein klassischer Konter:

In ihrer ironischen Antwort auf den Wahlwerbespot der CDU, greift die SPD das Symbol der Kugel ebenfalls auf, aber um Merkels Image des Zögerns und Zauderns zu verstärken. Das Konzept der Kugel wird also clever aufgegriffen und Merkel wird als unsicher und mit großen Meinungsschwankungen dargestellt. Sicherheit und Sicherung vor Unsicherheit, sind immer ein Hauptthema von großen Parteien im Bundestagswahlkampf. Und gleichfalls auch ein Thema in den Wahlspots.

„Haben Sie mal was gemacht, von dem sie überzeugt waren, dass es richtig ist?“ – Spot der FDP zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen (2017)

Fakten, Programmpunkte? Konkrete Positionen? Fehlanzeige. Schnelle Bilder und deutliche Kontraste? Check. Mit einem der vermutlich untypischsten und gleichzeitig erfrischendsten Spots, konnte die FDP bei den Wählern punkten:

Sie kennen mich – CDU 2013

Kaum ein Satz hat einen Wahlkampf so geprägt und definiert wie Angela Merkels „Sie kennen mich“. Merkel wird als starke Konstante der Regierung in unsicheren Zeiten dargestellt, so lautet die Botschaft (der legendäre Slogan „Sie kennen mich“, „das darf jetzt nicht aufs Spiel gesetzt werden“).

In dem CDU-Wahlkampf (der oftmals als „asymmetrische Demobilisierung“ charakterisiert wurde) vermied Kanzlerin Merkel quasi jeden Kontrast zu ihrem Herausforderer Peer Steinbrück. Als sie um die Konfrontation mit Steinbrück, während des TV-Duells, nicht drum herumkam, nutzte sie zum Schluss genau diesen Satz und stellte somit eine Verbindung zwischen sich und den Zuschauern her.

„Geh wählen“ – oder – das unmögliche kann möglich werden via IG Metall 2013

der Mash-Up Metallmix der IG Metall 2013

Mash-Ups und Compilations laufen sehr gut im Netz. Das zeigte auch die IG Metall mit dem „Geh Wählen!“ Wahl-Spot. Der Clip zeigte auf eine humorvolle Art und Weise, dass das Aussichtslose doch noch machbar ist.

Wohlfühl-Family-Spot der CDU 2013

Bei dem folgenden Wohlfühlspot der CDU kommen immer wieder Erinnerungen hoch an einen anderen Spot, der bereits 29 Jahre zuvor in den USA ausgestrahlt wurde. Damals sendete die Präsidentschaftskampagne von Ronald Reagan diesen Spot. Ein wohl erprobtes Konzept vom allseits geliebten Alltagsleben, welches die werbende Partei schützen will.

Wir sind sehr gespannt, welche TV-Spots uns im Bundestagswahlkampf 2017 von den Parteien präsentiert werden.

Haben wir einen absoluten Klassiker verpasst? Bitte schreibt uns und wir fügen Euern Favoriten ein: info@campaigning-academy.com

Wahlkampf Do’s and Don’ts – Was funktioniert, was nicht?

Der Bundestagswahlkampf 2017 geht in die heiße Phase, die Spitzenkandidatinnen der Parteien positionieren sich. Das Ziel der Parteien ist dabei klar: möglichst viele Wählerinnen der insgesamt rund 61 Mio. Wahlberechtigten, sollen im Wahlkampf erreicht und ihre Stimme für den Wahltag am 24. September gesichert werden. Wir beschreiben in diesem Artikel einige Grundsätze möglicher Digitalstrategien im Wahlkampf. Was funktioniert und sollte man ausprobieren? Was sollte man besser gar nicht erst versuchen? 

Testen, Testen, Testen!

Es gibt nicht die perfekte Netzstrategie für den Wahlkampf. Ein digital geführter Wahlkampf ist kein statischer Prozess, sondern einer, der laufend erneuert und optimiert werden muss. Neue Methoden, Techniken und Kanäle sollten unbedingt ausprobiert werden. Die Parteien brauchen den Mut Neues zu versuchen und wenn nötig wieder zu verwerfen.  Das gilt sowohl für das Thema, die Tonalität, die Geschichte und die Bilder z.B. im Bereich Newslettergestaltung. Variationen von Newslettern sollten in kleinen Teilgruppen gestestet, die beste Variante dann an den großen Verteiler versandt werden. 

Klares Ziel

Der genaue Verlauf eines Wahlkampfes ist nicht planbar. Dennoch braucht es einen guten Kampagnenplan, der Freiräume für Aktionen und Reaktionen lässt. Eine wirkungsvolle Kampagne braucht dabei unbedingt Klarheit in ihrem Ziel. Das Ziel muss dabei nicht nur klar, sondern auch messbar und realistisch zu erreichen sein. 

Definition der Zielgruppe

Allerdings nutzt das beste Ziel nichts, wenn die zu erreichende Zielgruppe nicht klar ist. Gerade die großen Kanäle wie Facebook, Twitter und Co stellen hervorragende und effektive Tools bereit, damit ich die Zielgruppe klar definieren kann. Wofür interessiert sich die Zielgruppe? Wie alt ist sie? Welche Werte teilt sie? Wofür interessiert sie sich in der Freizeit? Die sogenannten Werbemanager zur Spezifizierung der Zielgruppe sind immens hilfreich, da sie das Gestalten der Kampagne deutlich einfacher machen.

Framing

Nicht Fakten bedingen politische Entscheidungen, sondern sogenannte Frames, auch kognitive Deutungsrahmen genannt. Sie werden über Sprache im Gehirn aktiviert und gefestigt und bestimmen, wie wir politische Fakten wahrnehmen. Dabei ist es nicht entscheidend, was ich sage, sondern was beim Zuhörer oder Zuschauer ankommt. Laut der Sprachforscherin Elisabeth Wehling ist man sich in der Kognitionsforschung schon lange einig: Sprache ist Politik. „Wer politische Debatten beeinflussen will, muss die Deutungshoheit über die Frames gewinnen,“ ist sich Elisabeth Wehling sicher.

Donald Trump hat sich während seiner Präsidentschaftskampagne als ein Meister der Methode des Framings gezeigt. Die bekanntesten Frames von Donald Trump sind: „dishonest Media“, „Fake News Media“ oder „crooked Hillary“ und natürlich sein „Make Amerika great again!“

Jede Partei sollte ihre eigenen Frames entwickeln und dabei versuchen beim Wähler Bilder, Emotionen und Botschaften auszulösen. Fakten sind auch im Wahlkampf wichtig, aber eben nicht das entscheidende Kriterium für eine Wahlentscheidung.

Rapid-Response

Auf die Schnelligkeit einer guten Antwort kommt es vor allem auf Social Media an. Ein Tweet von Julius Van De Laar, getweetet unmittelbar nach den niederländischen Parlamentswahlen, zeigt dies deutlich: „One down. Two to go“. Es ist simpler Tweet mit nur wenigen Worten, der aber eine große Reichweite generierte: Insgesamt über 500.000 Menschen. Der Tweet ist auf den Punkt und hat eine klare Botschaft, die das politische Momentum nutzt, das macht ihn so erfolgreich. 

Ein Beispiel für eine gelungene Rapid Response-Aktion lieferte die FDP. Am ersten Tag nach dem Brexit ließ sie Wagen mit der Aufschrift: „Dear Start-ups, Keep calm and move to Berlin“, durch die Londoner City fahren:

#meanwhileinLondon #startups #digitalisierung #fdpberlin

A post shared by Christian Lindner (@cl2017) on

Die FDP nutzte hier nicht nur die Krise des Brexits, um eine Business Opportunity zu kreieren und Startup Unternehmen nach Berlin zu locken. Dieser internationale Werbestreich brachte der FDP auch eine enorme Resonanz von meinungsbildenden Medien wie z.B. Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Handelsblatt.

Das letzte Beispiel für eine schnelle politische Kommentierung via Twitter kommt von Kathrin Göring Eckhardt, kurz nachdem Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen austrat.

https://twitter.com/GoeringEckardt/status/876050751612743681

Spontanität

Spontanität ist ebenfalls wichtig im Internetwahlkampf als Element der Rapid Response, allerdings muss sie authentisch herüberkommen. Sie muss ehrlich sein, nicht gezwungen.

Also nicht so wie der Tanz von Hillary Clinton im Studio von Ellen DeGeneres:

Hillary wirkt beim Tanzen mit Ellen DeGeneres verkrampft und tanzt mit wenig Passion. Kommentare unter diesem Video lauten etwa: „Hillary looks like she is fighting flies and the flies are winning“, “The things politicians do for publicity” und “Well… this just made me support Bernie Sanders even more”. Das Video hat das, was Hillary erreichen wollte, nämlich gegenüber den jüngeren Wählern familiär und wählbar zu erscheinen, nicht geschafft.

Besser macht es Angela Merkel hier beim Evangelischen Kirchentag in einer kurzen Interaktion mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Interaktion folgt gegen Ende des Videos zum Artikel:

https://www.blick.ch/news/ausland/obama-und-merkel-treffen-sich-in-berlin-damit-bringt-merkel-obama-zum-lachen-id6735059.html

Merkels Einwurf wirkt spontan, zeigt ihr Autoritätsbewusstsein als Kanzlerin und wirkt trotzdem Sympathisch, das Publikum reagiert amüsiert.

Keine schwachen Botschaften

Eine Botschaft ist elementar für die Mobilisierung meiner Zielgruppe. Ohne eine klare Botschaft, lässt sich meine Zielgruppe nicht mobilisieren. Beispielhaft ist dieser Tweet von Hillary Clinton, mit dem sie ihre Präsidentschaftskampagne 2014 begann:

In diesem Tweet gibt es keine starke Botschaft, den Wählern wird nichts vermittelt. Auch das Ziel ist schwach formuliert: „I want to be that champion“. „I want to be YOUR champion“ wäre direkter. Der Tweet löste bei ihren Unterstützerinnen nur wenig Emotionen aus. Und wie man Emotionen im Wahlkampf auslöst, zeigte uns Donald Trump am besten. 

Polioptics:

Wir alle kennen diesen einen Post, den man auf Politikeraccounts in sozialen Medien immer wieder findet: Der Kandidat geht zu einem Treffen im Orts- oder Regionalverein und diskutiert dort mit Vereinsmitgliedern. Der Politiker postet daraufhin etwa: „Hatte gerade eine Spannende Sitzung bei Ortsverein X zum Thema Y“. Dazu noch ein schlecht belichtetes Bild von dem Politiker mit Vereinsmitgliedern vor einer Raufasertapete. Wir könnten 500 Beispiele dieses Posts nennen.

Besser ist im Onlinewahlkampf, direktes Engagement im Wahlkampf von einem selbst mit seinen Unterstützern zu zeigen. Posts, die zeigen wie man von Tür zu Tür geht, wie etwa hier von der Rheinland-Pfälzischen SPD, sind da deutlich überzeugender.

Diese Grassroots Arbeit an der Parteibasis kommt bei der Internetgemeinde deutlich besser an, als Fotos von schlecht belichteten Anzugträgern.

Haben Sie Interesse an weiteren Blogposts wie diesem? Dann melden Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter an!

 

Drei Dinge die im Wahlkampf wichtig werden

Der Countdown bis zur Bundestagswahl im September läuft. In den kommenden Monaten erwartet uns einer der vielleicht härtesten Wahlkämpfe in der Geschichte um den Einzug ins deutsche Parlament. Hier sind drei Dinge, die aus unserer Sicht wichtig werden:

1. Seehofer und Merkel – Wie vereint geht die Union in den Wahlkampf?

Dass Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin für die Union in den Bundestagswahlkampf einzieht, findet laut DeutschlandTrend mit 59 Prozent die Mehrheit der Deutschen gut.

Doch nur mit einer geschlossenen und engagierten Unterstützung ihrer Partei wird die Kanzlerin im Wahlkampf erfolgreich sein. Eine der entscheidenden Fragen des Wahlkampfs 2017 wird sein, ob CDU und CSU politisch an einem Strang ziehen. Gerade entspannte sich die Beziehung der beiden Unionsparteien, da verkündete CSU-Chef Horst Seehofer, dass ein möglicher Koalitionsvertrag auf jeden Fall eine Flüchtlingsobergrenze enthalten wird – und stellt sich damit einmal mehr gegen Merkels Position. Anfang Februar will man sich auf ein gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU einigen. Merkel steht unter zunehmendem Druck, ihre Partei zusammenzuhalten. Viel wird davon abhängen, ob die jetzige Merkel-Regierung beim zentralen Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik bei den Wählern wieder Vertrauenspunkte sammeln kann.

2. Gabriel oder Schulz – Wer geht für die SPD ins Rennen?

Könnten die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen, wäre Sigmar Gabriel im Duell gegen Merkel laut DeutschlandTrend weiterhin chancenlos. Sehr viel bessere Chancen, da sind sich die Demoskopen einig, hätte der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Man gibt sich in der SPD betont kollaborativ mit kollektiver Führung, erst Anfang des Jahres soll endlich die Entscheidung fallen, mit wem man das Kanzleramt zurückgewinnen will. Am 29.1. soll der SPD Spitzenkandidat feststehen.

3. Partnersuche

Die Messlatte, die sich die SPD trotz sinkender Zustimmung im Volk gesetzt hat, ist hoch. Die Suche nach neuen Optionen hat längst begonnen, z.B. eine rot-rot-grüne Koalition. Erfolgreich sollen sie gewesen sein, die ersten beiden Treffen mit Parlamentariern aller drei Fraktionen. Aber hinter den Fassaden ist man sich da gar nicht so sicher: Die Grünen wollen sich offiziell nicht festlegen, nicht nur Kretschmann und Özdemir finden auch eine Koalition mit Merkel attraktiv. Auch die Hardliner der Linken sehen eine rot-rot-grüne Koalition skeptisch; besonders die von SPD und Grünen beschlossenen Hartz-IV-Reformen hätte man gerne korrigiert. „Wenn wir in eine Regierung mit der SPD gehen, dann müsste sich sehr, sehr viel ändern“, verkündete Sahra Wagenknecht von der Linken Ende letzten Jahres.

Betont regierungsfähig gibt sich die AfD. Nachdem sie in diesem Jahr in mehrere Landesparlamente eingezogen ist, erklärte Parteichefin Petry… „…sind wir immer noch die Partei, die sich in Opposition zu den Etablierten stellt. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht auch ordentliche parlamentarische Arbeit machen wollen. Wir werden ihnen zeigen, dass wir das können“. Eine der wenigen Sicherheiten nach allen Umfragen: Mit der AfD dürfte zum ersten Mal eine rechtspopulistische Partei ins Parlament einziehen, ein Wiedereinzug der FDP wird für möglich gehalten.

Ganz ohne zumindest theoretische Machtoption hat aber noch nie jemand einen effektiven Wahlkampf geführt. Aber vielleicht wird ja dieses Mal auch in Deutschland alles anders und es stehen uns und den Demoskopen US-amerikanische Verhältnisse bevor, die noch keiner auf dem (Wahl-)Schirm hat.

Es wird ein turbulenter Wahlkampf – stay tuned!

Wir freuen uns auf Eure Meinung zum Bundestagswahlkampf 2017 -> diskutiert hier mit!

Pokémon Go: So nutzen Clinton und Trump die App für ihren Wahlkampf

Pokémon Go als Campaigning-Tool? Im Land der unbegrenzten Wahlkampfmöglichkeiten kein Problem: kaum hat sich Pokémon Go zum absoluten Hype entwickelt gehen Hillary Clinton und Donald Trump bereits mit den ersten Anwendungen für ihren Wahlkampf live.

Einen Tag nach dem Donald Trump seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence benannt hat, hält Hillary Clinton ihr erstes Pokémon-Kampagnen-Event in einer Pokémon-Arena im Swing-State Ohio ab.

Fangt Pokémon und erfahrt neues über Hillary Clinton

„Join us as we go to the Pokestop in Madison Park and put up a lure module, get free pokemon & battle each other while you register voters and learn more about Sec. Hillary Clinton!“ – hier der Link zum Clinton Kampagnen-Event

Hillary Clinton Pokémon Pro Kampagnen Veranstaltung in Ohio

„Sei dabei, wenn wir beim Pokéstop am Madison Park ein Lockmodul erstellen“ schreibt Team-Clinton auf der Kampagnenseite. Schnappt euch ein kostenloses Pokémon und kämpft gegeneinander, während ihr Wähler registriert und mehr über Hillary Clinton erfahren könnt.“ Das Spektakel mit dem Titel „Schnapp sie dir alle“ wird in Lakewood, Ohio durchgeführt.

Pokémon-Go-Vote App

Bei einer Veranstaltung forderte Hillary Clinton die Entwickler auf die App weiterzuentwickeln: „Ich weiß nicht wer die App Pokémon Go entwickelt hat, aber ich versuche sie dazu zu bekommen, eine „Pokémon-Go-Vote“ App zu programmieren!“

Wie kommt Pokémon Go im Wahlkampf zum Einsatz?

Vorstellbar wäre es, Lock-Module in Kombination mit Pokéstops in der Nähe von Wahlkampf-Büros zu platzieren, um Freiwillige Wahlhelferinnen und Wahlhelfer dazu zu mobilisieren anschließend für Clinton und Trump Anrufe zu machen. Um die Wahlbeteiligung gerade bei der jüngeren Zielgruppe zu steigern wäre es aber auch denkbar, Pokéstops rund um die Wahllokale zu platzieren.

Wählermobilisierung mit Pokémon Pro

Wie Donald Trump Pokémon Go nutzt

Es war nur eine Frage der Zeit bis auch Donald Trump Pokémon Go für seine Kampagne nutzt. Auf Facebook teilt Trump sein Negativ-Kampagnen Video, in dem er Clinton als „Crooked Hillary“ à la Pokémon präsentiert.

Donald Trump Pokémon Pro

 

Ob es gefällt oder nicht — Pokémon Go ist in der Wahlkampfrealität angekommen. Bleibt nur noch zu sagen: Prepare to battle…um die Zukunft der USA!

Rasantes Wachstum

Pokémon Go ist bereits jetzt das erfolgreichste Live-Spiel in der Geschichte des mobilen Gamings. Statistiken von Similar Web zeigen, dass die App bei Nutzern durchschnittlich 43 Minuten und 23 Sekunden in gebrauch ist – deutlich höher als WhatsApp, Instagram, Snapchat und Messenger.

 

Pokémon Pro Statistiken

Pokémon Go noch nicht runtergeladen? Wenn Sie unbedingt müssen: hier gehts zum Download der iPhone App.

LMAO: Präsidentschafts-Wahlkampf mit Emojis

Newsletter und Fundraising Pages? Klar. Um der Generation-Y ordentlich auf Snapchat einzuheizen, greift Hillary Clinton’s Social Media Team zu einem eigens für iOS entwickelten Hillary-Keyboard namens Hillarymoji.

Das neue Keyboard, das im Apple Store erhältlich ist, umfasst 20 Hillary Clinton Sticker die ab sofort jede WhatsApp, Facebook und SnapChat Nachrichten zu einem Hillary-Wahlkampfinstrument machen.

Die Hillarymoji zeigen Hillary Clinton z.B. in einem T-Shirt mit der Aufschrift: „Die Zukunft ist weiblich“

Dave Renz, der Mitgründer der Softwareschmiede Tanooki Labs und Architekt von Hillarymoji sagt: „Wir haben Wert darauf gelegt, dass diese Emojis nicht unsinnig sind. Wir haben uns echt Gedanken gemacht, wie sie in eine Konversation integriert werden können, damit User sie auch wirklich verwenden.“

Emojis-Campaigning mit Call-to-Action: Spende jetzt!

Es geht aber nicht ausschließlich um Spaß. Einige der Sticker haben einen klaren Call-to-Action: Spende jetzt! — mit Link auf die Spenden-Seite der Clinton Kampagne. Diejenigen die anschließend auch wirklich spenden, bekommen einen besonderen Clinton emoji.

Werden die Hillarymoji den Wahlkampf revolutionieren oder Clinton die entscheidenden Stimmen Vorsprung vor Donald Trump verschaffen? Sicherlich nicht. Es zeigt aber einmal mehr, wie Kampagnen-Macher neue Formen der Kommunikation testen und über Marketing im Wahlkampf nachdenken.

Hier kann man das Hillary Emoji Keyboard im iTunes Store runterladen.

Donald Trump hat die Gesetze des US-Wahlkampfs bisher völlig außer Kraft gesetzt #NewYorkPrimary

The Empire Strikes Back: Hillary Clinton und Donald Trump gewinnen die Vorwahlen im US Bundesstaat New York. Julius van de Laar, Kampagnenstratege und Mitgründer der CAMPAIGNING ACADEMY BERLIN analysiert den Vorwahlkampf im ARD Morgenmagazin.

Hintergründe zur Verteilung der Delegierten vor den Parteitagen in Cleveland und Philadelphia

The Road To The White House: Wie geht es nach Iowa weiter?

Die Größte Storyline aus Iowa
Nachdem Sanders zu Beginn des Wahlkampfs mit teilweise 40% in den Umfragen hinter Clinton lag und ihm kaum jemand eine Chance eingeräumt hat, zieht Bernie Sanders mit Hillary Clinton gleich (Clinton gewann die Wahl in Iowa mit 0,3% Vorsprung).
In der Tagesschau analysiert Julius van de Laar von der Campaigning Academy Berlin die Ergebnisse des Iowa Caucus wie folgt:
Doch bereits kommenden Dienstag wird im Bundesstaat New Hampshire gewählt. Hier spricht vieles für einen Sieg von Bernie Sanders, denn New Hampshire ist für den Senator aus dem benachbarten Bundessaat Vermont quasi ein Heimspiel.
Die Umfragen von FiveThirtyEight.com sehen Sanders weit vor Clinton mit 91% Wahrscheinlichkeit, dass der 73 jährige hier die Wahl zu seinen Gunsten entscheiden kann.

 

 

Bernie Sanders & Hillary Clinton

Prognose für die Demokratischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

Trump, Rubio, Cruz

Prognose für die Republikanischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

 

 
Nachdem Donald Trump die letzten Monate medial dominierte ist das eingetreten, was nur wenige vorausgesagt haben. Die Trump-Unterstützer sind nicht zum Caucus gekommen. Stattdessen konnte sich der Sieger der Konservativen in Iowa, Ted Cruz, auf sein Netzwerk von evangelikalen Unterstützern verlassen.

Das Momentum
Nach Iowa gilt es für alle Kandidaten, das Momentum für sich nutzen — vor allem mit Blick auf das Einsammeln von Spendengeldern. Zwar lag auch im letzten Quartal 2015 Clinton knapp vor Sanders mit 37 Millionen zu 33.6 Millionen Dollar. Doch Sanders gelang es, den beachtlichen Betrag fast ausschließlich durch Kleinstspenden von durchschnittlich $XX Dollar zu generieren.
Genau hier, beim Spenden sammeln von Grassroots Aktivisten knüpfen beide Kandidaten noch in der Wahlnacht von Iowa an. Diese E-Mail Spenden-Aufrufe erhielten wir in den frühen Iowa-Morgenstunden:

 

Bernie Sanders Spendenaufruf

Fundraising E-Mail von Bernie Sanders in der Wahlnacht von Iowa

Spendenaufruf von Hillary Clinton via E-Mail

Fundraising E-Mail von Hillary Clinton in der Wahlnacht von Iowa

 


Warum war der Iowa Caucus so wichtig?
Auch wenn Iowa rechnerisch lediglich 1% der verfügbaren Delegierten auf dem Weg zur Nominierung beim Parteitag entscheidet, kommt dem Bundesstaat im Wahlkampf eine besondere Bedeutung zu. Bereits 1976 konzentrierte Jimmy Carter seinen Wahlkampf stark auf Iowa und landete so einen Überraschungserfolg, gewann die Nominierung der Demokraten und wurde schließlich US-Präsident. Auch Barack Obama gewann 2008 in Iowa überraschend deutlich gegen die damalige Favoritin Hillary Clinton, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde.

Wie ist der Caucus ausgegangen
Laut der Befragung vor dem Wahllokal haben mehr als ein Drittel der GOP Caucus- Wähler ihre Entscheidung erst ein paar Tage vor der Wahl getroffen. 64% der Wähler identifizieren sich als evangelikalische Christen, das sind mehr als 2012 (57 %) oder 2008 (60 %). Genau diese Wähler haben für Ted Cruz gestimmt. Cruz hat als erzkonservativer evangelikaler Republikaner mit 27,7% die erste Vorwahl vor Trump (24,3%) für sich entscheiden, aber auch Marco Rubio mit 23,1% hat erstaunlich nah aufgeschlossen.
Hillary Clinton ht Bernie Sanders um Haaresbreite geschlagen, es heißt, in einigen Wahlbezirken hat der Münzwurf entscheiden müssen.
Noch 2008 hatte sie gegen den amtierenden Präsidenten Obama in Iowa bezeichnend verloren, diesmal gingen 699,57 Deligierte an ihre Seite, Sanders kann 695,49 für sich beanspruchen.
Im engsten Kopf an Kopf -Rennen in der Geschichte des caucus wurden die 171,109 Wähler durch ein Data-Driven Kampagnenmanagement und beständiges Testen der verschiedenen Strategien mit maßgeschneiderten und stetig optimierten Ads, E-Mails bis hin zu den letzten Details der Scripts der ehrenamtlichen Kampagnenmitarbeiter versucht, für sich zu gewinnen.
Beide Kampagnen haben ihre ausgeklügelte Organisation auf der Basis innovativster Technik- und Daten-Infrastruktur aufgebaut, die strategisch seit 2008 mit Hochdruck am Wahlkampf arbeitet.

Haustürwahlkampf – die Renaissance eines Tools der vor-massenmedialen Zeit

First Democratic Debate

Hillary Clinton hat mit ihrem TV-Auftritt bei der ersten demokratischen Debatte in Las Vegas ihre Favoritenrolle im Wahlkampf der US-Demokraten unterstrichen. Dabei kommt ihr die Erfahrung aus vergangenen Wahlkämpfen zugute, sagt Julius van de Laar. Die Republikaner reden im US-Vorwahlkampf über Donald Trump, die Demokraten über Themen. Das hilft vor allem Favoritin Hillary Clinton. Herausforderer Bernie Sanders müsste Clinton angreifen, sagt er. Doch seine Kampagne verbietet das.

Im heute Interview analysiert der Kampagnenberater die Tv-Debatte wie folgt:
heute.de: Herr van de Laar, vor der ersten TV-Debatte der Demokraten stand Hillary Clinton unter enormem Druck. Stichwort: E-Mail-Affäre. Wie ging sie damit um?
Julius van de Laar: Im Vorfeld war ganz klar: Hillary Clinton musste punkten. Sie stand unter Druck, ihre Umfragewerte waren am Taumeln. In der Debatte hat sie aber einen sehr starken Auftritt geboten. Da muss man einfach sagen: Clinton fühlt sich wohl auf der Bühne der Präsidentschaftsbewerber, sie hat Erfahrung – während ihre Kontrahenten, inklusive Bernie Sanders, zum ersten Mal auf dieser Bühne stehen. Das hat man gemerkt. Außerdem hat sie einen Riesenvorteil im Vergleich zu den anderen, unbekannteren Kandidaten: Es gibt in diesem Jahr lediglich sechs Debatten der Demokraten. Die anderen Kandidaten, über die bisher kaum berichtet wurde, nämlich Martin O’Malley, Lincoln Chafee und Jim Webb, haben so nur wenig Zeit, haben so nur wenige Gelegenheiten, um zu zeigen, wer sie sind. Sie müssen angreifen, doch das ist ihnen in der TV-Debatte nur teilweise gelungen.
heute.de: Auch Bernie Sanders, Clintons schärfster Konkurrent, verzichtete gestern auf eine direkte Attacke. Sie sind Wahlkampfberater, haben an Obamas Kampagne mitgearbeitet. Hätten Sie Sanders zu mehr Angriffslust geraten?
Van de Laar: Als Bernie Sanders gesagt hat, dass sich „die amerikanische Öffentlichkeit nicht für die verdammten E-Mails“ von Clinton interessiere, war tatsächlich ein überraschender Moment. Er hätte Clinton dort angreifen können – was viele auch erwartet haben. Allerdings war Sanders da in einer schwierigen Position: Seine Kampagne setzt vor allem auf wirtschaftliche Themen. Das soll die Mittelschicht ansprechen. Seine Botschaft ist vor allem, dass er Washington von Grund auf verändern will. Da würde der angreifende, vernichtende Ton, den man sonst aus Washington kennt, nicht passen. Insofern war es eine gute Entscheidung, Hillary Clinton nicht frontal zu attackieren.
IMG_0483.JPGheute.de: Sanders muss also über Inhalte punkten?
Van de Laar: So ist es. Sanders setzt da auf die Ungleichheit bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Dafür hat er in den vergangenen Wochen und Monaten eine enorme Resonanz bekommen. Seine Veranstaltungen waren zum Teil gigantisch, er hatte bis zu 20.000 Zuhörer, und Hillary Clinton damit weit übertroffen. Auch bei den Spendeneinnahmen hat er aufgeholt. Sanders versucht nun, bei der Ungerechtigkeit zwischen Mittelschicht und Wall Street anzugreifen. Thematisch war das auch einer der größten Kontraste der TV-Debatte zwischen ihm und Hillary Clinton. Zum Teil ist ihm das gelungen.

heute.de: Als wir Sie im April zu Hillary Clintons Kandidatur interviewt haben, sagten Sie, die Demokraten hätten keine Alternative zu ihr. Würden Sie das heute wiederholen?
Van de Laar: Momentan erfährt Bernie Sanders enormen Zuspruch, gerade bei der liberalen Basis. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die Demokraten Sanders, und damit einen ausgesprochenen Sozialisten, als Kandidaten wünschen. Im Hauptwahlkampf gegen die Republikaner hat Clinton mit ihrer Erfahrung gegenüber Sanders eine bessere Ausgangsposition.
heute.de: Apropos Republikaner: Die TV-Debatte der Demokraten drehte sich um Schusswaffen, die Macht der Banken, Kapitalismus im Allgemeinen – um Themen also. Ein starker Kontrast zu den Republikanern, bei denen Donald Trump polarisiert, wo er nur kann.
Van de Laar: Dieser Kontrast ist spannend zu beobachten. Während der republikanischen Debatten der vergangenen Wochen standen weniger die Inhalte im Vordergrund als das bombastische Auftreten Donald Trumps, das vor allem von harten persönlichen Attacken gekennzeichnet war. Die Debatte der Demokraten in Las Vegas war da eine komplett andere. Im Zentrum stand zwar auch die Zuspitzung zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton, allerdings war diese vorwiegend durch inhaltliche Differenzen und politische Themen geprägt. Es war das erste Mal, dass sich die beiden direkt miteinander auseinandersetzen mussten – und man hat den Unterschied zwischen beiden gut gesehen. Innenpolitisch konnte Bernie Sanders in vielen Aspekten gut mithalten. Außenpolitisch war der Vorsprung Clintons jedoch klar erkennbar.

heute.de: Mit Vizepräsident Joe Biden stellt sich derzeit bei einem ähnlich erfahrenen Politiker die Frage, ob er noch in den Wahlkampf einsteigen wird. Welche Rolle würde er spielen?
Van de Laar: Eine Kandidatur von Biden würde vor allem Hillary Clinton treffen. Sie würde deutlich mehr Stimmen verlieren als Bernie Sanders. Allerdings weiß Biden genau, wie es um eine Kandidatur zu diesem Zeitpunkt bestellt ist. Er hat weder Spendengelder noch ein Wahlkampfteam. Außerdem rücken die Deadlines näher. Er müsste seinen Namen in sämtlichen Bundesstaaten auf die Wahlzettel bekommen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Außerdem hat Clinton in der TV-Debatte gut abgeschnitten. Hätte sie sich anders präsentiert, wäre durchaus Platz für Biden im Präsidentschaftswahlkampf gewesen. Ich gehe davon aus, dass er sich schlussendlich gegen eine Kandidatur entscheiden wird.

Bildschirmfoto 2015-10-14 um 15.23.39

Erst im November 2016 wählen die Amerikaner einen Nachfolger von Amtsinhaber Barack Obama. Dennoch muss Hillary Clinton sich auf einen harten Vorwahlkampf einstellen.I’m a progressive. But I’m a progressive who likes to get things done.“, war eines ihrer starken Zitate des Abends. Auch wenn Clinton als klare Favoritin der Demokraten gilt, führt Donald Trump momentan deutlich vor allen anderen republikanischen Bewerbern. Es bleibt spannend, ob sie sich gegen ihn als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl durchsetzen könnte. Und auch ihr Vorsprung gegenüber dem Links-Kandidaten Bernie Sanders bleibt zu beobachten.