Drei Dinge die im Wahlkampf wichtig werden

Der Countdown bis zur Bundestagswahl im September läuft. In den kommenden Monaten erwartet uns einer der vielleicht härtesten Wahlkämpfe in der Geschichte um den Einzug ins deutsche Parlament. Hier sind drei Dinge, die aus unserer Sicht wichtig werden:

1. Seehofer und Merkel – Wie vereint geht die Union in den Wahlkampf?

Dass Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin für die Union in den Bundestagswahlkampf einzieht, findet laut DeutschlandTrend mit 59 Prozent die Mehrheit der Deutschen gut.

Doch nur mit einer geschlossenen und engagierten Unterstützung ihrer Partei wird die Kanzlerin im Wahlkampf erfolgreich sein. Eine der entscheidenden Fragen des Wahlkampfs 2017 wird sein, ob CDU und CSU politisch an einem Strang ziehen. Gerade entspannte sich die Beziehung der beiden Unionsparteien, da verkündete CSU-Chef Horst Seehofer, dass ein möglicher Koalitionsvertrag auf jeden Fall eine Flüchtlingsobergrenze enthalten wird – und stellt sich damit einmal mehr gegen Merkels Position. Anfang Februar will man sich auf ein gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU einigen. Merkel steht unter zunehmendem Druck, ihre Partei zusammenzuhalten. Viel wird davon abhängen, ob die jetzige Merkel-Regierung beim zentralen Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik bei den Wählern wieder Vertrauenspunkte sammeln kann.

2. Gabriel oder Schulz – Wer geht für die SPD ins Rennen?

Könnten die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen, wäre Sigmar Gabriel im Duell gegen Merkel laut DeutschlandTrend weiterhin chancenlos. Sehr viel bessere Chancen, da sind sich die Demoskopen einig, hätte der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Man gibt sich in der SPD betont kollaborativ mit kollektiver Führung, erst Anfang des Jahres soll endlich die Entscheidung fallen, mit wem man das Kanzleramt zurückgewinnen will. Am 29.1. soll der SPD Spitzenkandidat feststehen.

3. Partnersuche

Die Messlatte, die sich die SPD trotz sinkender Zustimmung im Volk gesetzt hat, ist hoch. Die Suche nach neuen Optionen hat längst begonnen, z.B. eine rot-rot-grüne Koalition. Erfolgreich sollen sie gewesen sein, die ersten beiden Treffen mit Parlamentariern aller drei Fraktionen. Aber hinter den Fassaden ist man sich da gar nicht so sicher: Die Grünen wollen sich offiziell nicht festlegen, nicht nur Kretschmann und Özdemir finden auch eine Koalition mit Merkel attraktiv. Auch die Hardliner der Linken sehen eine rot-rot-grüne Koalition skeptisch; besonders die von SPD und Grünen beschlossenen Hartz-IV-Reformen hätte man gerne korrigiert. „Wenn wir in eine Regierung mit der SPD gehen, dann müsste sich sehr, sehr viel ändern“, verkündete Sahra Wagenknecht von der Linken Ende letzten Jahres.

Betont regierungsfähig gibt sich die AfD. Nachdem sie in diesem Jahr in mehrere Landesparlamente eingezogen ist, erklärte Parteichefin Petry… „…sind wir immer noch die Partei, die sich in Opposition zu den Etablierten stellt. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht auch ordentliche parlamentarische Arbeit machen wollen. Wir werden ihnen zeigen, dass wir das können“. Eine der wenigen Sicherheiten nach allen Umfragen: Mit der AfD dürfte zum ersten Mal eine rechtspopulistische Partei ins Parlament einziehen, ein Wiedereinzug der FDP wird für möglich gehalten.

Ganz ohne zumindest theoretische Machtoption hat aber noch nie jemand einen effektiven Wahlkampf geführt. Aber vielleicht wird ja dieses Mal auch in Deutschland alles anders und es stehen uns und den Demoskopen US-amerikanische Verhältnisse bevor, die noch keiner auf dem (Wahl-)Schirm hat.

Es wird ein turbulenter Wahlkampf – stay tuned!

Wir freuen uns auf Eure Meinung zum Bundestagswahlkampf 2017 -> diskutiert hier mit!

Pokémon Go: So nutzen Clinton und Trump die App für ihren Wahlkampf

Pokémon Go als Campaigning-Tool? Im Land der unbegrenzten Wahlkampfmöglichkeiten kein Problem: kaum hat sich Pokémon Go zum absoluten Hype entwickelt gehen Hillary Clinton und Donald Trump bereits mit den ersten Anwendungen für ihren Wahlkampf live.

Einen Tag nach dem Donald Trump seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence benannt hat, hält Hillary Clinton ihr erstes Pokémon-Kampagnen-Event in einer Pokémon-Arena im Swing-State Ohio ab.

Fangt Pokémon und erfahrt neues über Hillary Clinton

„Join us as we go to the Pokestop in Madison Park and put up a lure module, get free pokemon & battle each other while you register voters and learn more about Sec. Hillary Clinton!“ – hier der Link zum Clinton Kampagnen-Event

Hillary Clinton Pokémon Pro Kampagnen Veranstaltung in Ohio

„Sei dabei, wenn wir beim Pokéstop am Madison Park ein Lockmodul erstellen“ schreibt Team-Clinton auf der Kampagnenseite. Schnappt euch ein kostenloses Pokémon und kämpft gegeneinander, während ihr Wähler registriert und mehr über Hillary Clinton erfahren könnt.“ Das Spektakel mit dem Titel „Schnapp sie dir alle“ wird in Lakewood, Ohio durchgeführt.

Pokémon-Go-Vote App

Bei einer Veranstaltung forderte Hillary Clinton die Entwickler auf die App weiterzuentwickeln: „Ich weiß nicht wer die App Pokémon Go entwickelt hat, aber ich versuche sie dazu zu bekommen, eine „Pokémon-Go-Vote“ App zu programmieren!“

Wie kommt Pokémon Go im Wahlkampf zum Einsatz?

Vorstellbar wäre es, Lock-Module in Kombination mit Pokéstops in der Nähe von Wahlkampf-Büros zu platzieren, um Freiwillige Wahlhelferinnen und Wahlhelfer dazu zu mobilisieren anschließend für Clinton und Trump Anrufe zu machen. Um die Wahlbeteiligung gerade bei der jüngeren Zielgruppe zu steigern wäre es aber auch denkbar, Pokéstops rund um die Wahllokale zu platzieren.

Wählermobilisierung mit Pokémon Pro

Wie Donald Trump Pokémon Go nutzt

Es war nur eine Frage der Zeit bis auch Donald Trump Pokémon Go für seine Kampagne nutzt. Auf Facebook teilt Trump sein Negativ-Kampagnen Video, in dem er Clinton als „Crooked Hillary“ à la Pokémon präsentiert.

Donald Trump Pokémon Pro

 

Ob es gefällt oder nicht — Pokémon Go ist in der Wahlkampfrealität angekommen. Bleibt nur noch zu sagen: Prepare to battle…um die Zukunft der USA!

Rasantes Wachstum

Pokémon Go ist bereits jetzt das erfolgreichste Live-Spiel in der Geschichte des mobilen Gamings. Statistiken von Similar Web zeigen, dass die App bei Nutzern durchschnittlich 43 Minuten und 23 Sekunden in gebrauch ist – deutlich höher als WhatsApp, Instagram, Snapchat und Messenger.

 

Pokémon Pro Statistiken

Pokémon Go noch nicht runtergeladen? Wenn Sie unbedingt müssen: hier gehts zum Download der iPhone App.

LMAO: Präsidentschafts-Wahlkampf mit Emojis

Newsletter und Fundraising Pages? Klar. Um der Generation-Y ordentlich auf Snapchat einzuheizen, greift Hillary Clinton’s Social Media Team zu einem eigens für iOS entwickelten Hillary-Keyboard namens Hillarymoji.

Das neue Keyboard, das im Apple Store erhältlich ist, umfasst 20 Hillary Clinton Sticker die ab sofort jede WhatsApp, Facebook und SnapChat Nachrichten zu einem Hillary-Wahlkampfinstrument machen.

Die Hillarymoji zeigen Hillary Clinton z.B. in einem T-Shirt mit der Aufschrift: „Die Zukunft ist weiblich“

Dave Renz, der Mitgründer der Softwareschmiede Tanooki Labs und Architekt von Hillarymoji sagt: „Wir haben Wert darauf gelegt, dass diese Emojis nicht unsinnig sind. Wir haben uns echt Gedanken gemacht, wie sie in eine Konversation integriert werden können, damit User sie auch wirklich verwenden.“

Emojis-Campaigning mit Call-to-Action: Spende jetzt!

Es geht aber nicht ausschließlich um Spaß. Einige der Sticker haben einen klaren Call-to-Action: Spende jetzt! — mit Link auf die Spenden-Seite der Clinton Kampagne. Diejenigen die anschließend auch wirklich spenden, bekommen einen besonderen Clinton emoji.

Werden die Hillarymoji den Wahlkampf revolutionieren oder Clinton die entscheidenden Stimmen Vorsprung vor Donald Trump verschaffen? Sicherlich nicht. Es zeigt aber einmal mehr, wie Kampagnen-Macher neue Formen der Kommunikation testen und über Marketing im Wahlkampf nachdenken.

Hier kann man das Hillary Emoji Keyboard im iTunes Store runterladen.

Donald Trump hat die Gesetze des US-Wahlkampfs bisher völlig außer Kraft gesetzt #NewYorkPrimary

The Empire Strikes Back: Hillary Clinton und Donald Trump gewinnen die Vorwahlen im US Bundesstaat New York. Julius van de Laar, Kampagnenstratege und Mitgründer der CAMPAIGNING ACADEMY BERLIN analysiert den Vorwahlkampf im ARD Morgenmagazin.

Hintergründe zur Verteilung der Delegierten vor den Parteitagen in Cleveland und Philadelphia

The Road To The White House: Wie geht es nach Iowa weiter?

Die Größte Storyline aus Iowa
Nachdem Sanders zu Beginn des Wahlkampfs mit teilweise 40% in den Umfragen hinter Clinton lag und ihm kaum jemand eine Chance eingeräumt hat, zieht Bernie Sanders mit Hillary Clinton gleich (Clinton gewann die Wahl in Iowa mit 0,3% Vorsprung).
In der Tagesschau analysiert Julius van de Laar von der Campaigning Academy Berlin die Ergebnisse des Iowa Caucus wie folgt:
Doch bereits kommenden Dienstag wird im Bundesstaat New Hampshire gewählt. Hier spricht vieles für einen Sieg von Bernie Sanders, denn New Hampshire ist für den Senator aus dem benachbarten Bundessaat Vermont quasi ein Heimspiel.
Die Umfragen von FiveThirtyEight.com sehen Sanders weit vor Clinton mit 91% Wahrscheinlichkeit, dass der 73 jährige hier die Wahl zu seinen Gunsten entscheiden kann.

 

 

Bernie Sanders & Hillary Clinton

Prognose für die Demokratischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

Trump, Rubio, Cruz

Prognose für die Republikanischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

 

 
Nachdem Donald Trump die letzten Monate medial dominierte ist das eingetreten, was nur wenige vorausgesagt haben. Die Trump-Unterstützer sind nicht zum Caucus gekommen. Stattdessen konnte sich der Sieger der Konservativen in Iowa, Ted Cruz, auf sein Netzwerk von evangelikalen Unterstützern verlassen.

Das Momentum
Nach Iowa gilt es für alle Kandidaten, das Momentum für sich nutzen — vor allem mit Blick auf das Einsammeln von Spendengeldern. Zwar lag auch im letzten Quartal 2015 Clinton knapp vor Sanders mit 37 Millionen zu 33.6 Millionen Dollar. Doch Sanders gelang es, den beachtlichen Betrag fast ausschließlich durch Kleinstspenden von durchschnittlich $XX Dollar zu generieren.
Genau hier, beim Spenden sammeln von Grassroots Aktivisten knüpfen beide Kandidaten noch in der Wahlnacht von Iowa an. Diese E-Mail Spenden-Aufrufe erhielten wir in den frühen Iowa-Morgenstunden:

 

Bernie Sanders Spendenaufruf

Fundraising E-Mail von Bernie Sanders in der Wahlnacht von Iowa

Spendenaufruf von Hillary Clinton via E-Mail

Fundraising E-Mail von Hillary Clinton in der Wahlnacht von Iowa

 


Warum war der Iowa Caucus so wichtig?
Auch wenn Iowa rechnerisch lediglich 1% der verfügbaren Delegierten auf dem Weg zur Nominierung beim Parteitag entscheidet, kommt dem Bundesstaat im Wahlkampf eine besondere Bedeutung zu. Bereits 1976 konzentrierte Jimmy Carter seinen Wahlkampf stark auf Iowa und landete so einen Überraschungserfolg, gewann die Nominierung der Demokraten und wurde schließlich US-Präsident. Auch Barack Obama gewann 2008 in Iowa überraschend deutlich gegen die damalige Favoritin Hillary Clinton, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde.

Wie ist der Caucus ausgegangen
Laut der Befragung vor dem Wahllokal haben mehr als ein Drittel der GOP Caucus- Wähler ihre Entscheidung erst ein paar Tage vor der Wahl getroffen. 64% der Wähler identifizieren sich als evangelikalische Christen, das sind mehr als 2012 (57 %) oder 2008 (60 %). Genau diese Wähler haben für Ted Cruz gestimmt. Cruz hat als erzkonservativer evangelikaler Republikaner mit 27,7% die erste Vorwahl vor Trump (24,3%) für sich entscheiden, aber auch Marco Rubio mit 23,1% hat erstaunlich nah aufgeschlossen.
Hillary Clinton ht Bernie Sanders um Haaresbreite geschlagen, es heißt, in einigen Wahlbezirken hat der Münzwurf entscheiden müssen.
Noch 2008 hatte sie gegen den amtierenden Präsidenten Obama in Iowa bezeichnend verloren, diesmal gingen 699,57 Deligierte an ihre Seite, Sanders kann 695,49 für sich beanspruchen.
Im engsten Kopf an Kopf -Rennen in der Geschichte des caucus wurden die 171,109 Wähler durch ein Data-Driven Kampagnenmanagement und beständiges Testen der verschiedenen Strategien mit maßgeschneiderten und stetig optimierten Ads, E-Mails bis hin zu den letzten Details der Scripts der ehrenamtlichen Kampagnenmitarbeiter versucht, für sich zu gewinnen.
Beide Kampagnen haben ihre ausgeklügelte Organisation auf der Basis innovativster Technik- und Daten-Infrastruktur aufgebaut, die strategisch seit 2008 mit Hochdruck am Wahlkampf arbeitet.

Haustürwahlkampf – die Renaissance eines Tools der vor-massenmedialen Zeit

First Democratic Debate

Hillary Clinton hat mit ihrem TV-Auftritt bei der ersten demokratischen Debatte in Las Vegas ihre Favoritenrolle im Wahlkampf der US-Demokraten unterstrichen. Dabei kommt ihr die Erfahrung aus vergangenen Wahlkämpfen zugute, sagt Julius van de Laar. Die Republikaner reden im US-Vorwahlkampf über Donald Trump, die Demokraten über Themen. Das hilft vor allem Favoritin Hillary Clinton. Herausforderer Bernie Sanders müsste Clinton angreifen, sagt er. Doch seine Kampagne verbietet das.

Im heute Interview analysiert der Kampagnenberater die Tv-Debatte wie folgt:
heute.de: Herr van de Laar, vor der ersten TV-Debatte der Demokraten stand Hillary Clinton unter enormem Druck. Stichwort: E-Mail-Affäre. Wie ging sie damit um?
Julius van de Laar: Im Vorfeld war ganz klar: Hillary Clinton musste punkten. Sie stand unter Druck, ihre Umfragewerte waren am Taumeln. In der Debatte hat sie aber einen sehr starken Auftritt geboten. Da muss man einfach sagen: Clinton fühlt sich wohl auf der Bühne der Präsidentschaftsbewerber, sie hat Erfahrung – während ihre Kontrahenten, inklusive Bernie Sanders, zum ersten Mal auf dieser Bühne stehen. Das hat man gemerkt. Außerdem hat sie einen Riesenvorteil im Vergleich zu den anderen, unbekannteren Kandidaten: Es gibt in diesem Jahr lediglich sechs Debatten der Demokraten. Die anderen Kandidaten, über die bisher kaum berichtet wurde, nämlich Martin O’Malley, Lincoln Chafee und Jim Webb, haben so nur wenig Zeit, haben so nur wenige Gelegenheiten, um zu zeigen, wer sie sind. Sie müssen angreifen, doch das ist ihnen in der TV-Debatte nur teilweise gelungen.
heute.de: Auch Bernie Sanders, Clintons schärfster Konkurrent, verzichtete gestern auf eine direkte Attacke. Sie sind Wahlkampfberater, haben an Obamas Kampagne mitgearbeitet. Hätten Sie Sanders zu mehr Angriffslust geraten?
Van de Laar: Als Bernie Sanders gesagt hat, dass sich „die amerikanische Öffentlichkeit nicht für die verdammten E-Mails“ von Clinton interessiere, war tatsächlich ein überraschender Moment. Er hätte Clinton dort angreifen können – was viele auch erwartet haben. Allerdings war Sanders da in einer schwierigen Position: Seine Kampagne setzt vor allem auf wirtschaftliche Themen. Das soll die Mittelschicht ansprechen. Seine Botschaft ist vor allem, dass er Washington von Grund auf verändern will. Da würde der angreifende, vernichtende Ton, den man sonst aus Washington kennt, nicht passen. Insofern war es eine gute Entscheidung, Hillary Clinton nicht frontal zu attackieren.
IMG_0483.JPGheute.de: Sanders muss also über Inhalte punkten?
Van de Laar: So ist es. Sanders setzt da auf die Ungleichheit bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Dafür hat er in den vergangenen Wochen und Monaten eine enorme Resonanz bekommen. Seine Veranstaltungen waren zum Teil gigantisch, er hatte bis zu 20.000 Zuhörer, und Hillary Clinton damit weit übertroffen. Auch bei den Spendeneinnahmen hat er aufgeholt. Sanders versucht nun, bei der Ungerechtigkeit zwischen Mittelschicht und Wall Street anzugreifen. Thematisch war das auch einer der größten Kontraste der TV-Debatte zwischen ihm und Hillary Clinton. Zum Teil ist ihm das gelungen.

heute.de: Als wir Sie im April zu Hillary Clintons Kandidatur interviewt haben, sagten Sie, die Demokraten hätten keine Alternative zu ihr. Würden Sie das heute wiederholen?
Van de Laar: Momentan erfährt Bernie Sanders enormen Zuspruch, gerade bei der liberalen Basis. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die Demokraten Sanders, und damit einen ausgesprochenen Sozialisten, als Kandidaten wünschen. Im Hauptwahlkampf gegen die Republikaner hat Clinton mit ihrer Erfahrung gegenüber Sanders eine bessere Ausgangsposition.
heute.de: Apropos Republikaner: Die TV-Debatte der Demokraten drehte sich um Schusswaffen, die Macht der Banken, Kapitalismus im Allgemeinen – um Themen also. Ein starker Kontrast zu den Republikanern, bei denen Donald Trump polarisiert, wo er nur kann.
Van de Laar: Dieser Kontrast ist spannend zu beobachten. Während der republikanischen Debatten der vergangenen Wochen standen weniger die Inhalte im Vordergrund als das bombastische Auftreten Donald Trumps, das vor allem von harten persönlichen Attacken gekennzeichnet war. Die Debatte der Demokraten in Las Vegas war da eine komplett andere. Im Zentrum stand zwar auch die Zuspitzung zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton, allerdings war diese vorwiegend durch inhaltliche Differenzen und politische Themen geprägt. Es war das erste Mal, dass sich die beiden direkt miteinander auseinandersetzen mussten – und man hat den Unterschied zwischen beiden gut gesehen. Innenpolitisch konnte Bernie Sanders in vielen Aspekten gut mithalten. Außenpolitisch war der Vorsprung Clintons jedoch klar erkennbar.

heute.de: Mit Vizepräsident Joe Biden stellt sich derzeit bei einem ähnlich erfahrenen Politiker die Frage, ob er noch in den Wahlkampf einsteigen wird. Welche Rolle würde er spielen?
Van de Laar: Eine Kandidatur von Biden würde vor allem Hillary Clinton treffen. Sie würde deutlich mehr Stimmen verlieren als Bernie Sanders. Allerdings weiß Biden genau, wie es um eine Kandidatur zu diesem Zeitpunkt bestellt ist. Er hat weder Spendengelder noch ein Wahlkampfteam. Außerdem rücken die Deadlines näher. Er müsste seinen Namen in sämtlichen Bundesstaaten auf die Wahlzettel bekommen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Außerdem hat Clinton in der TV-Debatte gut abgeschnitten. Hätte sie sich anders präsentiert, wäre durchaus Platz für Biden im Präsidentschaftswahlkampf gewesen. Ich gehe davon aus, dass er sich schlussendlich gegen eine Kandidatur entscheiden wird.

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Erst im November 2016 wählen die Amerikaner einen Nachfolger von Amtsinhaber Barack Obama. Dennoch muss Hillary Clinton sich auf einen harten Vorwahlkampf einstellen.I’m a progressive. But I’m a progressive who likes to get things done.“, war eines ihrer starken Zitate des Abends. Auch wenn Clinton als klare Favoritin der Demokraten gilt, führt Donald Trump momentan deutlich vor allen anderen republikanischen Bewerbern. Es bleibt spannend, ob sie sich gegen ihn als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl durchsetzen könnte. Und auch ihr Vorsprung gegenüber dem Links-Kandidaten Bernie Sanders bleibt zu beobachten.