Drei Dinge die im Wahlkampf wichtig werden

Der Countdown bis zur Bundestagswahl im September läuft. In den kommenden Monaten erwartet uns einer der vielleicht härtesten Wahlkämpfe in der Geschichte um den Einzug ins deutsche Parlament. Hier sind drei Dinge, die aus unserer Sicht wichtig werden:

1. Seehofer und Merkel – Wie vereint geht die Union in den Wahlkampf?

Dass Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin für die Union in den Bundestagswahlkampf einzieht, findet laut DeutschlandTrend mit 59 Prozent die Mehrheit der Deutschen gut.

Doch nur mit einer geschlossenen und engagierten Unterstützung ihrer Partei wird die Kanzlerin im Wahlkampf erfolgreich sein. Eine der entscheidenden Fragen des Wahlkampfs 2017 wird sein, ob CDU und CSU politisch an einem Strang ziehen. Gerade entspannte sich die Beziehung der beiden Unionsparteien, da verkündete CSU-Chef Horst Seehofer, dass ein möglicher Koalitionsvertrag auf jeden Fall eine Flüchtlingsobergrenze enthalten wird – und stellt sich damit einmal mehr gegen Merkels Position. Anfang Februar will man sich auf ein gemeinsames Wahlprogramm von CDU und CSU einigen. Merkel steht unter zunehmendem Druck, ihre Partei zusammenzuhalten. Viel wird davon abhängen, ob die jetzige Merkel-Regierung beim zentralen Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik bei den Wählern wieder Vertrauenspunkte sammeln kann.

2. Gabriel oder Schulz – Wer geht für die SPD ins Rennen?

Könnten die Deutschen den Bundeskanzler direkt wählen, wäre Sigmar Gabriel im Duell gegen Merkel laut DeutschlandTrend weiterhin chancenlos. Sehr viel bessere Chancen, da sind sich die Demoskopen einig, hätte der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz.

Man gibt sich in der SPD betont kollaborativ mit kollektiver Führung, erst Anfang des Jahres soll endlich die Entscheidung fallen, mit wem man das Kanzleramt zurückgewinnen will. Am 29.1. soll der SPD Spitzenkandidat feststehen.

3. Partnersuche

Die Messlatte, die sich die SPD trotz sinkender Zustimmung im Volk gesetzt hat, ist hoch. Die Suche nach neuen Optionen hat längst begonnen, z.B. eine rot-rot-grüne Koalition. Erfolgreich sollen sie gewesen sein, die ersten beiden Treffen mit Parlamentariern aller drei Fraktionen. Aber hinter den Fassaden ist man sich da gar nicht so sicher: Die Grünen wollen sich offiziell nicht festlegen, nicht nur Kretschmann und Özdemir finden auch eine Koalition mit Merkel attraktiv. Auch die Hardliner der Linken sehen eine rot-rot-grüne Koalition skeptisch; besonders die von SPD und Grünen beschlossenen Hartz-IV-Reformen hätte man gerne korrigiert. „Wenn wir in eine Regierung mit der SPD gehen, dann müsste sich sehr, sehr viel ändern“, verkündete Sahra Wagenknecht von der Linken Ende letzten Jahres.

Betont regierungsfähig gibt sich die AfD. Nachdem sie in diesem Jahr in mehrere Landesparlamente eingezogen ist, erklärte Parteichefin Petry… „…sind wir immer noch die Partei, die sich in Opposition zu den Etablierten stellt. Aber das heißt ja nicht, dass wir nicht auch ordentliche parlamentarische Arbeit machen wollen. Wir werden ihnen zeigen, dass wir das können“. Eine der wenigen Sicherheiten nach allen Umfragen: Mit der AfD dürfte zum ersten Mal eine rechtspopulistische Partei ins Parlament einziehen, ein Wiedereinzug der FDP wird für möglich gehalten.

Ganz ohne zumindest theoretische Machtoption hat aber noch nie jemand einen effektiven Wahlkampf geführt. Aber vielleicht wird ja dieses Mal auch in Deutschland alles anders und es stehen uns und den Demoskopen US-amerikanische Verhältnisse bevor, die noch keiner auf dem (Wahl-)Schirm hat.

Es wird ein turbulenter Wahlkampf – stay tuned!

Wir freuen uns auf Eure Meinung zum Bundestagswahlkampf 2017 -> diskutiert hier mit!

Alles auf grün: Berliner Wahlkampf mit den Grünen

Die Grünen konnten sich mit 15,2% der Stimmen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vergangene September einen sicheren Platz im Abgeordnetenhaus erkämpfen. Bei keiner anderen Partei jedoch ist der Unterschied zwischen niedrigstem und höchstem Wahlkreisergebnis so riesig. Dies mag an der sichtbaren Spaltung der Stadt liegen, in dessen Rahmen vor allem die Grünen Gegenpol zu neuen politischen Herausforderern sind. Theresa Reis organisierte den erfolgreichen Wahlkampf von Marc Urbatsch mit und sprach darüber mit der Campaigning Academy im Interview:

CAB: Frau Reis, Sie haben in Berlin für den Grünen-Kandidaten Marc Urbatsch  dieses Jahr einen sehr erfolgreichen Wahlkampf organisiert. Was war dabei zielführend?

Wir haben sehr früh schon ab November 2015, Präsenz im Wahlkreis gezeigt – dem Wahlkreis 4 in Berlin Mitte, der Moabit nördlich der Turmstraße und den Brüsseler Kiez im Wedding umfasst. Dieser Wahlkreis wurde 2015 neu zugeschnitten. Wir hatten also nur bedingt Erfahrungswerte. Um uns ein Bild von dem Wahlkreis an sich, aber insbesondere den Wählerinnen und Wählern zu machen, sind wir ganz grundlegend erstmal mit einer Kurzumfrage in den Vorwahlkampf gestartet – 6 Fragen in 3 Minuten, ganz simpel. Wir konnten von Anwohnern direkt erfahren, wie sie sich im Kiez fühlen, was sie interessiert, was ihnen Sorgen bereitet. So haben wir ein erstes Gefühl bekommen, was in diesem Bezirk Themen sind. Ab diesem Zeitpunkt, als ich zum Wahlkampf hinzugestoßen bin, also seit Herbst 2015, waren wir kontinuierlich präsent. Wir kamen direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. Die Wählerinnen und Wähler haben das gemerkt und auch honoriert, dass wir da sind, obwohl viele Bürger sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst waren, dass Wahlen anstehen.

 

Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit im Kiez war zielführend für den Wahlkampf von Marc Urbatsch

Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit im Kiez war zielführend für den Wahlkampf von Marc Urbatsch

 

 

CAB: Sie haben für den Wahlkampf eine klare Strategie formuliert. Was waren die Kernpunkte ihrer Strategie und wie lang dauerte die Entwicklung?

Ein Wahlkampf auf Bezirksebene ist relativ klein- das sind in Berlin circa 30.000 Wahlberechtigte pro Wahlkreis – und es geht ja hier um Erststimmen – kann nicht den Anspruch haben einer festen Strategie zu folgen sondern darf sich auch organisch entwickeln. Die Grundpfeiler standen schon sehr früh fest, ich würde behaupten, dass das spätestens im Februar 2016 der Fall war. Das waren vor allem zwei Säulen, auf die wir uns gestützt haben. Zum einen haben wir den Fokus von Anfang an auf den Bezirk gelegt. Marc Urbatsch, bis dato der Direktkandidat, war 4 Jahre lang Fraktionssprecher in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte und Vorsitzender des Hauptausschusses. Er kannte und kennt sich also aus, wenn es um die Politik vor Ort geht, das ist seine Expertise. Vielen Multiplikatoren war er bereits bekannt. Darauf haben wir aufgebaut und uns nicht beirren lassen, wenn Gegenkandidaten mit prominenten Politikern aus dem Bundestag oder anderen Institutionen Wahlkampfveranstaltungen durchgeführt haben, die im Endeffekt wenig mit der Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürgern in Moabit oder dem Brüsseler Kiez zu tun hatten. Zweitens – und das kann ich nicht genug betonen – war der Kandidat zu jederzeit ansprechbar. Jeden Samstag, gegen Ende des Wahlkampfs, als die Wähler vermehrt konkrete Fragen hatten sogar an mehreren Tagen unter der Woche, sowohl morgens als auch Abends gab es Informationsstände. Das wurde stark genutzt und kam gut an. Ich erinnere mich an Samstage, an denen Marc Urbatsch keinen einzigen Flyer verteilt hat, weil er permanent im Gespräch war. Besser konnte es nicht laufen. Zudem kamen neue Formate, die wir vor allem mittels Social Media verbreitet haben. So hatten Wählerinnen und Wählern auch zusätzlich die Möglichkeit, Marc zum Kaffee und Kuchen einzuladen – ganz einfach per Postkarte oder Onlineformat. In den letzten 10 Wochen gab es ein Videoformat, welches die Wähler über aktuelle Entwicklungen in der Bezirksverordentenversammlung und im Wahlkampf auf dem Laufenden gehalten hat. Was ist eigentlich die tägliche Arbeit eines Politikers und welche Themen sind aktuell? Dadurch konnten wir viele Klicks generieren. Mit diesem Ansatz, also der Bezirkspolitik und der Möglichkeit der Berlinerinnen und Berliner sich über die BVV Gehör zu verschaffen, haben wir es auch in die Abendschau des RBB geschafft, inklusive eines Interviews mit Marc Urbatsch. Das wöchentliche Format „Die Woche mit Marc Urbatsch“ wurde zum Beispiel von einer Bürgerin direkt genutzt, auf eine unübersichtliche Kreuzung hinzuweisen.

 

CAB: Wie groß war ihr Wahlkampfteam und ihr Budget?

Das Wahlkampfteam bestand fast ausschließlich aus Ehrenamtlichen wie mir. Zwischen 5 und 10 Leuten, mit wechselnder Besetzung, waren im engeren Sinne im Team. Im Wahlkampf heißt es „all hands on deck“, T. Reis im Interview mit der @berlin_academy Klick um zu Tweeten – wo Engpässe sind wird angepackt. Egal ob Wahlkreis 4 oder Wahlkreis 1. Wir hatten einen sehr engagierten hauptamtlichen Wahlkampfmanager, der sich um alle Wahlkreise in Berlin Mitte gekümmert hat und quasi für die Logistik zuständig war. Stark unterstützt wurden wir auch vom Vorstand des Kreisverbands Mitte, übrigens auch ehrenamtlich. Das Budget für Social Media speist sich aus dem Gesamtbudget eines jeden Kandidaten und betrug 1000€. Das geht für Google Adwords und Facebook Anzeigen drauf. Wir haben tatsächlich viele kostenlose Dienste in Anspruch genommen – die Umfrage beispielsweise und eine interaktive Karte der politischen Entwicklungen des Wahlkreises sowie das Videoformat wie Vimeo war kostenlos, wurde aber auf den SOM Kanälen sehr gut verbreitet – durch das Team, die Accounts der Berliner Grünen und WählerInnen. Insgesamt wurde beim Grünen-Wahlkampf 2016 dabei für Digitales (Facebook und Twitter-Ads, etc.) circa 200.000€ ausgegeben.

CAB: Wie ist das Wahlergebnis der Grünen vor dem Hintergrund von Social- Media Strategien zu beurteilen?

Die Besonderheit des Social Media Auftritts der Berliner Grünen war, dass es nicht so viele vorgefertigte Posts gab, die denselben Inhalt der Plakate wiedergegeben haben. Stattdessen wurden die Kanäle mit Reaktionen auf aktuelle Themen bespielt. Rapid response ist hier enorm wichtig.

 

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Rapid Response Beispiel der Grünen

Der Facebook Kanal der Berliner Grünen wird gut betreut, Fragen schnell beantwortet. Anstelle eines Wahlwerbespots gab es kurze Videoclips zu spezifischen Themen, die auf den Social Media Kanälen gespielt wurden. So erreicht man eine größere Zielgruppe.

 

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Auch zu Innensenator Henkel gab es schnell ein „Share-Pic“ der Grünen via Facebook

 

Besonders schön war es, als ein Clip der ZDF Heute Show in der Woche vor den Wahlen in den SOM Kanälen viral ging. Die Heute Show kam bei einem grünen Grillfest in Kreuzberg mit einer AfD Direktkandidatin zu Besuch. Daniel Wesener hat das Mikrofon übernommen und die Kandidatin interviewt – sie fand es nicht so lustig. Und Ströbele fiel dann doch noch eine Gemeinsamkeit von AfD und Grünen ein: Wir essen alle auch mal Butterbrot. Absolut sehenswert! In Kreuzberg gab es übrigens den einzigen Wahlkreis, wo die AfD nicht eine einzige Stimme bekommen hat! In absoluten Stimmen war unser Ergebnis gar kein schlechtes vor dem Hintergrund der aktuellen Lage. Daher war es angemessen, besonders  in Wahlkreis 4 bei der Gruppe der „Alt-Eingesessen“, nicht zu stark auf Social Media zu setzten, da sich für diese Gruppe beispielsweise das Street Canvassing  am relevantesten für die Meinungsbeeinflussung dargestellt hat.

CAB: Sehr viel Wahlkampfbudget geht jedoch immer wieder in die Entwicklung von Plakaten fließt. Und das, obwohl die Wirkung von Plakaten bei Wahlen umstritten ist. Auch Sie haben Wahlplakate genutzt, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

 

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Insgesamt haben wir mit unseren Plakaten durchweg gute Erfahrungen gemacht.  Wichtig ist es – vor allem angesichts der neuen Entwicklungen der Parteienlandschaft nun auch in Berlin – die Wähler zu mobilisieren, die bereits geneigt sind Grün zu wählen, sich aber vielleicht nur zu 98% sicher sind. Das haben wir gut gemeistert. Die „Themenplakate“  wie wir sie nennen, sind gut angekommen oder haben zumindest für Gesprächsstoff und das ein oder andere Schmunzeln gesorgt. Das spiegelt das Junge und Frische unserer Partei wider, was wir auch nach wie vor sind. Wir haben die Inhalte und unsere Forderungen gut rübergebracht.

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Und eines muss ich auch sagen: Vielen Berlinerinnen und Berlinern wird nach wie vor erst bewusst, das Wahlen anstehen, wenn die Plakate hängen, die Wahlbenachrichtigungen kommen nämlich erst später. Dennoch hat es Relevanz, da viele Leute nicht online sind. Das gibt zumindest durch Claims und Look und Feel eine Richtung vor: Ist doch ein Plakat ist das erste sichtbare Statement des Wahlkampfs. Was die Plakate in unserem Wahlkreis anging – auch hier haben wir auf Authentizität geachtet. Der Kandidat Marc Urbatsch im Gespräch, so wie man ihn kennt. Das hatte einen hohen Wiedererkennungswert, denn genauso hat man ihn ja die letzten 8 oder 9 Monate ständig gesehen. Wir haben viel positives Feedback dazu bekommen. Der Erfolg eines Plakats lässt sich dennoch schwer messen, aber wir wusste, es wird ein knapper Wahlausgang, Experimente zu machen ist daher zu riskant gewesen.

 

 

CAB: Wie wichtig war im Grünen-Wahlkampf das Tür-zu-Tür Canvassing? Wie erfolgreich war diese Methode?

Canvassing gehört auch bei den Grünen mittlerweile zur Tradition. Hier möchte ich erwähnen: wir haben den Wahlkreis mit 100 Stimmen Vorsprung gewonnen – da hat sich jeder Trip in den 5. Stock eines Altbaus gelohnt. Ganz ehrlich: Bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen waren sehr freundlich, haben sich auf kurze Gespräche eingelassen und Fragen gestellt. Auch den Kandidaten mal persönlich so vor der Tür zu haben, one on one sozusagen, ist ja auch mal ganz nett. Da kann man noch ganz anders Fragen stellen oder auch seinen Missmut äußern, als auf der Straße. Klar, man bekommt auch mal eine Tür ins Gesicht geschlagen – Das war aber eher selten der Fall.

Authentizität und Ansprechbarkeit: Marc Urbatsch im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus 2016

Authentizität und Ansprechbarkeit: Marc Urbatsch im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus 2016CAB: Gibt es Erfolgsfaktoren für eine Kampagne? Welche drei Tipps geben Sie unseren LeserInnen für die Entwicklung einer effektiven und wirkungsvollen Strategie?

Klar gibt es Erfolgsfaktoren, die sind sicher in jeder Kampagne unterschiedlich. Grundsätzlich würde ich behaupten, dass man zunächst sehr pragmatisch planen sollte und sich fragen muss: Mit wem habe ich es überhaupt zu tun, mit welchen Menschen und was ist hier wichtig? Darauf muss alles aufbauen. Zweitens und das ist in direkter Verbindung mit Nummer eins – die Kampagne sollte in sich authentisch sein. Das hängt auch mit dem Kandidaten zusammen. Hätte Marc Urbatsch eine Pokémon Tour veranstaltet, hätte ihm das niemand abgekauft. Drittens sollte man sich nicht unnötig beirren lassen. Weder von den Gegenkandidaten noch von Kandidierenden der eigenen Partei in anderen Wahlkreisen. Hiermit meine ich die Formate, die ich vorhin schon angesprochen habe. Einen Bundestagsabgeordneten einzuladen hat den Vorteil, dass es tolle Fotos gibt. Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Moabit zum Beispiel, die gerne einen Zebrastreifen an einer unübersichtlichen Straßenkreuzung hätten, hat das keine Bedeutung. Ein offener Blick nach links und rechts schadet nie. Man sollte sich und dem Kiez aber treu bleiben.

 

Share-Pic Aktion im Rahmen der Schlussmobilisierung am Wahltag

Share-Pic Aktion im Rahmen der Schlussmobilisierung am Wahltag

 

 

CAB: Winfried Kretschmann ist im März zum zweiten Mal Ministerpräsident in Baden-Württemberg geworden, und das mit 30,3 Prozent – das war das beste Ergebnis, das sie bei einer Landtagswahl je erreicht haben. Was kann man sich von dem Kollegen und dessen Erfolgsrezept bezüglich der bevorstehenden Wahl abschauen?

Es ist schwierig hier zu pauschalisieren. In Baden-Württemberg haben wir einen strategisch einwandfreien Wahlkampf gesehen, der die perfekte Balance zwischen Personenbezogenheit und Inhaltsvermittlung erlangt hat. Das ist schwer zu replizieren. Der Vorteil in Baden-Württemberg war auch, dass Kretschmann schon Ministerpräsident war und noch dazu einen guten Job gemacht hat – die Wählerinnen und Wähler mussten also nicht von etwas ganz Neuem überzeugt werden. Was wir am Beispiel Baden-Württemberg wieder sehr gut erkennen: Grün wirkt und Grün kann regieren. Auch im vorher stets konservativ regierten Ländle. Daraus ziehen wir aber natürlich auch Selbstbewusstsein und versuchen dies, im kommenden Wahlkampf auf Bundesebene zu transportieren.

CAB: Welche Schlussfolgerungen für erfolgreiches Campaigning können Sie aus dem Abgeordentenhaus-Wahlkampf ziehen, die sie für den anstehenden Bundestagswahlkampf nutzen können?

Ich denke, authentisch zu bleiben ist das Wichtigste. Grün – das hat viel mit Toleranz, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung zu tun. Wir haben in Berlin Möglichkeiten aufgezeigt, wo andere auf Grenzen hingewiesen haben, das wünsche ich mir auch für den Bundestagswahlkampf. Generell – und hier komme ich zurück auf den Einzug der AfD in zwei weitere Landesparlamente in diesem Herbst – muss eine Schlussfolgerungen auch sein, weitere Ressourcen zu mobilisieren. Erstens zur Aufklärung über die Partei,also der AfD, deren Forderungen und den unmittelbaren Folgen dieser Forderungen. Das haben wir in Berlin bereits getan, waren aber zuweilen die einzige Partei, die das so intensiv verfolgt hat. Zweitens zur Mobilisierung von Wählern. Nicht zu wählen war nie fataler. Ich würde mir hier eine Art Get out the vote Kampagne wünschen, wie sie in den USA üblich ist.

Schlussmobilisierung der Grünen im Wahlkampf um das Berliner Abgordnetenhaus 2016

Schlussmobilisierung der Grünen im Wahlkampf um das Berliner Abgordnetenhaus 2016

 

 


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Theresa Reis, hat Politikwissenschaft studiert und ist aktuell Campaignerin beim WWF Deutschland. Von November 2015 bis September 2016 machte sie ehrenamtlich Wahlkampf für Marc Urbatsch, Bündis90/Die Grünen.

Twitter: @Reis_Theresa

 

 

 

 

 

Marc Urbatsch ist seit Okotber 2016 gewählter Abgeordneter im Abgeordnetenhaus von Berlin. Seit 2011 setzt er sich u.a. als Sprecher seiner Fraktion in der Bezirksverordneten-versammlung für den Erhalt der sozialen Infrastruktur in Moabit und dem Brüsseler Kiez ein.
Twitter: @Marc_Urbatsch

 

Clinton v. Trump: Entscheidend ist die Schlussmobilisierung

Happy Election Day!

Heute zählt nur noch die Schlussmobilisierung, also GOTV (Get Out The Vote)!

Die Clinton-Kampagne hat den Schlussspurt im Wahlkampf gut geplant und eine perfekt organisierte Maschinerie am laufen. Am Wochenende (48 Stunden) vor der Wahl, haben freiwillige Wahlhelfer an 6,2 Millionen Türen geklopft und zusätzlich 8,1 Millionen Anrufe an Clinton Unterstützer gemacht, um sicherzustellen, dass diese auch wirklich wählen gehen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Hillary Clinton die Wahl noch verliert? 

Die Möglichkeit besteht, aber es ist deutlich wahrscheinlicher, dass Clinton die Wahl gewinnt. Denn die nationalen Prozentzahlen können wir jetzt außer Acht lassen, sie sind nicht mehr wirklich relevant. Es geht fast ausschließlich um die Swing-States. Selbst wenn Trump Florida, Ohio und North Carolina gewinnt, steht Clintons „Firewall“ aus den sechs Bundesstaaten Wisconsin, Pennsylvania, Michigan, Virginia, Colorado und New Hampshire. Das dürfte für die notwendigen 270 Wahlmänner ausreichen.

Prognosen

Wir haben einige Prognosen gewagt, aber auch über den härtesten Wahlkampf aller Zeiten, die Schlussmobilisierung und digitales Campaigning mit einigen Medien besprochen. Hier einige Stücke zum „State of the Race“ bevor die Wahllokale heute Abend schließen.

Alles weitere auf Twitter unter @juliusvandelaar und @berlin_academy



Programmtip

  • Am Wahlabend (und Nacht) sind wir ab 22:45 Uhr in der ARD.
  • Am Mittwoch tagsüber auf n-tv, n-24 und abends in der Phoenix Runde ab 22:45 Uhr.
  • Für unsere schweizer Campaigning-KollegInnen gibt es am Mittwoch eine Analyse der Wahlergebnisse im SRF ab 20:00 Uhr.

Good Reads:

 

Was ist mit Clintons Image?

Beide Kandidaten haben ein negatives Image. Sie werden von mehr Wählern abgelehnt als positiv gesehen. Hillary Clinton gehört seit 25 Jahren zum Establishment. Und natürlich gab es in dieser Zeit auch nicht wenige Krisen. Nehmen wir nur, was zuletzt wieder hochkam: Benghasi, die E-Mail-Affäre und auch Whitewater. Mit jedem vermeintlichen Skandal verfestigt sich die Meinung etwas mehr, dass Clinton nicht 100 Prozent sauber spielen könnte. Die Häufung der Vorfälle lässt das zu einem Narrativ werden.

Clinton hat extrem schlechte Beliebtheitswerte, die es so in der Geschichte der Demokraten noch… Klick um zu Tweeten

 

Der Hauptgrund für viele Amerikaner, Clinton zu wählen, ist, Trump zu verhindern. Ist das nicht ein Armutszeugnis für die Kandidatin?

Dieser Wahlkampf war vermutlich die härteste Schlammschlacht, die wir je gesehen haben. Wenn ich das mit früheren Wahlkämpfen vergleiche, insbesondere 2008, ist der Unterschied erheblich. Obama hatte damals klare Visionen und Missionen. „Yes, we can“ und „Hope and Change“ hatten eine wahre Strahlkraft. Allerdings kann ich die Idee, Clinton als kleineres Übel zu wählen, nicht nachvollziehen. Denn, was Trump über Frauen und Latinos gesagt hat, disqualifiziert ihn komplett. Die Haltung vieler Amerikaner zeigt nur, wie gespalten das Land ist. Clinton ist inhaltlich besser als jeder Kandidat qualifiziert, der vor ihr ins Weiße Haus wollte. Sie ist nur eine schlechte Wahlkämpferin. Das war bereits 2008 gegen Barack Obama der Fall.

Trotzdem: Bei ihrer miserablen Beliebtheitswerten, hätte sie gegen einen moderateren Republikaner als Trump nicht vielleicht verloren?

Die Frage ist hypothetisch – wir wissen nicht, was alles über einen Jeb Bush oder John Kasich während einer Kampagne herausgekommen wäre. Natürlich wären die Republikaner besser beraten gewesen, einen anderen Kandidaten zu nominieren, allein schon aus dem Grund, die eigene Partei nicht in den absoluten Bürgerkrieg zu stürzen.

Wenn beide Kandidaten so äußerst unbeliebt sind, warum hat dann eigentlich der dritte im Bunde, der Liberale, Gary Johnson, keine Chance?

Das liegt zum einen am Wahlsystem, das nicht für drei Kandidaten ausgelegt ist. Zweitens hat er sich mit einigen Aussagen wirklich disqualifiziert. So kannte Johnson Aleppo nicht und konnte auch keinen Staatsmann benennen, den er respektiert. Er hat weder das Format noch eine Botschaft und erst recht keine finanzielle Infrastruktur. Dennoch könnte er Clinton gefährlich werden, indem er ihr in einigen Bundesstaaten Stimmen wegnimmt. Dass Republikaner zu ihm abwandern, halte ich dagegen für unwahrscheinlich. Auf mehr als drei bis vier Prozent wird Johnson landesweit vermutlich nicht kommen.

„Mittlerweile weiß die Kampagne sogar, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Wähler sein… Klick um zu Tweeten

Viele Spots der Clinton-Kampagne spielen vor allem die Anti-Trump-Karte aus. Man hört fast nur, warum der Republikaner als Präsident „ungeeignet“ und „gefährlich“ sei. Eine positive Botschaft und ein eigenes Programm fehlen oft. Ist das die richtige Strategie?

Ja, ist es. Denn jetzt geht es nicht mehr vorwiegend darum, unentschlossene Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Die Phase der Schlussmobilisierung hat begonnen – da rücken die Argumente und Inhalte in den Hintergrund. Es wird ein klares Feindbild von Donald Trump gezeichnet, das Clinton-Wähler mobilisieren soll. Wenn Clinton verdeutlicht, wie gefährlich Trump ist, kann sie mobilisieren.

Es gibt kaum eine Zielgruppe, die Trump nicht beleidigt hat. Es sei denn man ist über 50, weiß… Klick um zu Tweeten

Kann man es sich als Journalist in den Leitmedien überhaupt erlauben, für Trump zu plädieren, selbst wenn man so denken sollte?

Ich weiß wirklich nicht, wie jemand zu Trump stehen kann. Wer so über Minderheiten und auch über die Außenpolitik spricht, der darf keine Rückendeckung bekommen.

 

 

Happy Election Day!


Zielgruppen-Ansprache mit YouTube Stars und Landing-Page Optimierung beim WWF

Landing Page Optimization gehört für viele NGOs und Organisationen mittlerweile zum Tagesgeschäft. Wir haben bereits ausführlich über A/B-Testing auf Petitions- und Fundraising-Pages geschrieben, und wie mit Hilfe von Tools wie z.B. Optimizely die Conversion Rate deutlich gesteigert werden kann.
Ein wichtiger Aspekt, der oftmals übersehen wird, ist die optimale Ansprache der anvisierten Zielgruppe. Klar macht es Sinn, die unterschiedlichen Buttons, Bilder und Call-To-Actions zu testen. Was aber, wenn komplett unterschiedliche Zielgruppen auf genau dieselbe Landing-Page geleitet werden?
Genau dieser Herausforderung musste sich das Kampagnen-Team des WWF in ihrer aktuellen Kampagne #SaveSelous stellen. Um auf die Zerstörung der Wildnis Afrikas in Tansania hinzuweisen, erstellte der WWF eine Kampagnenseite mit einer Petition, die mittlerweile deutlich mehr als 100.000 Menschen unterschrieben haben.
Klarer Call to action der #Saveselous -Kampagen vom WWF

Klarer Call to action der #Saveselous -Kampagen vom WWF

Beworben wurde die Petitionsseite über die WWF eigenen Kanäle wie z.B. Webseite, Kampagnen-Newsletter, Social Media-Kanäle sowie bezahlte Social Media-Anzeigen, die direkt auf die Petitions-Seite geführt haben.
Der folgende „Call-To-Action“ ruft auf der Kampagnenseite zum Mitmachen und Unterstützen auf:
„Petition #SaveSelous: Die Wildnis Afrikas wird zerstört. Retten wir gemeinsam das Weltnaturerbe.“ Hier findet ihr die Seite (die ihr auch gerne direkt unterstützen könnt!): http://www.wwf.de/selous-retten
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Naturschutzorganisation der Cue: Sie konnte zwei prominente YouTuberinnen für die Kampagne gewinnen. So reisten die YouTube-Stars Kelly und Jodie gemeinsam mit dem WWF nach Afrika und berichteten aus erster Hand, mit selbstproduzierten Videos und kleinen Reportagen, über die Situation in Tansania. Am Ende ihrer Videos riefen die YouTuber dazu auf, die Petition des WWF zu unterschreiben. Innerhalb von nur 21 Tagen kamen so 87.120 Unterschriften zusammen.
Ein toller Erfolg!

ARVE Fehler: <i> <a href="https://www.youtube.com/watch?time_continue=32&v=7UjSeO5DiuQ" target="_blank" data-saferedirecturl="https://www.google.com/url?hl=de&q=https://www.youtube.com/watch?time_continue%3D32%26v%3D7UjSeO5DiuQ&source=gmail&ust=1477669497822000&usg=AFQjCNFMQGIataazT2Q3Ip3Pz_X0z1yf1Q">https://www.youtube.com/watch?time_continue=32&v=7UjSeO5DiuQ</a></i> is keine korrekte URL

Man kann sich sicher sehr gut vorstellen, dass die Community der YouTuberinnen Kelly und Jodie nicht mit den durchschnittlichen Unterstützern des WWF vergleichbar ist, daher sollte die Ansprache auch nicht die gleiche sein. Das Kampagnen-Team des WWF baute also folgerichtig eine zweite Landing-Page mit einer auf die Zielgruppe von Kelly und Jodie zugeschnittenen Tonalität:
„Yeah! Kelly und Jodie fahren auf ein Abenteuer nach Tansania und helfen uns, Selous zu schützen.“
Hier die beiden Landing-Pages im Vergleich:

Hier die angepasste Landing-Page der WWF Kampagne

Hier die angepasste Landing-Page der WWF Kampagne

Hier geht es zur Landing-Page für die Community von Kelly und Jodie 


 

Im Vergleich zur normalen Version der Landing- Page

Im Vergleich zur normalen Version der Landing- Page


Mehr über die Kampagne und den Einsatz von YouTubern könnt Ihr im WWF-Vortrag am Montag, 31. Okt., um 14:15 Uhr auf der Konferenz #reCampaign erfahren: „Was geht, YouTube? Potenziale einer Kooperation“
Viel Spaß dabei.

Pokémon Go: So nutzen Clinton und Trump die App für ihren Wahlkampf

Pokémon Go als Campaigning-Tool? Im Land der unbegrenzten Wahlkampfmöglichkeiten kein Problem: kaum hat sich Pokémon Go zum absoluten Hype entwickelt gehen Hillary Clinton und Donald Trump bereits mit den ersten Anwendungen für ihren Wahlkampf live.

Einen Tag nach dem Donald Trump seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Mike Pence benannt hat, hält Hillary Clinton ihr erstes Pokémon-Kampagnen-Event in einer Pokémon-Arena im Swing-State Ohio ab.

Fangt Pokémon und erfahrt neues über Hillary Clinton

„Join us as we go to the Pokestop in Madison Park and put up a lure module, get free pokemon & battle each other while you register voters and learn more about Sec. Hillary Clinton!“ – hier der Link zum Clinton Kampagnen-Event

Hillary Clinton Pokémon Pro Kampagnen Veranstaltung in Ohio

„Sei dabei, wenn wir beim Pokéstop am Madison Park ein Lockmodul erstellen“ schreibt Team-Clinton auf der Kampagnenseite. Schnappt euch ein kostenloses Pokémon und kämpft gegeneinander, während ihr Wähler registriert und mehr über Hillary Clinton erfahren könnt.“ Das Spektakel mit dem Titel „Schnapp sie dir alle“ wird in Lakewood, Ohio durchgeführt.

Pokémon-Go-Vote App

Bei einer Veranstaltung forderte Hillary Clinton die Entwickler auf die App weiterzuentwickeln: „Ich weiß nicht wer die App Pokémon Go entwickelt hat, aber ich versuche sie dazu zu bekommen, eine „Pokémon-Go-Vote“ App zu programmieren!“

Wie kommt Pokémon Go im Wahlkampf zum Einsatz?

Vorstellbar wäre es, Lock-Module in Kombination mit Pokéstops in der Nähe von Wahlkampf-Büros zu platzieren, um Freiwillige Wahlhelferinnen und Wahlhelfer dazu zu mobilisieren anschließend für Clinton und Trump Anrufe zu machen. Um die Wahlbeteiligung gerade bei der jüngeren Zielgruppe zu steigern wäre es aber auch denkbar, Pokéstops rund um die Wahllokale zu platzieren.

Wählermobilisierung mit Pokémon Pro

Wie Donald Trump Pokémon Go nutzt

Es war nur eine Frage der Zeit bis auch Donald Trump Pokémon Go für seine Kampagne nutzt. Auf Facebook teilt Trump sein Negativ-Kampagnen Video, in dem er Clinton als „Crooked Hillary“ à la Pokémon präsentiert.

Donald Trump Pokémon Pro

 

Ob es gefällt oder nicht — Pokémon Go ist in der Wahlkampfrealität angekommen. Bleibt nur noch zu sagen: Prepare to battle…um die Zukunft der USA!

Rasantes Wachstum

Pokémon Go ist bereits jetzt das erfolgreichste Live-Spiel in der Geschichte des mobilen Gamings. Statistiken von Similar Web zeigen, dass die App bei Nutzern durchschnittlich 43 Minuten und 23 Sekunden in gebrauch ist – deutlich höher als WhatsApp, Instagram, Snapchat und Messenger.

 

Pokémon Pro Statistiken

Pokémon Go noch nicht runtergeladen? Wenn Sie unbedingt müssen: hier gehts zum Download der iPhone App.

Die Technologie der Zukunft ist digital

Das Unternehmen Altruja bietet Spendentools für erfolgreiches Online-Fundraising. Das 2010 gegründete Startup bietet eine Online-Spenden-Software an, die sich in jede Website integrieren lässt, um so neue Spender erreichen und damit ihr Spendenvolumen erhöhen. Außerdem erstellt Altruja jedes Jahr eine umfangreiche Studie über die Marktentwicklung von Online Spenden. Was sind zukünftige Einnahmequellen von NPOs? Welche Spenden-Kanäle verlieren an Bedeutung? Wie entwickelt sich das Spenderverhalten?

 

Sarah Wetzel leitet das Online-Marketing und sprach mit der Campaigning Academy im Interview:

Die Relevanz des Online-Fundraising steigt in den nächsten drei Jahren und wird damit zum zweitwichtigsten Kanal.

 

 

CAB: Unabhängig von der Studie: Was sind aus Eurer Sicht die wichtigsten drei Punkte für erfolgreiches Fundraising?

Wetzel: Im Online Fundraising: Mut neues Auszuprobieren, denn nicht alles klappt auf Anhieb. Ständiges weiterlernen: Wer auch in Zukunft Kommunikation mit seinen Unterstützern pflegen will, muss wissen, wo sich diese aufhalten und was sie nutzen. Klare strategische Positionierung: Ich kann (und muss) nicht allen gefallen, hauptsache meiner relevanten Zielgrupe ist glasklar wofür wir stehen

 

Die Relevanz des Online-Fundraising steigt und wird zum zweitwichtigsten Kanal Klick um zu Tweeten

CAB: Zur Studie: Wer hat alles an der Umfrage teilgenommen?

Wetzel: An unserer Umfrage haben über 1600 Teilnehmerinnen aus der gesamten DACH-Region teilgenommen. Darunter Organisationen und politische Parteien für Kinder und Jugendhilfe, hin zur Integration und Sozialem, sowie Entwicklungshilfe und Bildung.

 

CAB: Gibt es einen Unterschied zwischen NGOs und politischen Parteien?

Wetzel: Im Jahr 2016 gibt es keine Vergleichswerte zwischen NGOs und politischen Parteien, da die Studie sich auf den Ländervergleich, sowie den Vorjahresvergleich beschränkt hat.

 

Marketing

 

CAB: Als Ihr Euch die Ergebnisse das erste Mal angesehen habt, was hat Euch am meisten überrascht / womit hättet ihr niemals gerechnet?

Wetzel: Besonders gefreut hat uns die zukünftige Relevanz des Online-Fundraising, welches von allen drei Ländern als sehr wichtig in der Zukunft empfunden wird. Natürlich waren wir auch von der Bereitschaft von über 1600 TeilnehmerInnen überwältigt. Überrascht hat uns außerdem die gewaltige Nutz
ung der verschiedenen Social-Media- Bereiche. Besonders facebook ist im Vergleich zum Vorjahr um ganze 8 Prozentpunkte gestiegen. Außerdem gaben über 60% der TeilnehmerInnen an, drei oder mehrere Online-Kommunikationskanäle zu nutzen.

 

 

CAB: Was waren die wichtigsten Fundraising-Kanäle im Jahr 2016?

Wetzel: Wenn man die Statistiken von allen drei teilnehmenden Ländern, Deutschland, Österreich und Schweiz betrachtet sind Unternehmensspenden nach wie vor an der Spitze mit 40%, dicht gefolgt von Mitgliedsbeiträgen von 37% der TeilnehmerInnen, sowie Staatliche Hilfen 35%, Förderungen und Post- Mailings mit je 32%. Online-Fundraising steht momentan bei 14%, steigt jedoch jährlich und wird in der Zukunft als zweitwichtigster Kanal nach den Unternehmensspenden gesehen. Schaut man sich die drei Länder jeweils individuell an, stechen bei deutschen Organisationen besonders Unternehmensspenden und Mitgliedsbeiträge hervor. Bei österreichischen Organisationen sind vor allem Staatliche beliebt. Schweizer Organisationen tendieren eher zu Förderungen und Post-Mailings.

Immer mehr Organisationen werden in Zukunft im Online- Fundraising aktiv werden Klick um zu Tweeten

CAB: Wie aktiv wird Online Fundraising von Organisationen genutzt und wo sind die Probleme und Herausforderungen? Was könnten mögliche Gründe sein, das einige Organisationen noch gar kein Online- Fundraising betreiben?

Wetzel: Die Nutzung von Online-Fundraising steigt gegenüber zum Vorjahr bereits auf 47%. Der Großteil der Organisationen mit 74% hat Probleme genügend Personal und Zeitmangel im Bereich Online-Fundraising zur Verfügung zu stellen. Knapp die Hälfte gibt „mangelndes Budget“ als Herausforderung an.

Facebook

 

CAB: Was war auffällig bezüglich der Investition von Organisationen in das Online-Fundraising im Jahr 2015?


Wetzel:
Viele Organisationen landen bei der Investition im Bereich zwischen 0 -500€, sowie 501 – 5.000€. Es gibt jedoch auch einen beachtlichen Teil der zwischen 5001 und 20000€ investiert hat. Ein kleiner Teil der Organisationen kommt sogar auf 20001 und 100.000€, sowie über 300.000€. Natürlich spielt hier die Größe von Organisationen auch eine wichtige Rolle, so kommen natürlich nur große Organisation auf Summen über 100.000€.

 

 

CAB: Was würdet Ihr Anhand der Ergebnisse NGOs mit Blick auf Fundraising empfehlen?

Wetzel: Bleiben Sie am Ball, Lernen Sie von anderen, lassen Sie den (noch langsam anfahrenden) Online Zug nicht zu weit abfahren bevor Sie sich entscheiden mitzufahren. Denn wohin die Reise geht, zeigen die großen und/oder innovativen Organisationen ganz klar. Und vor allem gilt es jetzt Erfahrungen zu sammeln, was klappt bei meiner Organisation?

Im Bereich Social Media ist die Nutzung der Kommunikationskanäle für Fundraising auf über 60%… Klick um zu Tweeten

CAB: Wenn ihr einer NGO jetzt empfehlen würdet in eine Technologie der Zukunft zu investieren, welche wäre das

Wetzel: Die Technologie der Zukunft ist digital.

 

CAB: Wohin geht der Trend jetzt? Wie lautet Eure Prognose für die Nutzung neuer Kanäle in der Zukunft?

Wetzel: Wir sind fest davon überzeugt, dass Online Fundraising in Zukunft immer wichtiger wird. Es wird mehr Zielgruppenspezifische Kommunikationskanäle geben, also mit meinen ganz ungen spreche ich vlt via Snapchat oder Instagram, die älteren via Facebook und allgemein über Email. D.h. den einen Kanal, der für die kommenden 20 Jahre gilt, den gibt es sicher nicht mehr. Es gilt daher flexibel am Ball zu bleiben!

 

 

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Sarah Wetzel, Online-Marketing-Managerin

 

Website: www.altruja.de

Twitter: @altruja

Facebook: www.facebook.com/altruja

Instagram: www.instagram.com/altruja

 

 

Hier geht es zum Download der Fundraising- Studie 2016 von Altruja

Die Altruja GmbH ist ein IT-Dienstleister mit Sitz in München. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Online-Fundraising-Software für gemeinnützige Organisationen.

Clinton vs. Trump- Wer gewinnt den Hauptwahlkampf?

Der Vorwahlkampf scheint nun entscheiden. Bernie Sanders zieht seine Bewerbung um das Amt des demokratischen Präsidenschaftskandidates zwar nicht zurück, will aber Clinton unterstützen. Donald Trump hat seine Kandidatur sicher

 

 

 

 

Wer hat die Nase vorn?

Wer hat die Nase vorn?

 

 

Zur selben Zeit vor acht Jahren musste Hillary Clinton sich  gegen Barack Obama geschlagen geben.

In 2016 proklamiert sie nun vor ihren Anhängern, die erste Frau an der Stelle der Präsidentschaftskandidatin einer großen Partei zu sein und so einen Meilenstein erreicht zu haben.

 

Die ehemalige Außenministerin lässt keinen Zweifel daran, dass sie gegen Konkurrent Trump im Hauptwahlkampf gewinnen wird.

 

 

Die Eigenschaften der Kandidaten

Die Eigenschaften der Kandidaten

 

 

 

Julius van de Laar, Kampagnenstratege und Mitgründer der CAMPAIGNING ACADEMY BERLIN analysiert den Vorwahlkampf in der Tagesschau:

 

 

 

Hillary Clinton oder Donald Trump: Wer hat die Nase vorn beim Rennen um das Weiße Haus? Wer wird zukünftig die USA regieren und die Nachfolge Barack Obamas als Präsident der Vereinigten Staaten antreten?

Van de Laar: In den Umfragen liegt Clinton noch vor Trump . Allerdings scheint dieser Wahlkampf wie auf den Kopf gestellt. Noch vor sechs Monaten hat kaum jemand Trump eine Chance eingeräumt, auch nur einen einzigen Bundesstaat während der Vorwahlen zu gewinnen, geschweige denn die Nominierung. Von daher scheint erst einmal alles offen und möglich. Gleichzeitig hat sich Trump durch einige extreme Aussagen in Richtung Latinos, Afroamerikaner und Frauen bereits disqualifiziert. Trump müsste sieben von zehn weißen Männern für sich gewinnen — mehr noch als Mitt Romney im Jahre 2012. Trump konnte bisher genau in dieser Zielgruppe der weißen, älteren Männer punkten. „Swing-States“ wie Ohio, Florida und Pennsylvania, die in den vergangenen Jahren oftmals an Demokraten gingen, sind plötzlich in Reichweite für Trump. Ob Trump seinen Rückstand aufholen kann, hängt aus meiner Sicht von den folgenden zwei Punkten ab: Erstens, wie stark kann sich Trump in den nächsten fünf Monaten bis zum Wahltag im November repositionieren und von einigen der extremen Positionen bezüglich entscheidender Wählergruppen wie Afroamerikanern, Frauen und Latinos zurückrudern. Zweitens, auf welcher Skala beurteilen die Wählerinnen und Wähler Trump. Sehen sie und bewerten sie ihn als Entertainer oder als Politiker?

Wie sehen Sie den aktuellen Wahlkampf, im Vergleich zu denen, die Sie als Kampagnen- und Strategieberater miterlebt haben?

Van de Laar: Das Ausmaß der negativen Wahlkampf-Rhetorik im aktuellen Wahlkampf ist etwas, was ich so in dieser Form noch nicht erlebt habe. 2008 hatten wir den Slogan „Hope and Change“. Wenn ich mir jetzt Donald Trump anhöre, dann geht es ausschließlich darum, das Land zu spalten und den einen gegen den anderen auszuspielen . Allerdings wird Clintons Ton jetzt deutlich härter, wie ihre Rede in San Diego, California Anfang Juni zeigt. Trump sei als Präsident unvorbereitet und sein Temperament ungeeignet, ein Amt auszuführen, für das man Wissen, Stabilität und enorme Verantwortung brauche. Dass sie Trump für ihre Verhältnisse so direkt angeht, ist Teil einer neuen Taktik. Gleichzeitig ist abzuwarten ob diese Attacke Wirkung zeigt – Trumps republikanische Vorwahl-Kontrahenten haben sich mit dieser Herangehensweise die Zähne ausgebissen.

Trump hat vor kurzem in Washington die Eckpfeiler seiner außenpolitischen Ansichten skizziert — haben Sie etwas Überraschendes von Trump gehört?

Van de Laar: Als Trump vor Kurzem gefragt wurde, wer sein wichtigster außenpolitischer Berater sei, antwortete er: „Das bin ich selbst.“ Die amerikanischen Wählerinnen und Wähler müssen sich die Frage stellen: Wollen wir mit Clinton eine Präsidentin, die als Außenministerin eine zentrale Rolle in den entscheidenden geopolitischen Fragen unserer Zeit gespielt hat, oder ziehen wir es vor jemanden wie Trump im Oval Office zu haben, der außenpolitisch die selbe Herangehensweise an den Tag legt wie den Kauf und Verkauf von Immobilien: „Let’s make a Deal!“ In den letzten Wochen ist einmal mehr deutlich geworden, dass Trump außenpolitisch vollkommen unerfahren ist. Sein Zickzackkurs zwischen Isolationismus und Interventionismus spricht Bände. Vor kurzem hat er sich noch für eine Erweiterung der Nato ausgesprochen, gestern sagte er, dass die USA ihr Engagement in der Nato deutlich zurückfahren sollen. Trump wäre ein opportunistischer Deal-Maker, kein verlässlicher Partner.

Wie unterscheiden sich die beiden Kandidaten in ihren innenpolitischen Ansichten? Werden die Bürger der USA nicht eher danach entscheiden?

Van de Laar: Was beide Kandidaten im Vorwahlkampf gesagt haben, ist nicht zwangsläufig, das was im Hauptwahlkampf sagen, da Clinton dem progressiven und Trump dem konservativen Teil ihrer jeweiligen Parteien erreichen mussten. Was die Politikfelder betrifft, haben beide fundamental unterschiedliche Ansichten, insbesondere bezüglich der Einwanderungspolitik. Trump will „seine Mauer“ bauen, um Millionen mexikanische Einwanderer abzuschieben und propagiert damit noch deutlich drastischer Maßnahmen als es Mitt Romney 2012 tat. Clinton hingegen spricht von mehr Integration und Förderung des Zusammenhalts und der Gesundheitsvorsorge von Familien mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Außerdem stellte Sie eine Peruanerin als „Latino Outreach Director“ ein, die sich besonders um die Bedürfnisse und Anliegen der lateinameriknischen Community kümmern soll.

Sie haben in einem Interview mit der Tagesschau erwähnt, dass der Wahlkampf von Hillary Clinton bis zu 2.5 Milliarden Dollar verschlingen könnte. Welche Rolle spielt Geld im amerikanischen Wahlkampf? Und woher stammen die finanziellen Mittel für immer teurer werdende Wahlkämpfe?

Van de Laar: Der Präsidentschaftskandidat Paul Tsongas hat 1992 gesagt: „People don’t lose campaigns. They run out of money”. Auch heute heißt es noch oft, dass der amerikanische Wahlkampf in vielerlei Hinsicht vom Geld dominiert wird — „wer viel Geld ausgibt, der gewinnt die Wahl“. Doch obwohl der aktuelle Wahlkampf der teuerste der Geschichte werden könnte, zeigen Analysen, dass Geld eine untergeordnete Rolle spielt. Kein Republikaner hatte mehr Spendengelder zur Verfügung als Jeb Bush. Doch Iowa wurde für ihn zum Desaster. Jeb Bush investierte alleine in Iowa ca. 14 Millionen in Wahlwerbung. Das Resultat war ernüchternd: Am Wahltag erhielt Bush in Iowa lediglich 2,8% der Stimmen was ca. 5.000 Stimmen entspricht, bzw. $2.800 je Stimme. Donald Trump hingegen hat vor allem in der TV-Werbung, in die normalerweise der größte Teil des Budgets fließt, deutlich weniger ausgegeben, als seine Kontrahenten. Im Laufe seiner Kampagne hat Trump bereits zwei Milliarden Dollar an unbezahlter, medialer Aufmerksamkeit generiert – fast doppelt soviel wie Clinton mit $746 Millionen. Im letzten Monate erzielte Trump $400 Millionen in Earned Media – soviel wie Clinton und Cruz zusammen. Die Kampagnen finanzieren sich anders als in Deutschland nicht durch öffentliche Mittel sondern durch Spenden. Millionen von Online Spenden die direkt über die Webseite der Kandidaten eingesammelt werden spielen dabei eine enorme Rolle – die durchschnittliche Spende bei Bernie Sanders liegt beispielsweise bei lediglich 27 US Dollar. Ein erheblicher Teil wird aber auch von politischen Vorfeldorganisationen eingesammelt, sogenannten „Super PACs“ (Political Action Committees). So versuchte z.B. der Las Vegas Casino Mogul, Sheldon Adelson, die 2012 Wahl mit 100 Millionen Doller seines eigenen Geldes auf Seite der Republikaner zu beeinflussen.

Es verspricht auf jeden Fall ein spannender Wahlkampf zu werden. Wen wünschen Sie sich als Präsident?

Van de Laar: Hillary Clinton. Dennoch ist es sehr schade, dass Barack Obama nicht noch ein drittes Mal auf dem Stimmzettel stehen wird. Was mich an Obama am meisten beeindruckt ist, dass es ihm immer um die Sache an sich geht, nie um die Inszenierung oder den Glamour. Wenn ich mir anschaue, was er in den beiden Amtszeiten umgesetzt hat…

…was wäre das?

Van de Laar: Innenpolitisch stehen sicherlich die Einführung der Gesundheitsreform sowie die 14 Millionen neugeschaffenen Arbeitsplätze und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 50 Prozent im Vordergrund. Außenpolitisch sehen wir gerade die Öffnung der diplomatischen Beziehungen mit Kuba. Dazu kommen Atomverhandlungen mit dem Iran, die Kehrtwende vom Kurs seines Vorgängers George W. Bush im Irak und Afghanistan und ein klare Positionierung im Kampf gegen den Klimawandel — und, und, und…! Obama kann bereits jetzt auf zwei ausgesprochen produktive Amtszeiten zurückblicken, auch wenn es ihm noch nicht gelungen ist, eines seiner Wahlversprechen umzusetzen: Republikaner und Demokraten zu vereinen. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Die Herausforderungen, als Obama im Januar 2009 das Amt antrat, waren so gigantisch, dass er gerne noch acht Jahre weiter machen würde. Er ist, wie man in Amerika sagt, „100% mission driven“, also immer darauf aus, Probleme zu lösen. Und das kann man am besten aus dem Oval Office heraus machen.

Wird ihn das Volk am Ende dann doch vermissen, obwohl er so viele Jahre kritisiert wurde?

Van de Laar: Er könnte als einer der großen Präsidenten in die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika eingehen. Das werden viele Amerikaner aber wahrscheinlich erst in einigen Jahren realisieren.

 

 

 

 

Wahlkampf mit Tinder – Wie die Politik die Dating-App entdeckt

 

 

Die neue App-Funktion "Swipe the Vote" bei Tinder

Die neue App-Funktion „Swipe the Vote“ bei Tinder

To swipe or not to swipe

Bereits im März hat Tinder eine Funktion namens „Swipe the Vote“ ausprobiert, die Nutzern in den USA helfen sollte, ihre Meinung mit jener der US-Präsidentschaftskandidaten abzugleichen. Jetzt ist diese Funktion auch in Deutschland verfügbar.

 

Entscheiden kann man sich für oder gegen verschiedene vorgegebene politische Angelegenheiten

Entscheiden kann man sich für oder gegen verschiedene vorgegebene politische Angelegenheiten

Dabei wurden die typischen Wisch-Aussagen nach links (stimme nicht zu) oder rechts (stimme zu) genutzt, um am Ende mit dem passendsten Kandidaten „gematcht“ zu werden.

Trump oder Clinton- wer ist Dein Match?

Trump oder Clinton- wer ist Dein Match?

 

 

It´s a match!

It´s a match!

 

It´s a match!

Jeden Tag sind auf Tinder, der Dating- App, über 50 Millionen User unterwegs, um bis zu 1.6 Milliarden Profile “durchzuwischen“. Die App hat dabei schon längst das Interesse der Marketing-Szene geweckt. Sixt und Domino’s Pizza warben beispielsweise schon auf der Plattform im Guerilla-Stil, obwohl offizielle Werbeflächen für die App nicht angeboten werden

 

Die Zahlen

Tinder gewinnt durch seine geniale Einfachheit des „recht und links -Wischens“ nun immer stärker die Herzen der Werbemacher. Statt ein Single-Profil zur Schau zur stellen, erstellt der Marketer ganz klar ein Profil für ein Produkt oder Service. Denn die Zahlen sind verlockend: Theoretisch könnten 50 Millionen User weltweit das Produkt zu Gesicht bekommen und so lange anschauen müssen, bis sie sich entschieden haben, ob sie es nach rechts oder links schieben. Auch das Argument der Zielgruppe spricht für sich: 85% der Tinder- User sind zwischen 18 und 34, eine interessante Zielgruppe für Marketing, durch Tinder könnten sich Kampagnenstrategen zu diesen „Millenials“ einen direkten Zugang verschafften.

 

Tinder für  Werbekampagnen

 

Die Tinder Kampagne von Domino's Pizza

Die Tinder Kampagne von Domino’s Pizza

 

Zunächst gibt es noch nicht allzu viele Unternehmen, die auf Tinder werben, daher ist die Toleranz, sich mit einem Werbeprofil auseinanderzusetzen noch recht hoch. Außerdem ist die Plattform des Fake-Profils eine gute Strategie, sich für einen Moment die ungeteilte Aufmerksamkeit des Users auf dem vollen mobilen Bildschirm zu sichern- dieser kann erst nach dem rechts oder links wischen, die Ansicht beenden.

So ist die Informationsaufnahme fokussierter, als bei allen anderen großen Plattformen. Werbung Mit einem smarten Ansatz hat Domino´s Pizza UK passend zum Valentinstag eine Offensive gestartet. Getreu dem Motto „Unsere Pizza gibt dir keinen Korb“ soll die Kampagne über 230.000 Tinder-User erreicht haben. Die Marke lockte Tinder User mit Pizza-Gutscheinne, wenn diese rechts wischten. Ausgewählte Unterhaltungen mit den Usern wurden außerdem mit Vergünstigungen belohnt. Mit über 700 Matches und einer potenziellen sozialen Reichweite von mehr als 200,000 Usern war dies eine äußerst erfolgreiche Kampagne. Der Grund für den Erfolg und die gute Annahme der offensichtlichen Werbeaktion lag im perfekt ausgenutzten Momentum: Der Inhalt der Domino´s Kampagne passte Thematisch 1:1 auf den Valentinstag, außerdem war das Profilbild klar und der Sinn dahinter eindeutig gewählt- der eindeutige call to action hielt außerdem eine Belohnung für die User bereit-  die Entscheidung, nach rechts zu wischen, fiel daher entsprechend leicht.

 

Die Tinder-Kampagne von Sixt

Die Tinder-Kampagne von Sixt

 

In Deutschland war Sixt eines der ersten Unternehmen, das sich an die App Tinder gewagt hat. Ende 2014 lancierte das Unternehmen den Aufruf „Abschleppdienst“ auf Tinder. Der Autovermieter ist schon bekannt für seine kreativen und oftmals gewagten Werbebotschaften im Netz. Hierbei hat sich das Unternehmen doch noch selber unterboten: In München und Umgebung lud das Unternehmen ein Fake-Profil einer blonden Mitarbeiterin hoch, die mit eindeutig flachem Wortwitz die App-Benutzer auf die Dienste der Autovermietung aufmerksam machen sollte. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

 

„Tindern“ für NGOS

 

Die Tinder-Kampagne von Amnesty

Die Tinder-Kampagne von Amnesty

 

Neben diesen reinen Produktkampagnen, gibt es auch ernsthafte Offensiven auf Tinder. Social Media ist ein demokratisierend wirkendes Werkzeug, dass helfen kann, bewegende Botschaften zu triggern und so Menschen von wichtigen Inhalten zu überzeugen. Gerade für NGOS ist es oftmals schwierig, mit knappen Budget eine große Social Media-Kampagne hochzufahren, und großen Konkurrenten entgegenzustehen. Dennoch sind die sozialen Netzwerke essentiell, um Botschaften zu generieren, Unterstützer zu mobilisieren und die eigene Reichweite und den Einfluss zu erhöhen. Genau deswegen ist es wichtig, den Blick über Facebook und Twitter zu weiten, und sich auf die kleineren Plattformen zu konzentrieren. Nischen Plattformen wie Instagram, Pinterest und eben Tinder können hier communities mobilisieren, die genau empfänglich für den Kern des call-to-action der Kampagne sind. So haben zum Beispiel Amnesty International Australia oder auch die Einwanderungsbehörde von Irland die Dating-App enutzt um in Australien auf das Thema Zwangsheirat aufmerksam zu machen und in Irland auf Menschenhandel hinzuweisen. Bei beiden Aktionen wird davon ausgegangen, dass es sich um offizielle Kooperationen handelt, die in Zusammenarbeit mit Tinder entstanden sind – im Gegensatz zu den Guerilla-Aktionen von Sixt oder Domino’s UK.

 

 

Die Tinder Kampagne der Einwanderungsbehörde Irlands

Die Tinder Kampagne der Einwanderungsbehörde Irlands

 

Tinder Kampganen müssen nicht immer anzüglich und oberflächlich sein: Amnesty International beweist, was es bedeutet, für ein wichtiges soziales Thema zu sensibiliseren und über die Dating-App zu enttabuisieren und informieren. Das Thema Zwangsheirat als Kampagne auf Tinder zu launchen ist mutig genug- aber auch hier haben sich die Kampagnenstrategen genauestens ein Momentum überlegt: das alles wurde am International Women’s Day initieert. Profilbilder wurden hierfür mit herunterzuladenden Bildern ersetzt, die aufzeigten, dass unterdrückte Frauen weltweit nicht die gleiche Change haben, ein selbstbestimmtes Lebens zu führen und die Entscheidungen zu treffen, die für uns natürlich gegeben scheinen. Sei es ein lapidares Wischen nach rechts oder links. Die Einwanderungsbehörde von Irland hingegen, benutze Tinder, um auf die 2,4 Millionen Opfer von Menschenhandel weltweit aufmerksam zu machen. Die App-User konnten auf dem Profil eine Bilderserie anschauen, auf der eine Frau optisch zunehmend misshandelter aussah. Danach kam der claim: Deine Optionen sind rechts oder links, die Frauen, die in Irland zur Prostitution gezwungen werden, haben keine. Wichtig jedoch ist, dass ein Kampagne, die mit Tinder werben möchte, in den Context der App passt- Amnesty Internationals Kampagne stellt genau die Verbindung her zwischen den Tinder-Usern, die aus einer Fülle an Angebot ihr Date wählen können, im Vergleich zum negierten Recht vieler Frauen und Mädchen auf dieser Welt, eine Entscheidung bezüglich ihres Liebeslebens überhaupt treffen zu dürfen.

 

 

Tinder wird zum Wahlomat

 

Make Tinder great again?

Make Tinder great again?

 

Beim Online-Wahlkampf geht es insbesondere darum, in jene Netzwerke zu gehen, in denen sich die Zielgruppe vorzugsweise aufhält. Glücklicherweise hat Tinder nun offiziell gemacht, ein Feature bereit zu stellen, dass Usern helfen soll, die Entscheidung zu erleichtern, für welchen Kandidaten sie beim US-Wahlkampf stimmen werden, Das neue Feature soll eine Art Videokarten bereitstellen, die auftauchen, während mal durch die App wischt, und die jede für sich ein unterschiedlichen Themengebiet der Parteiprogramme und zusätzliche Information generieren. So sollen sie auf einfach Weise mit einer Wischgeste nach links oder rechts ihre Einstellung zu den Thematiken zeigen. Wenn alle Themenkarten bearbeitet wurden, zeigt Tinder ihnen, welcher Kandidat am besten ihrer politischen Einstellungen entspricht. Das Unternehmen hat sich für dieses Feature von den eigenen Usern inspiriere
n lassen: Die App wird im Rahmen der US-elections immer öfter auch dazu benutzt, politische Einstellungen mit den Matches zu teilen. So wurden vor Kurzen sogar zwei Frauen gesperrt, weil sie zu viele befürwortende Kampagnenbotschaften für den Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders schickten.

 

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Europäische Beispiele für Tinder-Wahlkampf gibt es bereits bei den NEOS – einer jungen wirtschaftsliberalen Partei aus Österreich,beim Schweizer Nationalrat für die Grünen, bei einer Kandidatin aus den Niederlanden im Europawahlkampf 2014 und einer Bürgermeisterkandidatin aus Spanien

 

Facebook Werbung für NGOs – in 7 Schritten zur Kampagne

 

Facebook ist eine der effizientesten Werbe-Plattformen und mit rund 1,44 Milliarden Nutzern einer der wichtigsten Kommunikationskanäle unserer Zeit. Doch viele unterschätzen das Netz an seinen Werbe- und Targeting-Möglichkeiten, das Facebook auch für die eigene Kampagne bereithält.

Wie man eine Anzeige baut,die optimal gestaltet ist und die eigene Seite voranbringt, zeigen wir an 7 einfachen Schritten:

Die Schritte 1- 4

Die Schritte 1- 4


 

 

Schritt 1: Seite hervorheben

Bevor eine Anzeige überhaupt online geht, geht es zunächst darum, die Voreinstellungen über die „Beitrag bewerben“-Funktion, auf die Facebook bei gut laufenden Beiträgen automatisch verweist, zu umgehen. Für eine personalisierte Anzeige geht man daher über den Werbeanzeigen-Manager über das Profil der eigenen Facebook-Page. Man klickt dafür einfach auf „Hervorheben“ und wählt dann den untersten Reiter „zum Werbeanzeigen-Manager“.

 

 Seite hervorheben

Seite hervorheben

 

Schritt 2: Feststecken des Kampagnenziels

Nachdem wir über den Werbeanzeiger in den Anzeigenmodels gegangen sind,werden wir nun weitergeleitet, um zu entscheiden, welches Ziel unsere Kampagne erfüllen soll. Von den insgesamt 11 Werbeformaten muss nun bestimmt werden, welche Vorlage effektiv ist, daher ist es wichtig zu wissen, ob man beispielsweise eine Steigerung von App-Downloads oder aber eine Reichweitenerhöhung generieren will. Je konkreter der Plan, desto einfacher wird die Auswahl.

 

 

Feststecken des Kampagnenziels

Feststecken des Kampagnenziels

 

 

 

Schritt 3: Erstellung eines Werbekontos

Private Konten können leider keine Anzeigen schalten, daher muss man sich ein Werbefoto erstellen, auf dem lediglich das Land bestätigt wird, aus dem man kommst, die Währung, mit der man bezahlen möchte, und die Zeitzone, in der man sich befindet.

 

Erstellung eines Werbekontos

Erstellung eines Werbekontos

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schritte 5-7

Schritte 5-7

 

Schritt 4: Zielgruppe auswählen

Nun kommen wir zum wichtigsten Punkt der Kampagnenplanung: die Zielgruppenbestimmung. Diese sollte ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, denn unser Call to action soll möglichst zielführend sein.

Nachdem wir oben die Facebook-Seite ausgewählt haben, für die wir Campaignen möchten, kann man nun durch verschiedene Kriterien die Zielgruppe eingrenzen. Hierbei ist es wichtig, seine Zielgruppe genau zu kennen, damit man die richtigen Eingrenzungen findet- aber nicht zu stark limitiert targetet. Die Balance ist hier wichtig. Vor allem die Kategorien „Standort“ ,„Alter“ , “Geschlecht“ und „Sprachen“ sind essenziell.

 

Zielgruppe auswählen

Zielgruppe auswählen

 

Zum Abgleich könnt ihr eure Einstellungen auf der rechten Seite im Barometer, verfolgen- dieses zeigt an, wie viele potenzielle Menschen du mit deiner Kampagne erreichst. Unterhalb des Anzeigers findest du alle Einstellungen, die du bislang für deine Anzeige getroffen hast.

 

Schritt 5: Budget und Zeitraum

Man sollte sich im Vorhinein gut überlegen, wie viel Budget einem der Aufwand einer Facebook- Kampagne wert ist. Außerdem sollte man bezüglich des Zeitraums der Finanzierung investieren, solange der ROI positiv ist und nicht bestimmte Zeiträume künstlich für sich festlegen.

Im Reiter „Erweiterte Optionen anzeigen“, kann man dann auch beispielsweise angeben, ob man für ausgelieferte Ad Impressions (TKP) oder nur für tatsächliche Call-to-actions (zum Beispiel den Like) zahlen möchte.

 

 

Budget und Zeitraum

Budget und Zeitraum

 

Das macht einen großen Unterschied – daher will die Kampagne gut geplant sein!

 

 

Schritt 6: Gestaltung der Kampagne

Nun haben wir das Ziel fast erreicht. Jetzt geht es um das Design: Wollen wir ein Bild, eine Slideshow oder ein Video für unsere Kampagne und welcher Text soll unsere Botschaft unterstützen?

Gestaltung der Kampagne

Gestaltung der Kampagne

 

Außerdem können wir entscheiden, in welchen Umfeldern die Kampagne erscheinen soll (Mobile, im Newsfeed des Desktops, oder auf dem Desktop in der Randspalte). Ist die Seite, auf die unsere Anzeige führt nicht mobil-optimiert, sollte man die mobilen Endgeräte ausschließen. Wie man mobile Websites optimiert, um Conversion zu steinern, kannst du hier in unserem Blogpost nachlesen. Nun heißt es, alle Angaben nochmals zu überprüfen – wenn keine Fehler zu finden sind und nichts vergessen wurde, geht es zu:

 

Schritt 7: Zahlungsmethode wählen und abschicken

Nun musst du nur noch deine favorisierte Zahlungsmethode auswählen und auf die Freischaltung der Anzeige durch Facebook warten. Das erfordert manchmal ein bisschen Geduld- die Auswertung der Kampagne in den nächsten Tagen zeigt nun, wie gut diese performed hat und was man für die nächste Kampagne noch optimieren sollte!

 

And last but not least:

Have Fun!

Have Fun!

404 Error- Campaigning mit kreativen Fehlerseiten

Jeder kennt es: Man gibt eine falsche Web-Adresse in den Browser ein oder klickt auf einen Link, der nicht mehr existiert, und man bekommt eine 404-Fehlerseite angezeigt. Diese sind meist nicht sonderlich erinnerungswürdig oder attraktiv und man geht schnell wieder über sie hinweg.

Doch das ist nicht immer so.

Wie wir zunehmend im US-Wahlkampf beobachten können, werden dort 404-Seiten genutzt, um ein wenig Spaß zu haben und sich von der Masse zu unterscheiden- und so das Campaigning anzutreiben. Gute und kreative 404-Seiten können Besucher auf politischen Websites weiterhin auf der Seite halten und dazu bringen, sich trotz des Fehlers umzusehen, und sich eventuell sogar so positiv überzeugen zu lassen.

In jedem Fall ist es eine gute Möglichkeit, statt einer verstaubten Webpräsenz mal ein bisschen Persönlichkeit zu zeigen. Daher stellen wir heute eine Auswahl der kreativsten politischen 404-Fehlerseiten des Webs vor.

Hillary Clinton 404 Seite

Hillary Clinton 404 Seite

Vor allem Hillary Clinton überrascht uns, indem sie sich selber auf den Arm nimmt. Geschickt nutzt die demokratische Präsidentschaftskandidaten ihren  „New York Subway- Fauxpas“ um ihre 404-Fehlerseite anzupassen (Diese könnte ihr hier sehen).

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Auch  Bernie Sanders hat eine sympathische Nachricht für all diejenigen, die auf der Fehlerseite gelandet sind.

Doch auch wenn uns nicht überrascht, dass US- amerikanische Präsidentschaftskandidaten sich in Social Media zugänglicher präsentieren, als ihre deutschen Kollegen, so trifft bei Weitem nicht jeder den Nerv zwischen Authentizität und Kampagnenstrategie:

So bleibt Ted Cruz 404- Fehlerseite mehr als fragwürdig …

 

 

Ted Cruz Fehlerseite

Ted Cruz Fehlerseite

 

…und auch Kasichs Mobilisierung-Strategie will nicht so ganz den humoristischen Ton treffen , den es bräuchte um  die gewünschte Wirkung zu erzielen.

 

Kasichs Fehlerseite

Kasichs Fehlerseite

Es sei Ihnen beiden dennoch zugestanden, dass sie es im Gegensatz zu Donald Trump wenigstens versucht haben.

Trumps Fehlerseite

Trumps Fehlerseite

Looks like someone needs to make his 404 page great again!?

 Leider nicht überzeugend.

Wer allerdings erneut beweist, dass er verstanden hat, Social Media geschickt zu nutzen und seine Kampagne mit Leichtigkeitzu unterstreichen, ist der noch amtierende US- Präsident Barack Obama.

 

 

Obamas Fehlerseite

Obamas Fehlerseite

Manchmal reicht ein einfaches GIF, um ein perfektes Beispiel für digitales Campaigning zu setzten, von dem sich unsere deutschen Parteien gerne mal etwas abschauen dürften:

 

 

Die Fehlerseite der FDP

Die Fehlerseite der FDP

 

Die Fehlerseite der CDU

Die Fehlerseite der CDU


Die Fehlerseite der SPD

Die Fehlerseite der SPD

 

Die Fehlerseite der Grünen

Die Fehlerseite der Grünen

 

 

Und Last but not Least- die „kreativste“ 404-Fehlerseite unter den Webpräsenzen der deutschen Parteien, die AfD Fehler-Meldeseite

 

 

Die AfD Fehlerseite

Die AfD Fehlerseite


 

Conversion-Optimierung von mobilen Webseiten: Responsive Website, Mobile Website und Native App

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Die mobile Nutzung nimmt beständig zu

Warum mobile Websites mehr sein sollten als eine Website auf einem kleineren Endgerät

Die Anzahl derer, die das Internet in Deutschland täglich nutzen, ist 2015 um 3,5 auf 44,5 Millionen (63%) gestiegen. Zugenommen hat auch die Mobile Nutzung: mittlerweile greifen 30,7 Millionen (55%) unterwegs auf Netzinhalte zu, das sind 3,2 Millionen (+5%-Punkte) mehr als im Vorjahr. Den ersten Schritt zu einer Kaufentscheidung machen 46 Prozent der Interntetnutzer auf ihrem Smartphone oder Tablet. Offensichtlich will die Optimierung für die mobile Zielgruppe jedoch gelernt sein. Daher haben wir hier zusammengefasst, was bei der Conversion-Optimierung von mobilen Webseiten wichtig ist.

Die wenigsten Websites und Online-Shops gehen gut genug auf diese Entwicklung ein. Durch eine geringere Bildschirmgröße gibt es folglich kaum den Raum für eine komplexe Menüführung und großformatige Inhalte, sodass sich die Optik klassischer Webseiten oftmals nicht optimal darstellen lässt.

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Gelungene mobile Websites können das Kaufverhalten enorm steigern

Mobile Websites sind häufig nicht auf mobile Nutzung und damit auch den damit verbundenen Umsatz vorbereitet, Besucher haben auf kleinen Bildschirmen mit kaum lesbaren Schriftgrößen und nicht anklickbaren Links zu kämpfen und müssen sich permanent raus- und hereinzoomen, um die Website auch nur halbwegs nutzen zu können. Hohe Abbruchraten und Frustration sind hier das Ergebnis. Wer auf der Seite des Konkurrenten mit einem Klick kaufen kann oder sogar eine eigens konzipierte App für die häufigsten mobile- Anwendungen herunterladen kann, der wird eher früher als später wechseln.

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Amazon hat mit seiner 1-Click Buy Option verstanden, es für den mobilen User einfacher zu machen und so zur Kaufentscheidung beizutragen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Bahn bietet einen Schnellzugriff auf die häufigsten mobile- Anwendungen wie Auskunft über Pünktlichkeit oder Verbindungssuche

 

Mobile Optimierung: Responsive, Mobile Websites oder Native App?

Für die Optimierung der eigenen Website auf mobile Anwendungen gibt es mehrere Möglichkeiten:

Responsive Website: Eine responsive Website erkennt unterschiedliche Bildschirmgrößen (Smartphone, iPad etc.) automatisch und passt Aufbau und Design selbstständig der verfügbaren Umgebung an an. Beim Responsive Webdesign wird nur eine einzige Version der Website erstellt. Besonders sichtbar wird dies beim Layout, das sich nach Breite des Browser-Fensters entsprechend verändert. Die Entscheidung für ein responsives Webdesign oder nur ein separates mobiles Template hängen vom Sinn und Zweck der Website ab.

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So sollte man eine mobile Website gestalten

Mobile Website: Eine mobile Website ist eine separat erstellte Website, die speziell für die Nutzung auf mobilen Endgeräten ausgerichtet ist. Dazu gehört vor allem die Anpassung auf die geringe Bildschirmgröße. Mobile Webseiten werden wie eine gewöhnliche Webseite über einen Webbrowser aufgerufen. Wird die dazugehörige Desktopseite mit einem Mobilgerät aufgerufen, wird das mobile Endgerät automatisch erkannt und der Nutzer zur mobilen Version weitergeleitet.

Native App: Anstelle einer optimierten Website kann auch eine native App entwickelt werden, eine Anwendung, die vom Nutzer in einem App Store heruntergeladen und auf dem mobilen Gerät installiert wird. Diese kann zB. auf ein bestimmtes Betriebssytem hin programmiert sein und läuft dann nur auf diesem Endgerät, da Ihr Erscheinungsbild in der Regel der Benutzeroberfläche des jeweiligen Mobilgerätes angepasst ist.

 

Doch was sind nun die Vor- und Nachteile der jeweiligen Websites? Responsive Seiten sind sicherlich flexibler als andere Formate, dies ist vor allem bezüglich zukünftigen Veränderungen (sich immer wieder verändernde Bildschirmbreiten). Zudem sind sie leichter zu betreuen, da Veränderungen nur einmal ausgeführt werden müssen und nicht wie bei der mobilen Website komplett separat. Auch aus der SEO- Perspektive bietet sich ein entscheidender Vorteil, da die Verbreitung allein durch die beständige URL gesichert ist, unabhängig von welchem Gerät darauf zugegriffen wird. Mobile Websites können hingegen dann sinnvoll sein, wenn für die mobile Nutzung irrelevante Inhalte herausgefiltert und gezielt nur eine Auswahl von Funktionen angeboten werden soll. All diese Inhalte laden bei einer Responsive Website im Hintergrund mit, auch wenn sie gar nicht auf dem mobilen Gerät angezeigt werden. Dies kann besonders unterwegs mit langsamer Internetverbindung ein nicht zu übersehender Nachteil sein.

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Responsive vs. adaptive Layout

Native Apps eignen sich besonders gut für schnell zu erledigende Vorgänge wie einen Produktkauf und können zusätzlich auf integrierte Funktionen des Endgeräts zurückgreifen. Sind also reichhaltige Anwendungen das Ziel, die z.B. auf die Kamera, die Ortungsdaten, Adressbuch oder Kalender zugreifen sollen, ist eine native App die richtige Wahl.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, wie das eigene Angebot zu optimieren ist, sollten folglich zunächst die Bedürfnisse und der Nutzungskontext der Zielgruppe genau analysiert, Inhalt und Zweck des eigenen Onlineangebots definiert, die eigenen Ressourcen ermittelt und ggfs. Marketingaspekte wie SEO mit einbezogen werden, um darauf aufbauend die passende Methode auszuwählen.

 

 

Donald Trump hat die Gesetze des US-Wahlkampfs bisher völlig außer Kraft gesetzt #NewYorkPrimary

The Empire Strikes Back: Hillary Clinton und Donald Trump gewinnen die Vorwahlen im US Bundesstaat New York. Julius van de Laar, Kampagnenstratege und Mitgründer der CAMPAIGNING ACADEMY BERLIN analysiert den Vorwahlkampf im ARD Morgenmagazin.

Hintergründe zur Verteilung der Delegierten vor den Parteitagen in Cleveland und Philadelphia

Earned Media im US-Wahlkampf oder, wie Trump mit 10% Budget alle anderen Kandidaten schlägt

Trump hat bereits 2 Milliarden$$ an EarnedMedia generiert… Klick um zu Tweeten

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Wie Donald Trump eine Vorwahl nach der anderen für sich entscheiden konnte- mit einem der kleinsten Wahlkampfbudgets

Häufig heißt es: „Wer viel Geld ausgibt, gewinnt die Wahl. “ Obwohl der aktuelle Wahlkampf der teuerste der Geschichte werden könnte, zeigt die Analyse eindeutig, dass Geld eine untergeordnete Rolle spielt.

Kein Republikaner hatte mehr Zugang zu Spendengeldern und dem politischen Establishment als Jeb Bush. Doch Iowa wurde für ihn zum Desaster. Von den insgesamt 70 Millionen Dollar die in Iowa in diesem Vorwahlkampf ausgegeben wurden, investierte Jeb Bush ca. 14 Millionen in seine Kampagne. Das Resultat war ernüchternd: Am Wahltag erhielt Bush lediglich 2,8% der Stimmen in Iowa. Runtergebrochen auf $ je Wählerstimme wären dies 2,800 $ je Stimme (siehe Grafik links).

Donald Trump hat vor allem in der TV-Werbung, in die normalerweise der größte Teil des Budget fließt, deutlich weniger ausgegeben, als seine Kontrahenten.
Kosten Wahlkampf USA 2016

Trump profitiert vor allem von Earned Media: Nachrichten und Kommentare über seine Kampagne im Fernsehen, in Zeitungen und Magazinen, sowie Social Media.

Im Laufe seiner Kampagne hat Trump bereits 2 Milliarden$$ an unbezahlter, medialer Aufmerksamkeit generiert, das macht annähernd das Doppelte von dem, was die teuersten Kampagnen aller Zeiten insgesamt ausgemacht haben. Außerdem ist es fast zweimal soviel wie Clinton mit ihren $746 Millionen an earned media für sich gewonnen hat.  (siehe Grafik unten). Allein im letzten Monat waren es  $400 Millionen – soviel wie Clinton und Cruz zusamen und ungefähr soviel wie John McCain 2008 während seiner ganzen Kampagne ausgegeben Bildschirmfoto 2016-03-21 um 11.39.56haben.

Die Schlacht um das weiße Haus: Zu Beginn des Vorwahlkampfes ging es bei den Republikaner und Demokraten in den Bundesstaaten Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina  vorwiegend um das „Momentum“ und den Narrativ in den Medien. Doch spätestens seit dem Super Tuesday dreht sich alles um die Delegierten, die erforderlich sind, um die Nominierung der eigenen Partei zu erhalten. Spoiler Alert: Es scheint alles auf ein Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hinauszulaufen.

Auf der Demokratischen Seite hat Hillary Clinton bereits einen beachtlichen Vorsprung gegenüber Bernie Sanders angehäuft, der rechnerisch kaum aufzuholen ist (Clinton liegt mit 1,681 Delegierten, inkl. 467 Superdeligierte deutlich vor Sanders, der 927 inkl. 26 Superdelegierten angehäuft hat).

Bei den Republikanern sind 1.237 Stimmen nötig, um als Kandidat der Republikaner nominiert zu werden. Momentan sind noch drei Bewerber im Rennen. Trump, der bisher 739 Delegierte für sich gewonnen hat, gefolgt von Ted Cruz mit 465 und mit einem überraschenden Sieg in Ohio letzte Woche- John Kasich nun mit 143 Stimmen.  Spannend wird es, wenn es Trump nicht gelingen sollte die 1.237 Delegiertenstimmen vor dem Parteitag in Cleveland zu erhalten. Dann kommt es zu einer sogenannten „Brokered-Convention“.

Die bisherigen Ergebnisse können den Verlauf des Präsidentschaftswahlkampfs bereits entscheidend abzeichnen. Das lässt darauf schließen,dass dies einer der härtesten Wahlkämpfe aller Zeiten werden könnte!

„Eine der größten Herausforderungen ist nach wie vor die immer weiter steigende Geschwindigkeit.“

Der Erfolgsfaktor für eine Kampagnen ist ein brillantes Team @AufrundenBitte im Interview mit… Klick um zu Tweeten

Deutschland rundet auf ist Deutschlands größte Spendenbewegung nach Einzelspenden. Für die Startkampagne gewann die Bewegung den silbernen Effie, die PR-Kampagne zur Woche des Aufrundens wurde mit dem Internationalen Deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Kirsten Altenhoff leitet die Kommunikation der Spendenbewegung und sprach mit der Campaigning Academy im Interview:

 

Campaigning Academy Berlin: Beim Bundesverband deutscher Pressesprecher habt ihr viel mit Kampagnen und Kommunikationsstrategien zu tun- wie nimmst du Innovationen in Deiner Branche wahr?

Kirsten Altenhoff: Die Kommunikationsbranche nimmt insgesamtBildschirmfoto 2016-03-18 um 15.56.11 Fahrt auf. Die Bedeutung der PR für Unternehmen hat stark zugenommen. CSR, Public Affairs und langfristige Strategien zur Steigerung von Glaubwürdigkeit und Akzeptanz werden für den Unternehmenserfolg immer relevanter,
gleichzeitig wird die Medienwelt immer komplexer. Hierdurch steigen Innovationsmöglichkeiten und -bedarf. Corporate Publishing, Storytelling, Social Media-Kampagen – der klassische Pressesprecher hat ausgedient.

CAB: Wenn Du mit Deinen Kolleginnen und Kollegen sprichst – Wo siehst Du die größten Herausforderungen in der täglichen Arbeit von Kommunikationsmanagern?

K.A.: Eine der größten Herausforderungen ist nach wie vor die immer weiter steigende Geschwindigkeit. Pressestellen und Social Media-Abteilungen müssen Tag und Nacht besetzt sein. Eine Interviewanfrage kann oft nicht länger als wenige Stunden warten, auch Social Media-Shitstorms nehmen keine Rücksicht auf Arbeitszeiten. Dieser zeitliche Druck erhöht sich bei kritischen Themen noch mehr, so dass sich Kommunikationsbereiche wie ein Themenradar aufstellen müssen.

CAB: Data-Driven Campaigning Big Data ist in aller Munde. Wird lediglich darüber gesprochen oder ist es bereits voll im Einsatz? Woran liegt es bei denjenigen, die bisher lediglich darüber sprechen, es aber nicht umsetzen?

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K.A.: Big Data ist in Deutschland bislang hauptsächlich ein Marketingthema. Die PR hält sich noch zurück und muss sich stärker mit der allgemeinen Skepsis zum Datenmissbrauch beschäftigen, sensibler damit umgehen – schließlich geht es um Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.

 

CAB: Was sind Deine Top 3 Erfolgsfaktoren für effektive Kampagnen?

K.A.: Ein brillantes Team ist der allerwichtigste Faktor! Darüber hinaus sollten Idee und Umsetzung einfach und klar, aber dennoch innovativ sein. Und es hilft, immer mal wieder den Kopf auszuschalten und sich wirklich einzufühlen. Wir möchten Emotionen wecken und das erreicht man nicht ausschließlich über den Intellekt.

Shitstorms nehmen keine Rücksicht auf Arbeitszeiten – Kirsten Altenhoff von @AufrundenBitte im… Klick um zu Tweeten

Kirsten Altenhoff leitet die Kommunikation der Spendenbewegung DEUTSCHLAND RUNDET AUF.

Die Kommunikationswissenschaftlerin
startete als PR- und Marketingberaterin
für führende Konsumgütermarken.
Anschließend wechselte Kirsten Altenhoff
als Leiterin Handelsmarketing zu Payback.
Zuletzt verantwortete sie den
kommunikativen Aufbau der
Bildungsinitiative Teach First
Deutschland.
 
DEUTSCHLAND RUNDET AUF

Der Meinungssturm als taktisches Kampagnenmittel

Der Meinungssturm als taktisches Kampagnenmittel

 Shitstorm versus Meinungssturm – 

Beleidigungen, Beschimpfungen und krude Thesen, das alles sind Merkmale von sogenannten Shitstorms. Für ZDFinfo produzierte Daniela Agostini die Dokumentation „Shitstorm – und plötzlich hasst dich die ganze Welt“ . Die Dokumentation geht der der Frage nach: Was passiert mit den Betroffenen, wenn eine Hasswelle über sie hereinbricht? Wie entstehen diese digitalen Feldzüge? Und wann lässt sich überhaupt von einem Shitstorm sprechen? Für die Dokumentation wurde auch Volker Gaßner zur Nestlé-Kampagne von Greenpeace interviewt. Er beschreibt, warum er einen Meinungssturm für Verbraucherkampagnen für sinnvoll, einen Shitstorm dagegen für kontraproduktiv hält.

Der Meinungssturm

Ein Meinungssturm bündelt die berechtigte Kritik von Konsumenten an einem Produkt oder der Politik eines Unternehmens und soll dabei helfen, ein Problem wieder ins Blickfeld eines Konzerns zu rücken. Dadurch kann er zu einem wertvollen taktischen Element einer Kampagne werden.

Der Meinungssturm ist ein legitimes und demokratisches Mittel, um im Rahmen einer Kampagne für einen begrenzten Zeitraum die Aufmerksamkeit eines Gegners auf ein bestehendes, aber ungelöstes Problem zu lenken. Er ist vor allem ein Versuch und ein Angebot, wieder in einen lösungsorientierten Dialog zu treten. Organisationen haben oft nur sehr kurze Aufmerksamkeitsmomente im Web. Diese gilt es gezielt und effektiv zu nutzen.

Im Fall der KitKat-Kampagne von Greenpeace nutzten die kritischen Verbraucher die Social Media-Kanäle des Schweizer Schokoladenherstellers Nestlé, um einen kritischen Dialog zu starten und gegen die Produktionsbedingungen der KitKat-Riegel zu protestieren. Mit dem gezielten „Kidnapping“ fremder Communities, lässt sich die Kommunikationshoheit auf den Fan-Seiten von Unternehmen für einen begrenzten Zeitraum übernehmen. Das ist der Moment, der für die meisten Unternehmen sehr unangenehm ist, denn Aktivisten können so direkt ihre Fans oder Follower ihrer Marken ansprechen. Im Fall von Nestlé waren 2010 immerhin schon über 600.000 Fans auf Facebook.

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Berechtigte Kritik statt Diffamierung

Die Auslöser eines Meinungssturms sollten allerdings darauf achten. dass der Meinungssturm nicht zu einem „Shitstorm“ mutiert, d.h. der Dialog nicht zu weit von der inhaltlichen Dimension der Diskussion abschweift. Wenn der Ton zu sehr an Schärfe gewinnt und der Dialog von einigen Diskutanten auf unangemessene (z.B. diffamierende) Weise geführt wird, kann dies für NGOs kontraproduktiv sein, da es die eigentliche Kritik gewissermaßen diskreditiert. Die mediale Wahrnehmung kann umschlagen und sich gegen die berechtigte Kritik wenden, weil die Kommunikationsform als unangemessen bewertet wird. Ein Meinungssturm sollte vom Auslöser aktiv begleitet und moderiert werden. Das Ziel ist es schließlich in einen Dialog zu treten.

Was unterscheidet einen Meinungssturm von einem Shitstorm? 

Das Wort Shitstorm wurde vor allem durch Sascha Lobo, Web-Vordenker und Blogger, in Deutschland bekannt und populär. Der Shitstorm bezeichnet eine unvorhergesehene, anhaltende, über soziale Netzwerke und Blogs transportierte Welle der Entrüstung über das Verhalten öffentlicher Personen oder Institutionen, die sich schnell verselbstständigt und vom sachlichen Kern entfernt und häufig auch in die traditionellen Medien hinüber schwappt“ (Jury Angliszismus des Jahres 2011). Entscheidend ist hier der zweite Teil des Satzes: „…und vom sachlichen Kern entfernt“. Der Shitstorm hat also keine inhaltliche Relevanz mehr, sondern es geht nur noch um die Attacke als solche. Sascha Lobo ging 2010 sogar so weit, dass er Konzernen augenzwinkernd geraten hat, bei Bedarf Shitstorms selbst durch heftiges Kommentieren auszulösen, und so die echte Kritik verdrängt wird (re:publica 2010).

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Juristische Mittel verstärken Meinungsstürme

Diesen Ratschlag scheinen sich einige Konzernlenker, Juristen und Agenturen für ihr Krisenmanagement zu Herzen genommen zu haben. Tatsächlich passiert es fast wöchentlich, dass sobald eine gebündelte Kritik an einem Ort entsteht, diese fast Reflexartig als Shitstorm abgestempelt wird. In Konfliktfällen ziehen die Kommunikationsverantwortlichen oft die Notbremse – sie schalten ihre Facebookseite blind oder die Kommentarfunktionen in ihrem Blog ab. Sehr gerne wird NGOs auch mit juristischen Mitteln gedroht. Doch die Kritik verschwindet durch diese Maßnahmen nicht, im Gegenteil: Diese Reaktionen verstärken nur die Diskussionen, die sich dann nur auf andere Social Media-Kanäle verlagern und sich somit der eigenen Kommunikationsreichweite entziehen. Gerade von den ersten Reaktionen eines Unternehmens hängt es vielfach ab, ob und wie sich aus dem Meinungssturm ein möglicher Shitstorm entwickelt. Die ersten Minuten, vielleicht auch noch Stunden, sind entscheidend, um erfolgreich in einen – zugegebenermaßen aufgezwungenen – Dialog zu treten. Zögert der Konzern zu lange und wartetet ab, verliert er zunehmend die Kontrolle über die Kommunikation. „Das größte Risiko ist Schweigen“, sagte Hartmut Gahmann, Leiter Unternehmenskommunikation von Nestlé Deutschland im Interview, ein Jahr nach der KitKat-Kampagne von Greenpeace (Capital 08/2011:61). 

Dialog und Lösung

Die kritisierten Unternehmen vergessen bei ihrem Umgang mit ihren Kritikern vor allem eines: Sie stehen unter Beobachtung. In erfolgreichen und reichweitenstarken Kampagnen wird jeder Schritt – Aktion und Reaktion – aufmerksam verfolgt und von Bloggern analysiert und kommentiert. Betroffene Unternehmen sollten das Angebot zu einem kritischen Dialog annehmen, zuhören und die kommunizierten Probleme ernst nehmen. Es ist wichtig NGOs als Stakeholder und wichtigen Gesprächspartner wahrzunehmen, mit ihnen in einen offenen Dialog zu treten – und zu handeln. Der Einsatz von juristischen Mitteln ist dagegen nicht hilfreich, sondern kann das Problem sogar verschärfen. Das hat nicht nur die KitKat-Kampagne von Greenpeace 2010 gezeigt. Der durch die Umweltorganisation ausgelöste Meinungssturm zeigte Wirkung: Nach zweieinhalb Monaten Kampagne versprach Nestlé seinen KitKat-Schokoriegel nicht mehr mit Palmöl aus Regenwaldgebieten zu produzieren.

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The Road To The White House: Wie geht es nach Iowa weiter?

Die Größte Storyline aus Iowa
Nachdem Sanders zu Beginn des Wahlkampfs mit teilweise 40% in den Umfragen hinter Clinton lag und ihm kaum jemand eine Chance eingeräumt hat, zieht Bernie Sanders mit Hillary Clinton gleich (Clinton gewann die Wahl in Iowa mit 0,3% Vorsprung).
In der Tagesschau analysiert Julius van de Laar von der Campaigning Academy Berlin die Ergebnisse des Iowa Caucus wie folgt:
Doch bereits kommenden Dienstag wird im Bundesstaat New Hampshire gewählt. Hier spricht vieles für einen Sieg von Bernie Sanders, denn New Hampshire ist für den Senator aus dem benachbarten Bundessaat Vermont quasi ein Heimspiel.
Die Umfragen von FiveThirtyEight.com sehen Sanders weit vor Clinton mit 91% Wahrscheinlichkeit, dass der 73 jährige hier die Wahl zu seinen Gunsten entscheiden kann.

 

 

Bernie Sanders & Hillary Clinton

Prognose für die Demokratischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

Trump, Rubio, Cruz

Prognose für die Republikanischen Vorwahlen im Bundessaat New Hampshire

 

 
Nachdem Donald Trump die letzten Monate medial dominierte ist das eingetreten, was nur wenige vorausgesagt haben. Die Trump-Unterstützer sind nicht zum Caucus gekommen. Stattdessen konnte sich der Sieger der Konservativen in Iowa, Ted Cruz, auf sein Netzwerk von evangelikalen Unterstützern verlassen.

Das Momentum
Nach Iowa gilt es für alle Kandidaten, das Momentum für sich nutzen — vor allem mit Blick auf das Einsammeln von Spendengeldern. Zwar lag auch im letzten Quartal 2015 Clinton knapp vor Sanders mit 37 Millionen zu 33.6 Millionen Dollar. Doch Sanders gelang es, den beachtlichen Betrag fast ausschließlich durch Kleinstspenden von durchschnittlich $XX Dollar zu generieren.
Genau hier, beim Spenden sammeln von Grassroots Aktivisten knüpfen beide Kandidaten noch in der Wahlnacht von Iowa an. Diese E-Mail Spenden-Aufrufe erhielten wir in den frühen Iowa-Morgenstunden:

 

Bernie Sanders Spendenaufruf

Fundraising E-Mail von Bernie Sanders in der Wahlnacht von Iowa

Spendenaufruf von Hillary Clinton via E-Mail

Fundraising E-Mail von Hillary Clinton in der Wahlnacht von Iowa

 


Warum war der Iowa Caucus so wichtig?
Auch wenn Iowa rechnerisch lediglich 1% der verfügbaren Delegierten auf dem Weg zur Nominierung beim Parteitag entscheidet, kommt dem Bundesstaat im Wahlkampf eine besondere Bedeutung zu. Bereits 1976 konzentrierte Jimmy Carter seinen Wahlkampf stark auf Iowa und landete so einen Überraschungserfolg, gewann die Nominierung der Demokraten und wurde schließlich US-Präsident. Auch Barack Obama gewann 2008 in Iowa überraschend deutlich gegen die damalige Favoritin Hillary Clinton, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde.

Wie ist der Caucus ausgegangen
Laut der Befragung vor dem Wahllokal haben mehr als ein Drittel der GOP Caucus- Wähler ihre Entscheidung erst ein paar Tage vor der Wahl getroffen. 64% der Wähler identifizieren sich als evangelikalische Christen, das sind mehr als 2012 (57 %) oder 2008 (60 %). Genau diese Wähler haben für Ted Cruz gestimmt. Cruz hat als erzkonservativer evangelikaler Republikaner mit 27,7% die erste Vorwahl vor Trump (24,3%) für sich entscheiden, aber auch Marco Rubio mit 23,1% hat erstaunlich nah aufgeschlossen.
Hillary Clinton ht Bernie Sanders um Haaresbreite geschlagen, es heißt, in einigen Wahlbezirken hat der Münzwurf entscheiden müssen.
Noch 2008 hatte sie gegen den amtierenden Präsidenten Obama in Iowa bezeichnend verloren, diesmal gingen 699,57 Deligierte an ihre Seite, Sanders kann 695,49 für sich beanspruchen.
Im engsten Kopf an Kopf -Rennen in der Geschichte des caucus wurden die 171,109 Wähler durch ein Data-Driven Kampagnenmanagement und beständiges Testen der verschiedenen Strategien mit maßgeschneiderten und stetig optimierten Ads, E-Mails bis hin zu den letzten Details der Scripts der ehrenamtlichen Kampagnenmitarbeiter versucht, für sich zu gewinnen.
Beide Kampagnen haben ihre ausgeklügelte Organisation auf der Basis innovativster Technik- und Daten-Infrastruktur aufgebaut, die strategisch seit 2008 mit Hochdruck am Wahlkampf arbeitet.

Barack Obamas letzte Rede zur Lage der Nation

Barack Obama hielt vergangenen Dienstag seine letzte Rede zur Lage der Nation. Mit Hilfe von YouTube, Snapchat und dem Hashtag #SOTU beweist er uns einmal mehr, dass er die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke so intensiv nutzt wie kein anderer Politiker.Bildschirmfoto 2016-01-14 um 10.10.01

Vielleicht war es Obamas letzte große Rede vor 30 Millionen US-Bürgern, deshalb nutzte er die Chance, den düsteren Befürchtungen vieler Republikaner die optimistische Vision eines „Amerika mit klarem Blick und offenem Herzen“ entgegenzusetzen.

Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten hatte jedoch ein ernstes Anliegen, so leitete er seine letzte State of the Union Address (SOTU) mit den Worten ein: „Wir, die USA, sind das mächtigste Land der Erde – Punkt!“Bildschirmfoto 2016-01-14 um 10.14.32

Obamas Leistungen dürfen allerdings nicht unterschätzt werden: Es gab fünf Jahre kontinuierlichen Wirtschaftsaufschwung, die Arbeitslosenquote wurde von zehn auf fünf Prozent halbiert und die Autoindustrie und der Häusermarkt boomen. Dank Obamacare sind mittlerweile neun von zehn US-Bürgern krankenversichert.Außerdem rief der US-Präsident dazu auf, den amerikanischen Politikbetrieb in Ordnung zu bringen- Sicherheit, ein steigender Lebensstandard und Nachhaltigkeit seien in Reichweite. Aber nur wenn die Amerikaner zusammenarbeiteten, könnten sie diese Ziele auch erreichen.

Jedoch bestimmt erstmals seit Langem nicht die Wirtschaftslage die Stimmung im Land, sondern die Sorge um die nationale Sicherheit. Auch deshalb hängt in seinem letzten Amtsjahr viel davon ab, ob Obama Fortschritte im Kampf gegen den IS erreicht und ob es gelingt, das Land vor Terroranschlägen zu bewahren. Doch Obama zieht ein zuversichtliches Fazit: Der Zustand der Nation ist stark. Die schlechte Stimmung entspricht nicht der objektiven Lage.

Im heute Interview analysiert Kampagnenberater Julius van de Laar Obamas Rede zur Lage der Nation wie folgt:

Campaigning Must- Reads: Bücher, Blogs und empfohlene Podcasts

Pünktlich zu den Feiertagen, die hoffentlich eine ordentliche Portion Ruhe, Erholung und Zeit für Besinnlichkeit mit sich bringen, möchten wir von der Campaigning-Academy unsere Lieblingsserien, Podcasts, Blogs und Bücher mit euch teilen, und haben für Euch eine Liste zusammengestellt.

Einige unser Best-Reads (vielleicht ja auch Last-Minute für den Gabentisch):

Bonus: Kinderbuch von Präsident Obama: Of Thee I Sing: A Letter to My Daughters

Podcasts: Egal ob im Flugzeug, Auto oder Bahn…oder beim Last-Minute-Shopping im KaDeWe: Hier sind unsere Podcast Empfehlungen (die wir mit der App Downcast hören)

Unsere Lieblingsserien (Vorsicht Suchtpotential!):

Wenngleich The West Wing unser All-Time-Favorite und die vielleicht beste Polit-Serie aller Zeiten ist, werden die meisten von Euch das Meisterwerk von Aaron Sorkin bereits kennen. Wenn nicht sind die Feiertage die optimale Zeit diese Bildungslücke zu schließen. Hier gehts zu einem kleinen Youtube- Vorgeschmack auf diesen Serienklassiker („…one more thing: When the President stands, nobody sits!“)

Dasselbe gilt übrigens auch für Homeland, Borgen und House of Cards (den Trailer für die neue Staffel mit Präsident Frank Underwood die März 2016 auf Netflix erscheint könnt Ihr hier sehen). Eine Serie die viele noch nicht kennen werden ist Occupied (Release Date 2015). Im Polit-Serien-Thriller wird Norwegen von Russland okkupiert während die EU nichts dagegen unternimmt- Hier der Trailer:

NGO Blogs zu den Themen Kommunikation, Fundraising, Social Media und Digitales:

 

Das ist natürlich bei Weitem nicht alles, was das WorldWideWeb hergibt- Was haben wir also eurer Meinung nach vergessen? Was sind Eure Favoriten, nicht nur für die Feiertage ?

Postet eure Must- Reads und Podcast- Empfehlungen in die Kommentare oder auf unsere Facebook- Seite, um unsere liste zu ergänzen!

Von uns allen bei der Campaigning Academy: Merry Christmas und viel Vergnügen beim Lesen/Hören/Schauen (und hoffentlich auch offline sein).

Julius, Volker und Anna

Neuer Button, mehr Spender? Der Facebook Spenden-Button für NGOs

Wir erinnern uns noch alle an den Sommer 2014, als die ALS Ice Bucket -Challenge  – eine der viralsten Kampagnen aller Zeiten wurde – und das vor allem durch die sozialen Netzwerke, allen voran Facebook. Die National ALS Association konnte so eine Spende von 115 Millionen Dollar verbuchen, fast das sechsfache der bis dato registrierten jährlichen Einnahmen. 440 Millionen Facebook-User sahen 17 Millionen Videos von Leuten, die sich insgesamt 10 Miliarden mal einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf schütteten. Doch Spenden konnte man über Facebook nur indirekt mit einer Verlinkung zu einer Fundraising Landingpage.

Das wiii_1517c8181d2950d0rd sich nun ändern: Seit  Mitte November bietet Facebook, mit seinen über 1,39 Mrd. aktiven Nutzern, eine neue Fundraising-Möglichkeit, um Spender zur Unterstützung bei Naturkatastrophen, der Bekämpfung von Krankheiten, Hunger oder zum Schutz bedrohter Tierarten zu mobilisieren

Wird die neue Spendenfunktion die Einnahmemöglichkeiten von NGOs in Deutschland erhöhen?

Der Spenden-Button für NGOs ermöglicht es jedoch vorerst nur den US-amerikanischen Hilfsorganisationen auf Facebook Spenden zu sammeln.  Bis der Spenden-Button in Deutschland eingeführt wird und Organisationen dieses Tool nutzen, dürfte es wohl noch eine ganze Weile dauern. Dann bleibt nur noch abzuwarten, wie diese neue Fundraising-Möglichkeit von den Nutzern angenii_1517c9c3b922d3d8ommen wird. Bisher haben auf der Facebook-Spendenseite des WWF 108 Fans rund 1.752 Dollar gesammelt. Bis zu 10.000 Euro möchte der WWF in den nächsten vier über den Facebook-Spendenbutton generieren.

NGOs dürften gespannt sein, ob die neue direkte Spendenmöglichkeit über Facebook neue Unterstützer mobilisiert, die bisher noch gar nicht gespendet haben. Das deutsche Spendenvolumen lag im Januar bis September 2015 bei 3,4 Milliarden Euro (ein Plus von 13,6% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, das vor allem im Bereich humanitäre Hilfe und Tierschutz zu verbuchen war).

Auch die Anzahl der Spender liegt über dem Vorjahreszeitraum: Insgeii_1517c9d2dd4710bfsamt 18,4 Mio. Personen – das sind 27% der deutschen Bevölkerung – haben von Januar bis September 2015 Geld gespendet. Im Vorjahr waren es 17,3 Mio. Personen. Somit stieg die
Spendenhäufigkeit von 5,1 Spenden
pro Person auf 5,3 Spenden pro Person bei einem Euro der durchschnittlichen Spende mehr im Vergleich zum Vorjahr (hier der Bericht zum Vergleich).

Als einer der ersten Partnerorganisationen testet Facebook mit dem WWF die direkte Werbung um Spenden. Durch die neue Fundraising-Möglichkeit können Non-Pro
fit Organisationen nicht nur viel mehr Menschen direkt erreichen, sondern auch neue Zie
lgruppen ansprechen, um ihre gemeinnützige Arbeit zu finanzieren. Denn der Spendenaufruf kann mit seinen Freunden geteilt und damit der potentielle Spender- und Unterstützerkreis deutlich erweitert werden.