Alles auf grün: Berliner Wahlkampf mit den Grünen

Die Grünen konnten sich mit 15,2% der Stimmen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl vergangene September einen sicheren Platz im Abgeordnetenhaus erkämpfen. Bei keiner anderen Partei jedoch ist der Unterschied zwischen niedrigstem und höchstem Wahlkreisergebnis so riesig. Dies mag an der sichtbaren Spaltung der Stadt liegen, in dessen Rahmen vor allem die Grünen Gegenpol zu neuen politischen Herausforderern sind. Theresa Reis organisierte den erfolgreichen Wahlkampf von Marc Urbatsch mit und sprach darüber mit der Campaigning Academy im Interview:

CAB: Frau Reis, Sie haben in Berlin für den Grünen-Kandidaten Marc Urbatsch  dieses Jahr einen sehr erfolgreichen Wahlkampf organisiert. Was war dabei zielführend?

Wir haben sehr früh schon ab November 2015, Präsenz im Wahlkreis gezeigt – dem Wahlkreis 4 in Berlin Mitte, der Moabit nördlich der Turmstraße und den Brüsseler Kiez im Wedding umfasst. Dieser Wahlkreis wurde 2015 neu zugeschnitten. Wir hatten also nur bedingt Erfahrungswerte. Um uns ein Bild von dem Wahlkreis an sich, aber insbesondere den Wählerinnen und Wählern zu machen, sind wir ganz grundlegend erstmal mit einer Kurzumfrage in den Vorwahlkampf gestartet – 6 Fragen in 3 Minuten, ganz simpel. Wir konnten von Anwohnern direkt erfahren, wie sie sich im Kiez fühlen, was sie interessiert, was ihnen Sorgen bereitet. So haben wir ein erstes Gefühl bekommen, was in diesem Bezirk Themen sind. Ab diesem Zeitpunkt, als ich zum Wahlkampf hinzugestoßen bin, also seit Herbst 2015, waren wir kontinuierlich präsent. Wir kamen direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. Die Wählerinnen und Wähler haben das gemerkt und auch honoriert, dass wir da sind, obwohl viele Bürger sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bewusst waren, dass Wahlen anstehen.

 

Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit im Kiez war zielführend für den Wahlkampf von Marc Urbatsch

Die Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit im Kiez war zielführend für den Wahlkampf von Marc Urbatsch

 

 

CAB: Sie haben für den Wahlkampf eine klare Strategie formuliert. Was waren die Kernpunkte ihrer Strategie und wie lang dauerte die Entwicklung?

Ein Wahlkampf auf Bezirksebene ist relativ klein- das sind in Berlin circa 30.000 Wahlberechtigte pro Wahlkreis – und es geht ja hier um Erststimmen – kann nicht den Anspruch haben einer festen Strategie zu folgen sondern darf sich auch organisch entwickeln. Die Grundpfeiler standen schon sehr früh fest, ich würde behaupten, dass das spätestens im Februar 2016 der Fall war. Das waren vor allem zwei Säulen, auf die wir uns gestützt haben. Zum einen haben wir den Fokus von Anfang an auf den Bezirk gelegt. Marc Urbatsch, bis dato der Direktkandidat, war 4 Jahre lang Fraktionssprecher in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte und Vorsitzender des Hauptausschusses. Er kannte und kennt sich also aus, wenn es um die Politik vor Ort geht, das ist seine Expertise. Vielen Multiplikatoren war er bereits bekannt. Darauf haben wir aufgebaut und uns nicht beirren lassen, wenn Gegenkandidaten mit prominenten Politikern aus dem Bundestag oder anderen Institutionen Wahlkampfveranstaltungen durchgeführt haben, die im Endeffekt wenig mit der Lebenswirklichkeit der Bürgerinnen und Bürgern in Moabit oder dem Brüsseler Kiez zu tun hatten. Zweitens – und das kann ich nicht genug betonen – war der Kandidat zu jederzeit ansprechbar. Jeden Samstag, gegen Ende des Wahlkampfs, als die Wähler vermehrt konkrete Fragen hatten sogar an mehreren Tagen unter der Woche, sowohl morgens als auch Abends gab es Informationsstände. Das wurde stark genutzt und kam gut an. Ich erinnere mich an Samstage, an denen Marc Urbatsch keinen einzigen Flyer verteilt hat, weil er permanent im Gespräch war. Besser konnte es nicht laufen. Zudem kamen neue Formate, die wir vor allem mittels Social Media verbreitet haben. So hatten Wählerinnen und Wählern auch zusätzlich die Möglichkeit, Marc zum Kaffee und Kuchen einzuladen – ganz einfach per Postkarte oder Onlineformat. In den letzten 10 Wochen gab es ein Videoformat, welches die Wähler über aktuelle Entwicklungen in der Bezirksverordentenversammlung und im Wahlkampf auf dem Laufenden gehalten hat. Was ist eigentlich die tägliche Arbeit eines Politikers und welche Themen sind aktuell? Dadurch konnten wir viele Klicks generieren. Mit diesem Ansatz, also der Bezirkspolitik und der Möglichkeit der Berlinerinnen und Berliner sich über die BVV Gehör zu verschaffen, haben wir es auch in die Abendschau des RBB geschafft, inklusive eines Interviews mit Marc Urbatsch. Das wöchentliche Format „Die Woche mit Marc Urbatsch“ wurde zum Beispiel von einer Bürgerin direkt genutzt, auf eine unübersichtliche Kreuzung hinzuweisen.

 

CAB: Wie groß war ihr Wahlkampfteam und ihr Budget?

Das Wahlkampfteam bestand fast ausschließlich aus Ehrenamtlichen wie mir. Zwischen 5 und 10 Leuten, mit wechselnder Besetzung, waren im engeren Sinne im Team. Im Wahlkampf heißt es „all hands on deck“, T. Reis im Interview mit der @berlin_academy Klick um zu Tweeten – wo Engpässe sind wird angepackt. Egal ob Wahlkreis 4 oder Wahlkreis 1. Wir hatten einen sehr engagierten hauptamtlichen Wahlkampfmanager, der sich um alle Wahlkreise in Berlin Mitte gekümmert hat und quasi für die Logistik zuständig war. Stark unterstützt wurden wir auch vom Vorstand des Kreisverbands Mitte, übrigens auch ehrenamtlich. Das Budget für Social Media speist sich aus dem Gesamtbudget eines jeden Kandidaten und betrug 1000€. Das geht für Google Adwords und Facebook Anzeigen drauf. Wir haben tatsächlich viele kostenlose Dienste in Anspruch genommen – die Umfrage beispielsweise und eine interaktive Karte der politischen Entwicklungen des Wahlkreises sowie das Videoformat wie Vimeo war kostenlos, wurde aber auf den SOM Kanälen sehr gut verbreitet – durch das Team, die Accounts der Berliner Grünen und WählerInnen. Insgesamt wurde beim Grünen-Wahlkampf 2016 dabei für Digitales (Facebook und Twitter-Ads, etc.) circa 200.000€ ausgegeben.

CAB: Wie ist das Wahlergebnis der Grünen vor dem Hintergrund von Social- Media Strategien zu beurteilen?

Die Besonderheit des Social Media Auftritts der Berliner Grünen war, dass es nicht so viele vorgefertigte Posts gab, die denselben Inhalt der Plakate wiedergegeben haben. Stattdessen wurden die Kanäle mit Reaktionen auf aktuelle Themen bespielt. Rapid response ist hier enorm wichtig.

 

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Rapid Response Beispiel der Grünen

Der Facebook Kanal der Berliner Grünen wird gut betreut, Fragen schnell beantwortet. Anstelle eines Wahlwerbespots gab es kurze Videoclips zu spezifischen Themen, die auf den Social Media Kanälen gespielt wurden. So erreicht man eine größere Zielgruppe.

 

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Auch zu Innensenator Henkel gab es schnell ein „Share-Pic“ der Grünen via Facebook

 

Besonders schön war es, als ein Clip der ZDF Heute Show in der Woche vor den Wahlen in den SOM Kanälen viral ging. Die Heute Show kam bei einem grünen Grillfest in Kreuzberg mit einer AfD Direktkandidatin zu Besuch. Daniel Wesener hat das Mikrofon übernommen und die Kandidatin interviewt – sie fand es nicht so lustig. Und Ströbele fiel dann doch noch eine Gemeinsamkeit von AfD und Grünen ein: Wir essen alle auch mal Butterbrot. Absolut sehenswert! In Kreuzberg gab es übrigens den einzigen Wahlkreis, wo die AfD nicht eine einzige Stimme bekommen hat! In absoluten Stimmen war unser Ergebnis gar kein schlechtes vor dem Hintergrund der aktuellen Lage. Daher war es angemessen, besonders  in Wahlkreis 4 bei der Gruppe der „Alt-Eingesessen“, nicht zu stark auf Social Media zu setzten, da sich für diese Gruppe beispielsweise das Street Canvassing  am relevantesten für die Meinungsbeeinflussung dargestellt hat.

CAB: Sehr viel Wahlkampfbudget geht jedoch immer wieder in die Entwicklung von Plakaten fließt. Und das, obwohl die Wirkung von Plakaten bei Wahlen umstritten ist. Auch Sie haben Wahlplakate genutzt, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

 

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Insgesamt haben wir mit unseren Plakaten durchweg gute Erfahrungen gemacht.  Wichtig ist es – vor allem angesichts der neuen Entwicklungen der Parteienlandschaft nun auch in Berlin – die Wähler zu mobilisieren, die bereits geneigt sind Grün zu wählen, sich aber vielleicht nur zu 98% sicher sind. Das haben wir gut gemeistert. Die „Themenplakate“  wie wir sie nennen, sind gut angekommen oder haben zumindest für Gesprächsstoff und das ein oder andere Schmunzeln gesorgt. Das spiegelt das Junge und Frische unserer Partei wider, was wir auch nach wie vor sind. Wir haben die Inhalte und unsere Forderungen gut rübergebracht.

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Und eines muss ich auch sagen: Vielen Berlinerinnen und Berlinern wird nach wie vor erst bewusst, das Wahlen anstehen, wenn die Plakate hängen, die Wahlbenachrichtigungen kommen nämlich erst später. Dennoch hat es Relevanz, da viele Leute nicht online sind. Das gibt zumindest durch Claims und Look und Feel eine Richtung vor: Ist doch ein Plakat ist das erste sichtbare Statement des Wahlkampfs. Was die Plakate in unserem Wahlkreis anging – auch hier haben wir auf Authentizität geachtet. Der Kandidat Marc Urbatsch im Gespräch, so wie man ihn kennt. Das hatte einen hohen Wiedererkennungswert, denn genauso hat man ihn ja die letzten 8 oder 9 Monate ständig gesehen. Wir haben viel positives Feedback dazu bekommen. Der Erfolg eines Plakats lässt sich dennoch schwer messen, aber wir wusste, es wird ein knapper Wahlausgang, Experimente zu machen ist daher zu riskant gewesen.

 

 

CAB: Wie wichtig war im Grünen-Wahlkampf das Tür-zu-Tür Canvassing? Wie erfolgreich war diese Methode?

Canvassing gehört auch bei den Grünen mittlerweile zur Tradition. Hier möchte ich erwähnen: wir haben den Wahlkreis mit 100 Stimmen Vorsprung gewonnen – da hat sich jeder Trip in den 5. Stock eines Altbaus gelohnt. Ganz ehrlich: Bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen waren sehr freundlich, haben sich auf kurze Gespräche eingelassen und Fragen gestellt. Auch den Kandidaten mal persönlich so vor der Tür zu haben, one on one sozusagen, ist ja auch mal ganz nett. Da kann man noch ganz anders Fragen stellen oder auch seinen Missmut äußern, als auf der Straße. Klar, man bekommt auch mal eine Tür ins Gesicht geschlagen – Das war aber eher selten der Fall.

Authentizität und Ansprechbarkeit: Marc Urbatsch im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus 2016

Authentizität und Ansprechbarkeit: Marc Urbatsch im Wahlkampf um das Berliner Abgeordnetenhaus 2016CAB: Gibt es Erfolgsfaktoren für eine Kampagne? Welche drei Tipps geben Sie unseren LeserInnen für die Entwicklung einer effektiven und wirkungsvollen Strategie?

Klar gibt es Erfolgsfaktoren, die sind sicher in jeder Kampagne unterschiedlich. Grundsätzlich würde ich behaupten, dass man zunächst sehr pragmatisch planen sollte und sich fragen muss: Mit wem habe ich es überhaupt zu tun, mit welchen Menschen und was ist hier wichtig? Darauf muss alles aufbauen. Zweitens und das ist in direkter Verbindung mit Nummer eins – die Kampagne sollte in sich authentisch sein. Das hängt auch mit dem Kandidaten zusammen. Hätte Marc Urbatsch eine Pokémon Tour veranstaltet, hätte ihm das niemand abgekauft. Drittens sollte man sich nicht unnötig beirren lassen. Weder von den Gegenkandidaten noch von Kandidierenden der eigenen Partei in anderen Wahlkreisen. Hiermit meine ich die Formate, die ich vorhin schon angesprochen habe. Einen Bundestagsabgeordneten einzuladen hat den Vorteil, dass es tolle Fotos gibt. Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Moabit zum Beispiel, die gerne einen Zebrastreifen an einer unübersichtlichen Straßenkreuzung hätten, hat das keine Bedeutung. Ein offener Blick nach links und rechts schadet nie. Man sollte sich und dem Kiez aber treu bleiben.

 

Share-Pic Aktion im Rahmen der Schlussmobilisierung am Wahltag

Share-Pic Aktion im Rahmen der Schlussmobilisierung am Wahltag

 

 

CAB: Winfried Kretschmann ist im März zum zweiten Mal Ministerpräsident in Baden-Württemberg geworden, und das mit 30,3 Prozent – das war das beste Ergebnis, das sie bei einer Landtagswahl je erreicht haben. Was kann man sich von dem Kollegen und dessen Erfolgsrezept bezüglich der bevorstehenden Wahl abschauen?

Es ist schwierig hier zu pauschalisieren. In Baden-Württemberg haben wir einen strategisch einwandfreien Wahlkampf gesehen, der die perfekte Balance zwischen Personenbezogenheit und Inhaltsvermittlung erlangt hat. Das ist schwer zu replizieren. Der Vorteil in Baden-Württemberg war auch, dass Kretschmann schon Ministerpräsident war und noch dazu einen guten Job gemacht hat – die Wählerinnen und Wähler mussten also nicht von etwas ganz Neuem überzeugt werden. Was wir am Beispiel Baden-Württemberg wieder sehr gut erkennen: Grün wirkt und Grün kann regieren. Auch im vorher stets konservativ regierten Ländle. Daraus ziehen wir aber natürlich auch Selbstbewusstsein und versuchen dies, im kommenden Wahlkampf auf Bundesebene zu transportieren.

CAB: Welche Schlussfolgerungen für erfolgreiches Campaigning können Sie aus dem Abgeordentenhaus-Wahlkampf ziehen, die sie für den anstehenden Bundestagswahlkampf nutzen können?

Ich denke, authentisch zu bleiben ist das Wichtigste. Grün – das hat viel mit Toleranz, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung zu tun. Wir haben in Berlin Möglichkeiten aufgezeigt, wo andere auf Grenzen hingewiesen haben, das wünsche ich mir auch für den Bundestagswahlkampf. Generell – und hier komme ich zurück auf den Einzug der AfD in zwei weitere Landesparlamente in diesem Herbst – muss eine Schlussfolgerungen auch sein, weitere Ressourcen zu mobilisieren. Erstens zur Aufklärung über die Partei,also der AfD, deren Forderungen und den unmittelbaren Folgen dieser Forderungen. Das haben wir in Berlin bereits getan, waren aber zuweilen die einzige Partei, die das so intensiv verfolgt hat. Zweitens zur Mobilisierung von Wählern. Nicht zu wählen war nie fataler. Ich würde mir hier eine Art Get out the vote Kampagne wünschen, wie sie in den USA üblich ist.

Schlussmobilisierung der Grünen im Wahlkampf um das Berliner Abgordnetenhaus 2016

Schlussmobilisierung der Grünen im Wahlkampf um das Berliner Abgordnetenhaus 2016

 

 


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Theresa Reis, hat Politikwissenschaft studiert und ist aktuell Campaignerin beim WWF Deutschland. Von November 2015 bis September 2016 machte sie ehrenamtlich Wahlkampf für Marc Urbatsch, Bündis90/Die Grünen.

Twitter: @Reis_Theresa

 

 

 

 

 

Marc Urbatsch ist seit Okotber 2016 gewählter Abgeordneter im Abgeordnetenhaus von Berlin. Seit 2011 setzt er sich u.a. als Sprecher seiner Fraktion in der Bezirksverordneten-versammlung für den Erhalt der sozialen Infrastruktur in Moabit und dem Brüsseler Kiez ein.
Twitter: @Marc_Urbatsch

 

Clinton v. Trump: Entscheidend ist die Schlussmobilisierung

Happy Election Day!

Heute zählt nur noch die Schlussmobilisierung, also GOTV (Get Out The Vote)!

Die Clinton-Kampagne hat den Schlussspurt im Wahlkampf gut geplant und eine perfekt organisierte Maschinerie am laufen. Am Wochenende (48 Stunden) vor der Wahl, haben freiwillige Wahlhelfer an 6,2 Millionen Türen geklopft und zusätzlich 8,1 Millionen Anrufe an Clinton Unterstützer gemacht, um sicherzustellen, dass diese auch wirklich wählen gehen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Hillary Clinton die Wahl noch verliert? 

Die Möglichkeit besteht, aber es ist deutlich wahrscheinlicher, dass Clinton die Wahl gewinnt. Denn die nationalen Prozentzahlen können wir jetzt außer Acht lassen, sie sind nicht mehr wirklich relevant. Es geht fast ausschließlich um die Swing-States. Selbst wenn Trump Florida, Ohio und North Carolina gewinnt, steht Clintons „Firewall“ aus den sechs Bundesstaaten Wisconsin, Pennsylvania, Michigan, Virginia, Colorado und New Hampshire. Das dürfte für die notwendigen 270 Wahlmänner ausreichen.

Prognosen

Wir haben einige Prognosen gewagt, aber auch über den härtesten Wahlkampf aller Zeiten, die Schlussmobilisierung und digitales Campaigning mit einigen Medien besprochen. Hier einige Stücke zum „State of the Race“ bevor die Wahllokale heute Abend schließen.

Alles weitere auf Twitter unter @juliusvandelaar und @berlin_academy



Programmtip

  • Am Wahlabend (und Nacht) sind wir ab 22:45 Uhr in der ARD.
  • Am Mittwoch tagsüber auf n-tv, n-24 und abends in der Phoenix Runde ab 22:45 Uhr.
  • Für unsere schweizer Campaigning-KollegInnen gibt es am Mittwoch eine Analyse der Wahlergebnisse im SRF ab 20:00 Uhr.

Good Reads:

 

Was ist mit Clintons Image?

Beide Kandidaten haben ein negatives Image. Sie werden von mehr Wählern abgelehnt als positiv gesehen. Hillary Clinton gehört seit 25 Jahren zum Establishment. Und natürlich gab es in dieser Zeit auch nicht wenige Krisen. Nehmen wir nur, was zuletzt wieder hochkam: Benghasi, die E-Mail-Affäre und auch Whitewater. Mit jedem vermeintlichen Skandal verfestigt sich die Meinung etwas mehr, dass Clinton nicht 100 Prozent sauber spielen könnte. Die Häufung der Vorfälle lässt das zu einem Narrativ werden.

Clinton hat extrem schlechte Beliebtheitswerte, die es so in der Geschichte der Demokraten noch… Klick um zu Tweeten

 

Der Hauptgrund für viele Amerikaner, Clinton zu wählen, ist, Trump zu verhindern. Ist das nicht ein Armutszeugnis für die Kandidatin?

Dieser Wahlkampf war vermutlich die härteste Schlammschlacht, die wir je gesehen haben. Wenn ich das mit früheren Wahlkämpfen vergleiche, insbesondere 2008, ist der Unterschied erheblich. Obama hatte damals klare Visionen und Missionen. „Yes, we can“ und „Hope and Change“ hatten eine wahre Strahlkraft. Allerdings kann ich die Idee, Clinton als kleineres Übel zu wählen, nicht nachvollziehen. Denn, was Trump über Frauen und Latinos gesagt hat, disqualifiziert ihn komplett. Die Haltung vieler Amerikaner zeigt nur, wie gespalten das Land ist. Clinton ist inhaltlich besser als jeder Kandidat qualifiziert, der vor ihr ins Weiße Haus wollte. Sie ist nur eine schlechte Wahlkämpferin. Das war bereits 2008 gegen Barack Obama der Fall.

Trotzdem: Bei ihrer miserablen Beliebtheitswerten, hätte sie gegen einen moderateren Republikaner als Trump nicht vielleicht verloren?

Die Frage ist hypothetisch – wir wissen nicht, was alles über einen Jeb Bush oder John Kasich während einer Kampagne herausgekommen wäre. Natürlich wären die Republikaner besser beraten gewesen, einen anderen Kandidaten zu nominieren, allein schon aus dem Grund, die eigene Partei nicht in den absoluten Bürgerkrieg zu stürzen.

Wenn beide Kandidaten so äußerst unbeliebt sind, warum hat dann eigentlich der dritte im Bunde, der Liberale, Gary Johnson, keine Chance?

Das liegt zum einen am Wahlsystem, das nicht für drei Kandidaten ausgelegt ist. Zweitens hat er sich mit einigen Aussagen wirklich disqualifiziert. So kannte Johnson Aleppo nicht und konnte auch keinen Staatsmann benennen, den er respektiert. Er hat weder das Format noch eine Botschaft und erst recht keine finanzielle Infrastruktur. Dennoch könnte er Clinton gefährlich werden, indem er ihr in einigen Bundesstaaten Stimmen wegnimmt. Dass Republikaner zu ihm abwandern, halte ich dagegen für unwahrscheinlich. Auf mehr als drei bis vier Prozent wird Johnson landesweit vermutlich nicht kommen.

„Mittlerweile weiß die Kampagne sogar, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Wähler sein… Klick um zu Tweeten

Viele Spots der Clinton-Kampagne spielen vor allem die Anti-Trump-Karte aus. Man hört fast nur, warum der Republikaner als Präsident „ungeeignet“ und „gefährlich“ sei. Eine positive Botschaft und ein eigenes Programm fehlen oft. Ist das die richtige Strategie?

Ja, ist es. Denn jetzt geht es nicht mehr vorwiegend darum, unentschlossene Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Die Phase der Schlussmobilisierung hat begonnen – da rücken die Argumente und Inhalte in den Hintergrund. Es wird ein klares Feindbild von Donald Trump gezeichnet, das Clinton-Wähler mobilisieren soll. Wenn Clinton verdeutlicht, wie gefährlich Trump ist, kann sie mobilisieren.

Es gibt kaum eine Zielgruppe, die Trump nicht beleidigt hat. Es sei denn man ist über 50, weiß… Klick um zu Tweeten

Kann man es sich als Journalist in den Leitmedien überhaupt erlauben, für Trump zu plädieren, selbst wenn man so denken sollte?

Ich weiß wirklich nicht, wie jemand zu Trump stehen kann. Wer so über Minderheiten und auch über die Außenpolitik spricht, der darf keine Rückendeckung bekommen.

 

 

Happy Election Day!