Feedback: Was unsere Teilnehmer über die Campaigning Academy Sagen

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Es gibt nichts Schöneres, als positives Feedback unserer Teilnehmer nach einem Seminar.

Eine Teilnehmerin des vergangenen Kampagnenstrategie-Seminars im September, Lara Gregl, berichtet zum Beispiel ausführlich in ihrem Blog auf Polisphere , wie Julius Van de Laar und Volker Gaßner den Teilnehmenden ein umfangreiches Werkzeug zur eigenen Kampagne in  unseren „gemütlich-modernen Räumlichkeiten der Academy“ vermittelt haben.  Einen kleinen Einblick in so ein  Seminar bei uns in der Campaigning Academy Berlin bekommt ihr hier anhand einiger Feedbacks:

Das Coachen der Zahlreichen Teilnehmer verschiedenster Verbände, Vereine und Organisationen aus Politik,  Medien oder Dienstleistung in den veschiedenen Seminaren mache „durch die Diversität und spannenden Projekte besonders viel Spaß“, fand einer der beiden Coaches der Academy Julius van de Laar, IMG_20150912_095652„Das Thema Campaigning ist topaktuell“, so van de Laar weiter– „Ich denke, es ist deshalb für alle möglichen Organisationen, Verbände und Unternehmen notwendig und sinnvoll, dazu etwas zu machen“. Das ein „Kampagnenstrategien“- Seminar sie optimal auf ihr neues Arbeitsfeld im Bereich Public Affairs vorbereitet hat, gab uns auch eine andere Teilnehmerin während des Seminars als Feedback. Und  „Aus 2 Tagen Seminar das Optimum rausgeholt. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen – DANKE!“ das schreibt uns zum Beispiel Julia Barthel von der deutschen Umwelthilfe.

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Die Themen der einzelnen Teilnehmergruppen werden im Verlauf eines solchen Seminars anhand der erarbeiteten Kampagnen direkt betrachtet, so dass man viele nützliche Tipps mitnehmen kann und immer wieder Hinweise zu relevanten Tools bekommt. Nach dem Seminar gibt es dann neben einer detaillierten Foto-Dokumentation des Wochenendes auch nochmal alle umfangreichen Unterlagen zum Seminar selbst, die die Teilnehmer_innen dann auch einfach für sich auf verschiedene Situationen anwenden können- das stößt immer wieder auf Begeisterung unserer Teilnehmer_innen.

„Endlich mal ein Seminar, dass einen wirklich weiter bringt.“, so beispielsweise Felix Poetschke von Bündnis 90 / Die Grünen. Tolle Trainer, die mit fundiertem Fachwissen punkten und sehr gute praxisorientierte Beispiele vorstellen konnten. Man erhält einen guten Überblick über die einzelnen Bereiche einer Kampagne und wertvolle Tipps zur eigenen Umsetzung. Durch Beispiele aus der Politik und die Praxiserfahrungen der beiden Coaches wird gut verdeutlicht, wie so eine Kampagne aufgebaut ist und wie dicht gestrickt der Prozess manchmal sein kann.- „Sehr wache Trainer,die gerne auch jenseits von Greenpeace und Obama gute Kampagnen sehen wollen“, fand auch Tom Wetzling von der Pressestelle der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen „- der Enthusiasmus zieht Kreise“.

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„Von der Erarbeitung über die Durchführung bis zur Auswertung von Kampagnen. Es ging um die politische Strategie, das Agenda-Setting und die Botschaftsentwicklung, die strategische Kampagnenplanung, Digitales Campaigning und schließlich die Evaluation“, so erklärt Lara Gregl auf ihrem Blog weiter den Ablauf des Seminars.  Und nicht minder wichtig (auch für die Coaches), „profitierten die Teilnehmenden von den Pausen, um sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu knüpfen“.

IMG_20150911_102009 Kopie„360 Grad politische Kommunikation und modernes Campaigning sind in zwei Tagen  machbar – die Campaigning Academy Berlin liefert den Beweis“- schreibt Philipp Kamper von der PES nach unserem Seminar.  „Ein Kampagnenstrategie-Seminar wie es inspirierender und motivierender nicht sein könnte.“ fasst Lara unser Wochenende zusammen  Klick um zu Tweeten

und wir sagen: Mit so tollem Feedback freuen wir uns umso mehr auf die kommenden Seminare „Kampagnenstrategien“ am 29. und 30. Januar 2016 und „Social Media und Online Campaigning“ am 26. und 27. Februar 2016 zu denen ihr euch HIER anmelden könnt.

VIELEN DANK!

Volker, Julius und Anna

„Der wichtigste Erfolgsfaktor einer Kampagne ist die ihr zugrundeliegende Strategie“

Der bundesweit bekannte Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer stellte sich 2014 zur Wiederwahl und konnte diese bei drei Gegenkandidaturen bereits im ersten Wahlgang mit 61,7 % klar für sich entscheiden. Ausschlaggebend für seinen Wahlerfolg waren eine fundierte Strategie und eine durchdachte und klare Kampagne.
Lorenz Brockmann, seit 2011 Geschäftsführer der Cadea Rhetorik-Agentur, Dozent, Trainer, Projektleiter und Berater organisierte diese erfolgreiche Kampagne und sprach darüber mit der Campaigning Academy im Interview:
CAB: Herr Brockmann, Sie haben in Tübingen für den Grünen Oberbürgermeister Boris Palmer 2014 einen sehr erfolgreichen Wahlkampf organisiert. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Herrn Palmer?
Brockmann: Im Januar 2014 erhielt ich von Boris Palmer die Anfrage, ob ich seinen Wahlkampf organisieren und durchführen könne. In den Jahren zuvor hatte ich mit meiner Agentur bereits erfolgreiche Wahlkämpfe und Kampagnen konzipiert und umgesetzt, darunter auch der Bundestagswahlkampf der Grünen im Wahlkreis Tübingen. In den ersten Gesprächen erarbeiteten wir die Leitlinien der Zusammenarbeit und erste Ansätze für eine Kampagne. Anfang März entschied die Wahlkampfkommission über mein Angebot, so dass mein Team und ich ab Mitte März mit der Erarbeitung der Wahlkampf-Strategie sowie mit der Entwicklung der Kampagne beginnen konnten.
CAB: Sie haben für den Wahlkampf eine klare Strategie formuliert mit dem Ziel die absolute Mehrheit für den Kandidaten zu erreichen. Was waren die Kernpunkte ihrer Strategie und wie lang dauerte die Entwicklung?
Brockmann: Im Rahmen der Strategieerarbeitung führten wir zunächst eine eingehende Analyse aller wahlrelevanten Faktoren durch, definierten Ziele und entschieden uns für die Mittel und Überzeugungswege.
Ziel war es von Anfang an, die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang zu erreichen. Das sollte gelingen durch eine hohe Präsenz des Kandidaten im Stadtgeschehen, eine möglichst positive Berichterstattung des lokalen Leitmediums sowie durch eine klare und kluge Kampagne, die die positive Bilanz des Kandidaten vermitteln und mit konkreten Zielen für die zweite Amtszeit verbinden sollte. Da wir von Boris Palmer frühzeitig in den Prozess eingebunden wurden, hatten wir erfreulicher Weise ausreichend Zeit für die Strategieerarbeitung und für die Entwicklung der Kampagne. Die interne Präsentation fand im Juni statt, zweieinhalb Monate also nach Beginn unserer Arbeit und vier Monate vor der Wahl.
CAB: Wie groß war ihr Wahlkampfteam und ihr Budget?
Brockmann: Am Wahlkampf waren insgesamt über 80 haupt- und ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer beteiligt. Das Wahlbüro war mit zwei Mitarbeitern und zwei Praktikantinnen besetzt, an der Kampagne arbeiteten zwei Graphiker. Als Teamleiter habe ich alle Abläufe in Wahlkampf und Kampagne zusammengeführt und dabei eng mit dem Kandidaten und der Wahlkampfkommission zusammengearbeitet. Das Budget entsprach einem Euro pro Einwohner und setzte sich jeweils hälftig aus Spenden und aus Beiträgen der Partei zusammen.
CAB: Wir erleben es immer wieder, dass noch bevor eine klare Strategie entsteht, Maßnahmen für den Wahlkampf entwickelt werden. Haben Sie diese Erfahrung im OB-Wahlkampf auch gemacht?
Brockmann: Diese Erfahrung teile ich. Die Gründe für planloses oder vorschnelles Agieren sind in der Regel fehlende Strukturen, unklare Zuständigkeiten, Zeitdruck oder fehlende strategische Kompetenz im Team. Im Fall des OB-Wahlkampfes für Boris Palmer konnten wir das vermeiden. Hier war es entscheidend, dass mein Team und ich frühzeitig eingebunden wurden und dass es uns gelang, eine klare Struktur zu etablieren, sowohl was die interne Kommunikation und Zuständigkeit angeht, als auch in Bezug auf die Vorgehensweise.
CAB: Wie konnten Sie Herrn Palmer von Ihrer strukturierten Herangehensweise überzeugen?
Brockmann: Sicherlich war ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen und Verlässlichkeit die Grundlage für diese Art der Zusammenarbeit. Als Profi auf dem Gebiet der politischen Kommunikation war Boris Palmer schnell von der Bedeutung einer fundierten Strategie und einer strukturierten Vorgehensweise überzeugt.
CAB: Auffällig ist es, dass egal über welche Wahl wir sprechen, immer wieder sehr viel Wahlkampfbudget in die Entwicklung von Plakaten fließt. Und das, obwohl die Wirkung von Plakaten bei Wahlen umstritten ist. Auch Sie haben Wahlplakate entwickelt, welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Brockmann: Es kommt darauf an, was mit den Plakaten erreicht werden soll. Plakate haben die Aufgabe Aufmerksamkeit zu erzeugen, Interesse und Sympathie zu wecken und Kernbotschaften zu vermitteln. Überzeugen kann ein Plakat nicht. Der Überzeugungsprozess muss auf anderen Wegen zu Stande kommen, etwa durch Inhalte.
Auch wir haben uns für eine aufwändige Plakatkampagne entschieden.
Im Rahmen der Analyse fanden wir herauScreenshot 2015-10-06 11.18.20s, dass sich die Tübingerinnen und Tübinger zu einem überwiegenden Großteil im Stadtbereich ohne Auto, das heißt mit dem Bus, dem Fahrrad oder zu Fuß bewegten. Wir richteten unsere Plakatkampagne also an den Fußgänger- und Fahrradrouten der Stadt aus sowie an Bushaltestellen und öffentlichen Plätzen. Da sich die Betrachter im Vorbeifahren oder -gehen nun auch längere Zeit mit dem Plakat beschäftigen konnten, wurde eine ganz andere Art der Plakatgestaltung möglich, mit einer Fern- und einer Nahwirkung und mit mehr Text als den üblichen Drei-Wort-Botschaften. Somit hatte die Plakatkampagne in unserem Wahlkampf eine klare strategische Funktion.
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CAB: Gibt es Erfolgsfaktoren für eine Kampagne? Welche drei Tipps geben Sie unseren LeserInnen für die Entwicklung einer effektiven und wirkungsvollen Strategie?
Brockmann: Der aus meiner Sicht wichtigste Erfolgsfaktor einer Kampagne ist die ihr zugrundeliegende Strategie, die auf einer eingehenden Analyse beruht. Der wichtigste Erfolgsfaktor einer Kampagne ist ihre Strategie sagt @LorenzBrockmann Klick um zu Tweeten
Die Bedeutung ebendieser Analyse ist kaum zu überschätzen. Kolleginnen und Kollegen empfehle ich zum Ersten genügend Zeit und ausreichend Ressourcen für die Analysephase einzuplanen und diese ergebnisoffen aber mit klaren Fragestellungen durchzuführen. Zum Zweiten ollten Ziele abgeleitet werden, die so präzise formuliert sind, dass sie im Ergebnis überprüft werden können. Diese Ziele gilt es deutlich nach Innen und nach Außen zu kommunizieren. Zum Dritten empfehle ich, der Entwicklung und Implementierung von Strukturen genügend Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Nur wenn Vorgehensweisen und Abläufe klar strukturiert und Zuständigkeiten geklärt sind, lassen sich die zur Verfügung stehenden Mittel auch zielgerichtet und effizient einsetzen.

First Democratic Debate

Hillary Clinton hat mit ihrem TV-Auftritt bei der ersten demokratischen Debatte in Las Vegas ihre Favoritenrolle im Wahlkampf der US-Demokraten unterstrichen. Dabei kommt ihr die Erfahrung aus vergangenen Wahlkämpfen zugute, sagt Julius van de Laar. Die Republikaner reden im US-Vorwahlkampf über Donald Trump, die Demokraten über Themen. Das hilft vor allem Favoritin Hillary Clinton. Herausforderer Bernie Sanders müsste Clinton angreifen, sagt er. Doch seine Kampagne verbietet das.

Im heute Interview analysiert der Kampagnenberater die Tv-Debatte wie folgt:
heute.de: Herr van de Laar, vor der ersten TV-Debatte der Demokraten stand Hillary Clinton unter enormem Druck. Stichwort: E-Mail-Affäre. Wie ging sie damit um?
Julius van de Laar: Im Vorfeld war ganz klar: Hillary Clinton musste punkten. Sie stand unter Druck, ihre Umfragewerte waren am Taumeln. In der Debatte hat sie aber einen sehr starken Auftritt geboten. Da muss man einfach sagen: Clinton fühlt sich wohl auf der Bühne der Präsidentschaftsbewerber, sie hat Erfahrung – während ihre Kontrahenten, inklusive Bernie Sanders, zum ersten Mal auf dieser Bühne stehen. Das hat man gemerkt. Außerdem hat sie einen Riesenvorteil im Vergleich zu den anderen, unbekannteren Kandidaten: Es gibt in diesem Jahr lediglich sechs Debatten der Demokraten. Die anderen Kandidaten, über die bisher kaum berichtet wurde, nämlich Martin O’Malley, Lincoln Chafee und Jim Webb, haben so nur wenig Zeit, haben so nur wenige Gelegenheiten, um zu zeigen, wer sie sind. Sie müssen angreifen, doch das ist ihnen in der TV-Debatte nur teilweise gelungen.
heute.de: Auch Bernie Sanders, Clintons schärfster Konkurrent, verzichtete gestern auf eine direkte Attacke. Sie sind Wahlkampfberater, haben an Obamas Kampagne mitgearbeitet. Hätten Sie Sanders zu mehr Angriffslust geraten?
Van de Laar: Als Bernie Sanders gesagt hat, dass sich „die amerikanische Öffentlichkeit nicht für die verdammten E-Mails“ von Clinton interessiere, war tatsächlich ein überraschender Moment. Er hätte Clinton dort angreifen können – was viele auch erwartet haben. Allerdings war Sanders da in einer schwierigen Position: Seine Kampagne setzt vor allem auf wirtschaftliche Themen. Das soll die Mittelschicht ansprechen. Seine Botschaft ist vor allem, dass er Washington von Grund auf verändern will. Da würde der angreifende, vernichtende Ton, den man sonst aus Washington kennt, nicht passen. Insofern war es eine gute Entscheidung, Hillary Clinton nicht frontal zu attackieren.
IMG_0483.JPGheute.de: Sanders muss also über Inhalte punkten?
Van de Laar: So ist es. Sanders setzt da auf die Ungleichheit bei den wirtschaftlichen Voraussetzungen, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Dafür hat er in den vergangenen Wochen und Monaten eine enorme Resonanz bekommen. Seine Veranstaltungen waren zum Teil gigantisch, er hatte bis zu 20.000 Zuhörer, und Hillary Clinton damit weit übertroffen. Auch bei den Spendeneinnahmen hat er aufgeholt. Sanders versucht nun, bei der Ungerechtigkeit zwischen Mittelschicht und Wall Street anzugreifen. Thematisch war das auch einer der größten Kontraste der TV-Debatte zwischen ihm und Hillary Clinton. Zum Teil ist ihm das gelungen.

heute.de: Als wir Sie im April zu Hillary Clintons Kandidatur interviewt haben, sagten Sie, die Demokraten hätten keine Alternative zu ihr. Würden Sie das heute wiederholen?
Van de Laar: Momentan erfährt Bernie Sanders enormen Zuspruch, gerade bei der liberalen Basis. Dennoch glaube ich nicht, dass sich die Demokraten Sanders, und damit einen ausgesprochenen Sozialisten, als Kandidaten wünschen. Im Hauptwahlkampf gegen die Republikaner hat Clinton mit ihrer Erfahrung gegenüber Sanders eine bessere Ausgangsposition.
heute.de: Apropos Republikaner: Die TV-Debatte der Demokraten drehte sich um Schusswaffen, die Macht der Banken, Kapitalismus im Allgemeinen – um Themen also. Ein starker Kontrast zu den Republikanern, bei denen Donald Trump polarisiert, wo er nur kann.
Van de Laar: Dieser Kontrast ist spannend zu beobachten. Während der republikanischen Debatten der vergangenen Wochen standen weniger die Inhalte im Vordergrund als das bombastische Auftreten Donald Trumps, das vor allem von harten persönlichen Attacken gekennzeichnet war. Die Debatte der Demokraten in Las Vegas war da eine komplett andere. Im Zentrum stand zwar auch die Zuspitzung zwischen Bernie Sanders und Hillary Clinton, allerdings war diese vorwiegend durch inhaltliche Differenzen und politische Themen geprägt. Es war das erste Mal, dass sich die beiden direkt miteinander auseinandersetzen mussten – und man hat den Unterschied zwischen beiden gut gesehen. Innenpolitisch konnte Bernie Sanders in vielen Aspekten gut mithalten. Außenpolitisch war der Vorsprung Clintons jedoch klar erkennbar.

heute.de: Mit Vizepräsident Joe Biden stellt sich derzeit bei einem ähnlich erfahrenen Politiker die Frage, ob er noch in den Wahlkampf einsteigen wird. Welche Rolle würde er spielen?
Van de Laar: Eine Kandidatur von Biden würde vor allem Hillary Clinton treffen. Sie würde deutlich mehr Stimmen verlieren als Bernie Sanders. Allerdings weiß Biden genau, wie es um eine Kandidatur zu diesem Zeitpunkt bestellt ist. Er hat weder Spendengelder noch ein Wahlkampfteam. Außerdem rücken die Deadlines näher. Er müsste seinen Namen in sämtlichen Bundesstaaten auf die Wahlzettel bekommen. Das ist kein einfaches Unterfangen. Außerdem hat Clinton in der TV-Debatte gut abgeschnitten. Hätte sie sich anders präsentiert, wäre durchaus Platz für Biden im Präsidentschaftswahlkampf gewesen. Ich gehe davon aus, dass er sich schlussendlich gegen eine Kandidatur entscheiden wird.

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Erst im November 2016 wählen die Amerikaner einen Nachfolger von Amtsinhaber Barack Obama. Dennoch muss Hillary Clinton sich auf einen harten Vorwahlkampf einstellen.I’m a progressive. But I’m a progressive who likes to get things done.“, war eines ihrer starken Zitate des Abends. Auch wenn Clinton als klare Favoritin der Demokraten gilt, führt Donald Trump momentan deutlich vor allen anderen republikanischen Bewerbern. Es bleibt spannend, ob sie sich gegen ihn als Kandidaten für die Präsidentschaftswahl durchsetzen könnte. Und auch ihr Vorsprung gegenüber dem Links-Kandidaten Bernie Sanders bleibt zu beobachten.

Der Einsatz von Videos als taktisches Tool für Viral-Campaigning

Für die Viralität eines Kampagnenvideos gibt es leider kein Geheimrezept, aber man kann einiges tun, um sich eine virale Verbreitung zu erarbeiten. Ein gutes Beispiel für Viral-Campaigning ist die Greenpeace-Kampagne #VWDarkside. Sie zeigt, wie viel Potenzial in einer gut durchdachten Kampagne mit dem Ziel eine Botschaft nachhaltig zu kommunizieren und Druck zur Veränderung zu erzeugen, stecken kann. Im aktuellen VW-Abgasskandal #dieselgate, wirft die Greenpeace-Parodie der Darth-Vader-Werbung von VW von 2011 nochmal ein ganz neues Licht auf den Autobauer. Diese zeigt einen kleinen Jungen im Darth Vader-Kostüm, der alltägliche Dinge mit Hilfe der „dunklen Macht“ zu lösen versucht. Die Story ist durchdacht, witzig und sehr gut auf die Zielgruppe von jungen Familien abgestimmt, die VW mit der Passatwerbung im Star Wars-Stil erreichen möchte.

Der VW-Werbespot war 2011 der meistgeklickte Werbespot und die Origignalversion wurde allein auf Youtube bis heute rund 62 Millionen Mal angeklickt. Der Erfolg des Virals wurde von Greenpeace geschickt genutzt, indem die Organisation eine Parodie auf die VW-Werbung produzierte:  Greenpeace ruft, ganz im Stil der berühmten Star-Wars-Filme, zur Rebellion gegen Darth Vader und VW auf. Das Greenpeace-Video fängt genau dort an, wo Volkswagens Werbetrailer  aufhört:  Mehrere Kinder in Star-Wars-Kostümen kämpfen gegen die dunkle Macht und rufen zur Rebellion gegen Volkswagen auf.

Die Umweltorganisation baute hierzu zusätzlich eine Landing Page #VWDarkside. Zentrales Element war das „Rebellionsmanifest“- einer Petition, die gegen hohen Kraftstoffverbrauch der VW-Modelle und gegen die Verharmlosung von Umwelt- und Gesundheitsfolgen durch den PKW-Hersteller unterzeichnet werden konnte.  In einer Art Online Game konnten die Besucher der Website sich ein Star-Wars-Spielerprofil anlegen. Je aktiver ein User auf der Seite war, desto höher war die Punktzahl, die er sich so erarbeitete und desto heller wurde das „Aktivitäts-Lichtschwert“. Wenn sich neue User auf die Seite der Rebellen schlugen und die Petition unterschrieben, wurden sie durch ein zweites Video belohnt. Über 500.000 „Rebellen“ sammelte Greenpeace auf diese Weise auf der Landingpage.

 

Die große Anzahl an Rebellen und Aktionen auf der Straße und Aktionen im Netz erhöhten den Druck auf VW so,  dass der Autobauer schließlich 2013 bekannt gab,  den CO2-Ausstoß seiner Neuwagenflotte stärker zu verringern, als bisher vorgesehen. Angesichts des aktuellen Abgasskandals wird der Greenpeace Adbusting-Spot der Kampagne erneut unter den Usern geteilt und unter dem Hashtag #vwdarkside weiter verbreitet.

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„Die Viralität eines Kampagnenvideos lässt sich nicht planen, aber man kann einiges für seine Ausbreitung tun“, so Volker Gaßner, Kampagnenexperte der Campaigning Academy. Man kann die Viralität einer Kampagne beeinflussen! sagt @vogassner Gründer der @berlin_academy… Klick um zu Tweeten „Wichtig ist eine gute Idee, die Botschaft muss auf den Punkt gebracht und Emotionen müssen geweckt werden. Die Relevanz des Themas und das richtige Momentum zur Veröffentlichung des Videos spielen eine weitere wesentliche Rolle“.

„Kampagnen dürfen Inhalte zuspitzen, die Fakten sollten aber stets überprüfbar sein, denn die Glaubwürdigkeit und der Vertrauensvorschuss von Unterstützern in Nichtregierungsorganisationen ist per se höher als in Unternehmen“, so Gaßner weiter. Kampagnen dürfen Inhalte zuspitzen, aber müssen überprüfbar bleiben sagt @vogassner Gründer der… Klick um zu Tweeten  „NGOs verkaufen keine Produkte, sondern setzen sich für etwas ein, das für die Allgemeinheit wichtig ist: Menschenrechte, Tier- und Umweltschutz. Dieses Vertrauen hilft den NGOs ihre Botschaften zu platzieren. Der Meldung einer NGO wird mehr vertraut und sie wird schneller weitergeleitet als die Meldung eines Konzerns. Die Fans, Follower oder Unterstützer vertrauen auf die Richtigkeit der Information. Der Erhalt der Glaubwürdigkeit ist daher für alle NGOs sehr wichtig. Im Zeitalter der 140-Zeichen-Kommunikation gilt deshalb noch mehr, dass die Botschaften leicht verständlich sein müssen. Sie dürfen, wie im Fall des Greenpeace VW-Kampagne zugespitzt sein, einer Überprüfung der Fakten müssen sie aber stets standhalten.“

Ein gutes Beispiel für ein zu überspitztes Video ist die Anti-Pestizid- Kampagne von BUND. Dort zu sehen sind Kleinkinder, die in einem Acker in der Erde eingepflanzt scheinen und von einem Flugzeug mit Pestiziden übersprüht werden. Diese Kampagne sorgte aufgrund der drastischen Bilder für viel Aufmerksamkeit, aber auch Empörung. Die richtige Kritik am Pflanzenschutzmittel Glyphosat, büßte so an Authentizität ein. Die Umweltorganisation musste letztendlich das Video aus dem Netz nehmen, weil selbst die eigenen Unterstützer das Video für zu überspitzt hielten.

 

 

Für einen tieferen Einblick in die Thematik empfehlen wir:

Gaßner, V. (2013). Wie Nichtregierungsorganisationen die Erregungspotentiale des Web zum Erreichen politischer Ziele nutzen. In: T. Schulz (Hrsg.), Krisenkommunikation (S. 283ff.). Berlin: prismus communications.

 

Gaßner, V. (2013). Die Greenpeace Detox-Kampagne. In:  M. Kruse-Wiegand & A. Busse (Hrsg.), Wir machen dieses Social Media: Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks von Social Media-Profis (S. 173ff.). Köln: O’Reilly.

 

Videokommentar Volker Gaßner ab Minute 19:49 im Programm „Einfach dagegen – Was bringt Protest im Netz?“ von EinsPlus des Klub Konkret